DPhV Bildungspolitik

Der Deutsche Philologenverband vertritt die bildungs- und berufspolitischen Interessen seiner Mitglieder.

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10 Jahre Föderalismusreformen – Große Unterschiede in den Bundesländern

Der Deutsche Philologenverband sieht mit großer Sorge die Auseinanderentwicklung in der Besoldung und im Versorgungs- und Beihilferecht seit Beginn der Föderalismusreform im September 2006. Zehn Jahre Föderalismusreform waren für den Beamtenrechtsausschuss des Deutschen Philologenverbandes Anlass, sich auf seiner Herbsttagung mit den Auswirkungen der Reform in den einzelnen Bundesländern auseinanderzusetzen. Nach Eigenerhebung des Ausschusses ergibt sich eine jährliche Besoldungsdifferenz im Eingangsamt A 13 zwischen Bayern (höchste Besoldung) und Rheinland-Pfalz (niedrigste Besoldung) von 51.012,99 € zu 42.984,12 € und im Endamt zwischen Bayern (höchste Besoldung) und Berlin (niedrigste Besoldung) von 62.736,37 € zu 57.060,88 € (Stand 2016).

Übertragung des Tarifergebnisses auf den Beamtenbereich zeitverzögert

Der Deutsche Philologenverband hat stets die unmittelbare und volle Übertragung der Ergebnisse der Einkommensrunden im Geltungsbereich des Tarifvertrages der Länder auf den Beamtenbereich gefordert. Meistens ist jedoch die Übertragung des Tarifergebnisses erst nach erheblicher Zeitverzögerung erfolgt. Dabei ist es in einzelnen Bundesländern nicht zu einer vollständigen Übernahme gekommen. Dies hat zur Folge, dass die Beamtinnen und Beamten über die Jahre gesehen bei der Entwicklung der Einkommen gegenüber der Wirtschaft allgemein, aber auch gegenüber dem Tarifbereich benachteiligt sind. Hinzu kommt, dass bei den Tarifverhandlungen im Geltungsbereich der Länder über die Jahre hinweg durch gewährte Sockel- bzw. Mindestbeträge die unteren Einkommensgruppen eine real höhere prozentuale Gehaltssteigerung gegenüber den Beschäftigten im Höheren Dienst hatten.

Tarifauseinandersetzung 2017

Nicht zuletzt sind im Beamtenrechtsauschuss die Forderungen des Deutschen Philologenverbandes für die Tarifauseinandersetzung 2017 vorberaten worden. Angestrebt werden soll eine lineare Erhöhung der Entgelte, die die Inflationsrate ausgleichen zuzüglich einer Anpassung von 4 Prozent. Des Weiteren soll für die Beschäftigten im Geltungsbereich des TV-L die Einführung der Erfahrungsstufe 6 und die stufengleiche Höhergruppierung gefordert werden. Danach ist die inhalts- und zeitgleiche Übertragung der Ergebnisse der Tarifrunde 2017 auf die Beamtinnen und Beamten der Länder anzustreben.

 

Den vollständigen Artikel aus Profil 11/2016 finden Sie hier.

Schulforschung im Blick des bildungspolitischen Ausschusses des DPhV

Der bildungspolitische Ausschuss des Deutschen Philologenverbandes traf sich am Mitte März 2016 in Berlin zu seiner Frühjahrstagung. Zu Beginn der Sitzung berichteten die Vertreterinnen und Vertreter der Länder über die bildungspolitische Situation in den Bundesländern und die Haltung der Landesverbände hierzu. Besonders beunruhigt zeigten sich die Philologen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt im Hinblick auf die am nächsten Tag stattfindenden Landtagswahlen und die dazugehörigen Prognosen, welche keine große Unterstützung für die Belange des Gymnasiums erwarten ließen.

Schwerpunkt der Tagung war das Thema „Schulforschung“. So folgte der Ausschuss der Einladung des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Direktorin Frau Prof. Dr. Stanat stand den Ausschussmitgliedern für zwei Vorträge und dazugehörige Diskussionsrunden zur Verfügung.

Schwierigkeit politischer Anstrengungen im Föderalismus Vergleichbarkeit im Bildungssystem herzustellen

Im ersten Teil berichtete sie von den Aufgaben des IQB und gab einen vertieften Einblick in die Erarbeitung der Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife sowie den Aufbau des Pools an Abituraufgaben, aus welchem sich die Länder ab dem Jahr 2017 gemäß Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) bedienen können. Prof. Dr. Stanat zeigte sich überzeugt, dass die Länder diese Möglichkeit nutzen werden, um zu zeigen, dass man sich einer Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen in den Ländern stellen möchte. In der Diskussion mit den Ausschussmitgliedern wurde deutlich, wie schwierig die politischen Anstrengungen im Föderalismus in Deutschland sind, Vergleichbarkeit im Bildungssystem herzustellen. So wurden von der Politik Testungen bezüglich der nationalen Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife verworfen, wie diese in der Sekundarstufe I üblich sind. Zu groß wären die Probleme bei der Terminfindung und bei der Organisation gewesen. Auch wurden Überlegungen zu Vergleichsarbeiten in der gymnasialen Oberstufe nicht fortgeführt, da eine zu große zeitliche Nähe zu den Bildungsstandards der Sekundarstufe I vorgelegen hätte. Der Einsatz von Abituraufgaben, welche im Konsens aller Länder basierend auf den nationalen Bildungsstandards entwickelt werden, wird als gutes Instrument angesehen, Absprachen aller Länder zu erreichen und diese umzusetzen.

Schulleistungsstudien beschreiben, aber bieten keine Lösungen an

Im zweiten Vortrag berichtete Prof. Dr. Stanat, dass die Schulleistungsstudien, welche in Deutschland durchgeführt werden, nur eine beschreibende Funktion haben, aber keine Lösungen anbieten können. Das IQB ist für die nationalen Ländervergleiche in der Primarstufe und der Sekundarstufe I zuständig. Ergänzend zu den Schulleistungsstudien muss es Schulbegleitforschung geben, welche Erklärungswissen, Veränderungswissen und Handlungswissen im Fokus hat. Auch das IQB führt Schulbegleitforschung durch. Eine besondere Bedeutung kommt Längsschnittstudien zu. Prof. Dr. Stanat gab den Ausschussmitgliedern einen kurzen Einblick in aktuelle Forschungsansätze und Ergebnisse, welche zum Teil im Detail diskutiert wurden.

In der am nächsten Tag folgenden ausschussinternen Diskussion wurde herausgearbeitet, dass die basierend auf Schulleistungsstudien vorgenommenen Interpretationen häufig zur Rechtfertigung von getroffenen (bildungspolitischen) Entscheidungen einseitig genutzt werden. Schulleistungsstudien dürfen aus Sicht des DPhV nicht interessensgeleitet sein. Schule und Bildung ist vorrangig staatliche Aufgabe, im Sinne einer Unabhängigkeit ist im Forschungsbereich die Aktivität von privaten Trägern kritisch zu sehen. Als bedauerlich sahen die Mitglieder des Ausschusses es an, dass es viele Erkenntnisse aus Schulleistungsstudien gibt, die zu keinen leistungsfördernden und wissenschaftlich gestützten Veränderungen in der Praxis führen.

Schulbegleitforschung ist aus Sicht des Ausschusses nur sinnvoll, wenn sie in konkreten Projekten stattfindet, die zeitlich begrenzt sind und konkrete Forschungsfragen in den Blick nimmt. Die Festlegung von Forschungsfragen soll nicht willkürlich, sondern aus der Analyse der bisherigen Forschung, z.B. auch aus den Ergebnissen der Schulleistungsstudien, gewonnen werden. Diese Projekte sind jeweils für Primarstufen, Sekundarstufen oder schulstufen- und schulartspezifisch übergreifend zu definieren. In die Forschung sind immer Lehrkräfte miteinzubeziehen, die entsprechend entlastet werden müssen.

Die Ausschussmitglieder wünschen sich Erkenntnisse in folgenden Themenfeldern:

·         Faktoren, die den Unterricht beeinflussen

·         Übergänge im Schulsystem

·         Stellenwert von Kompetenzen (Ist ein kompetenzorientiert ausgebildeter Schüler ein besserer Student?)

·         „Un“wirksamkeit von Unterricht / Methodenvielfalt und kognitive Aktivierung

·         Arbeitsbelastung der Lehrkräfte / „Arbeitshygiene“

·         Wertigkeit des Abiturs

·         Bedeutung / Konsequenzen zentraler Prüfungen

·         Einfluss von Heterogenität auf Unterricht

·         Unterstützungsstrukturen für Lehrkräfte

Mit vielen fachlichen Eindrücken und Gedanken traten die Ausschussmitglieder am Ende des zweiten Tages die Heimreise an.

 

Der Bericht aus Profil 5/2016.

Profil 5/2015: Lehrerbildung als Thema im bildungspolitischen Ausschuss des DPhV

Der bildungspolitische Ausschuss des Deutschen Philologenverbandes (DPhV) unter der Leitung von Ralph Hartung tagte März in der dbb-Akademie in Königswinter. Schwerpunktthema der Veranstaltung war die Lehrerbildung, welche in vielen Bundesländern aus Sicht des DPhV ein Sorgenkind ist.

Alle Mitglieder des Ausschusses waren sich einig, dass die verschiedenen Phasen der Lehrerbildung beibehalten werden müssen, da Lehrerbildung als eine übergreifende “berufsbiographische Aufgabe” gesehen wird, die sich über die erste, zweite und dritte Phase erstreckt.

Rückgang der Fachlichkeit in den Lehramtsstudiengängen

Als ein großes Problem der ersten Phase der Lehrerbildung wurde zu Beginn der Veranstaltung die zurückgegangene Fachlichkeit der Lehramtsstudiengänge identifiziert. Mit Einführung der Bachelor – Masterstudiengänge nahmen die fachwissenschaftlichen Anteile in der ersten Phase der Lehrerbildung ab. Zudem sind zunehmend aktuelle Aspekte wie z.B. die Inklusion in die Studiengänge bei verkürzter Laufzeit aufzunehmen. Mitglieder des Ausschusses wussten zu berichten, dass immer häufiger Berufseinsteiger zu Beginn des Referendariats über mangelnde fachliche Kenntnisse verfügen und somit den Schülerinnen und Schülern im Unterricht nur thematisch wenige Wochen voraus sind.

 

Adäquate Begleitung der Lehramtsstudierenden im Praxissemester

Interessante Informationen bezüglich der Durchführung des Praxissemesters in Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen brachten dann Prof. Dr. Christina Drüke-Noe von der Pädagogischen Hochschule Weingarten und Prof. Dr. Ewald Terhart von der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster mit.  Frau Prof. Dr. Drüke-Noe betonte die Unverzichtbarkeit von adäquater Begleitung der Lehramtsstudierenden durch Schule und Hochschule im Praxissemester. Sie betonte auch, dass „der Arbeitsaufwand aller Beteiligten nicht zu unterschätzen ist“.

Prof. Terhart: Es gibt nicht 'den' Einheitslehrer

Herr Prof. Dr. Terhart bestätigte in seinem Vortrag, dass die Ausweitung der Praxiselemente in der ersten Phase der Lehrerbildung eine stabile Dauertendenz ist, aber keine Forschungsevidenz besteht. Herr Prof. Dr. Terhart präsentierte den Mitgliedern auch pointierte Thesen zur Lehrerbildung, die in der Diskussion des Ausschusses rege berücksichtigt wurden. So formulierte er: „Die Ausbildungsdauer kann einheitlich sein! Es gibt aber nicht den Einheitslehrer! Die innere Komposition muss differenziert sein!“.

Beibehaltung des 24-monatigen Referendariats

Bezüglich des Vorbereitungsdienstes waren sich die Ausschussmitglieder einig, dass das 24-monatige Referendariat beibehalten bzw. wieder eingeführt werden muss, da die Verkürzung tatsächlich zu einer Verschlechterung der schulpraktischen Fähigkeiten der Berufsanfänger geführt hat.

Dritte Phase der Lehrerbildung – großer  Handlungsbedarf

Förderlich für eine dauerhaft gelingende Lehrertätigkeit ist aus Sicht des Ausschusses eine institutionalisierte Begleitung von Lehrkräften in der Berufseingangsphase sowie ein berufsbegleitendes Fortbildungskonzept als dritte Phase der Lehrerbildung. Hier besteht in einigen Bundesländern erheblicher Handlungsbedarf.

'Leadership' in der Lehrerbildung

Weiterhin beschäftigte sich der Ausschuss in Königswinter mit dem „Leadership“ in der Lehrerbildung. Ausschussmitglied Carsten Groene trug diesbezüglich neueste Erkenntnisse vor, welche in die Erarbeitung eines Positionspapiers des Ausschusses einflossen.

Leitantrag zur Bildungs- und Gesellschaftspolitik

Für ein starkes Gymnasium in einem pluralen Schulsystem

Deutscher Philologenverband für eine Vielfalt von Schularten,  für eine differenzierte Lehrerbildung und für eine Vielfalt in den Lehr- und Lernmethoden statt einer verordneten „Individualisierung“ in der Einheitsschule!

Der Deutsche Philologenverband ist der Überzeugung, dass eine pluralistische Gesellschaft wie die deutsche eines pluralen Schulsystems und pluraler Bildungsvorstellungen bedarf. Der DPhV hält deshalb am Konzept der Schulvielfalt und der spezifischen Profilierung des grundständigen Gymnasiums ab Klasse 5 mit dem Ziel der allgemeinen Studierfähigkeit und dem Erwerb einer vertieften Allgemeinbildung fest.

In einem pluralen Schul- und Bildungssystem bleibt das Gymnasium die einzige Schulart, die zielgerichtet und effizient in einem in sich geschlossenen Bildungsgang direkt zur allgemeinen Hochschulreife führt! Gleichzeitig tritt der DPhV für ein vielfältiges Bildungssystem mit differenzierten Abschlüssen ein: für ein mehrgliedriges Bildungssystem verschiedener Schularten, schulischer Bildungsgänge und schulischer Abschlüsse, um jedem Schüler und jeder Schülerin entsprechend seiner und ihrer Voraussetzungen, Begabungen und Neigungen eine optimale Bildung zu ermöglichen. Deshalb setzt sich der Deutsche Philologenverband auch für den Erhalt der Förderschulen ein. Darüber hinaus fordert der DPhV, dass Kinder und Jugendliche mit Behinderungen auch an Gymnasien unterrichtet werden, wenn es dort für sie sinnvoll ist. Damit eine solche Integration von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen gewährleistet werden kann, müssen die hierfür erforderlichen Rahmenbedingungen verbessert oder neu geschaffen werden.

Im Rahmen eines pluralen Schul- und Bildungssystems hält das Gymnasium dabei an seinem Ziel fest, seinen Schülerinnen und Schülern eine solche „Bildung“ zu ermöglichen und zu vermitteln, die mehr als Qualifikationen und Basiskompetenzen umfasst und die über eine reine Wissensakkumulation hinausreicht. Gymnasiale Bildung zeichnet sich auf der Basis eines hohen Wissenserwerbs durch eigenständiges Arbeiten, prinzipielles Fragen, kategoriales Denken und distanzierte Reflexion gegenüber sich selbst und den komplexen Erscheinungen und Zusammenhängen in Kultur, Natur, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft aus.

Das Gymnasium will seine Absolventen deshalb nach wie vor mit möglichst hohen Anforderungen im kognitiven wie im nicht-kognitiven Bereich konfrontieren, so dass diese in besonders anspruchsvoller Weise

- selbsttätig und selbst verantwortet über ihre Lebensbeziehungen bestimmen,

- gemeinsame kulturelle und gesellschaftliche Verhältnisse verantwortungsbewusst mitgestalten,

 - die Vergangenheit verstehen und auf dieser Grundlage befähigt werden, mit der großen Dynamik im Wandel in allen Lebensbereichen kritisch-konstruktiv umzugehen.

Das Ziel des Gymnasiums wird es somit auch zukünftig sein, seine Absolventinnen und Absolventen zu einer besonders aktiven, verantwortungsbewussten Teilnahme am kulturellen Gesamtleben der Gesellschaft zu befähigen, um den Stand des Wissens und Könnens, die Kultur sowie die Erkenntnisse und Ergebnisse der Wissenschaft mit jeder neuen Generation zu sichern und, wenn möglich, zu steigern. Die Gemeinschaft in unserem demokratischen und sozialen Rechtsstaat bildet die Basis für die weitere politische Integration in Europa, aber auch für ein bewusstes Miteinander mit den Menschen anderer Länder und Kontinente. Die wirtschaftliche Globalisierung wird einhergehen müssen mit der Entwicklung Kontinent übergreifender sozialer Sicherungssysteme und auch mit einem noch verantwortlicheren Umgang mit den Ressourcen der Erde.

Insofern liegt das schulartbezogene Ziel des grundständigen Gymnasiums in der Vermittlung einer vertieften – sowohl fachspezifischen als auch fächerübergreifenden – Allgemeinbildung durch 

- eine vielfältige und fundierte Deutsch- und Fremdsprachenbildung,  

- eine konsequent angelegte qualifizierte naturwissenschaftliche Grundbildung,

- eine auf umfassende Menschenbildung angelegte gesellschaftswissenschaftliche und ästhetische Bildung.

Konzeptionell entsprechen diesen Zielen: 

- ein durchgängiges Sprachenkonzept von der Grundschule an bis zum Abitur für das Unterrichtsfach Deutsch und die Fremdsprachen. Die Bildungsressourcen der Schüler/innen sollten für den Erwerb mehrerer Sprachen genutzt werden, statt sie auf eine mehrjährige Einsprachigkeit einer fortgesetzten Fremdsprache zu beschränken. Hier ist das Ziel, die Sprache als Schlüssel zu Kultur und transkultureller Kommunikation zu erschließen und anzuwenden;

- ein durchgängiges Konzept für Mathematik und den Bereich Naturwissenschaft und Technik mit einem höheren verbindlichen Anteil mathematisch-naturwissenschaftlicher Fächer für alle Schüler; hier ist das Ziel, über das Verfügungswissen hinaus den Aufbau eines dauerhaften Interesses an und eine besondere Neugier für MINT-Probleme zu ermöglichen;

- ein durchgängiges Konzept für eine gesellschaftswissenschaftliche und ethische Bildung als kulturtraditionelle Basis für die Teilnahme am Gesamtleben der Gesellschaft; hier ist das Ziel, eine rational begründete Lebensführungskompetenz unter den Bedingungen der jeweiligen Lebensverhältnisse grundzulegen;

- ein durchgängiges Konzept für eine ästhetische Bildung, die deren besondere Bedeutung für die Menschenbildung deutlich macht; hier ist das Ziel, Schülerinnen und Schüler für eine aktive Begegnung mit und Gestaltung von ästhetischen Ausdrucksformen in Sprache, Literatur, Theater, Musik, Bildender Kunst und Natur „aufzuschließen“.

Die Schülerinnen und Schüler sollen so gleichermaßen eine hohe Studier- und Berufsfähigkeit erreichen.

Damit eine möglichst optimale Passung zwischen den Anforderungen und dem individuellen Eignungsprofil aller Schülerinnen und Schüler erreicht und die Potentiale aller in das Gymnasium eingetretenen Kinder bestmöglich ausgeschöpft und gefördert werden können, sollten alle schulischen Übergänge zum Gymnasium hin und vom Gymnasium weg durch Förderkonzepte begleitet werden. 

Bestmögliche Bildung und Erziehung sind nur in einem grundständigen und nach dem Prinzip des kontinuierlichen Lernens strukturierten Gymnasium ab Klasse 5 möglich. Damit eine gelungene Passung zwischen den Lernvoraussetzungen des Individuums und den Anforderungen des Gymnasiums gelingen kann, sollte eine differenzierte Förderung bereits in der Eingangsklasse beginnen und  personell abgesichert werden und eine geschickte Kombination von innerer und äußerer Differenzierung von Lerngruppen sowie von individuell zu nutzenden Lerngelegenheiten ermöglicht werden.

Möglichkeiten der differenzierten Förderung, u. a. zur besseren Beachtung der Sonder- und Hochbegabungen, bestehen zwischen Gymnasien und Universitäten, aber auch anderen wissenschaftlichen Einrichtungen; zwischen Gymnasien und Wirtschaft ist diese noch zu erweitern.

Das Gymnasium kann zukünftig einen noch größeren Beitrag für die Integration und Qualifizierung von Kindern mit Migrationshintergrund leisten und die von ihnen mitgebrachten Ressourcen für sie selbst und für unsere Gesellschaft nutzbar machen.

Dazu muss auf eine vom Kindergarten an kontinuierliche sprachliche Förderung zurückgegriffen werden können, Unterricht in der jeweiligen Religion in deutscher Sprache angeboten werden und durch internationale Begegnungen und Austauschprogramme die Offenheit aller Schüler/innen für andere Kulturräume vergrößert werden.

Auch im Zuge einer angemessenen Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit Handicap ist eine differenzierte Förderung zu praktizieren und personell abzusichern.

Deutschland braucht für seine weitere wirtschaftliche Prosperität und technisch-wissenschaftliche Entwicklung eine große Zahl schulisch bestens ausgebildeter junger Menschen. Deutschland braucht Verantwortungseliten. Dabei kommt dem Gymnasium wie in der Vergangenheit schon eine herausragende Bedeutung zu.

Damit das Gymnasium seine Aufgaben erfüllen und diese Ziele erreichen kann, fordert der Deutsche Philologenverband:

1.      Die Landesregierungen mögen in ihrem Bundesland ein vielfältiges Bildungssystem mit verschiedenen Schularten inklusive des Gymnasiums umsetzen, für die einzelnen Schularten jeweils differenzierte Abschlüsse vergeben und in jeder Schulart eine Vielfalt von Lehr- und Lernmethoden fördern und fordern. Förderschulen sollen erhalten bleiben.

2.    Die Landesregierungen mögen die Lehrerinnen und Lehrer differenziert für ihre jeweilige Schulart und keine Einheitslehrer ausbilden. Für das gymnasiale Lehramt bedeutet das ein vertieftes wissenschaftliches Universitätsstudium in zwei gleichwertigen Fächern verknüpft mit fachdidaktischen und schulpädagogischen Studien sowie ein 24-monatiges Referendariat mit den Abschlüssen des ersten und zweiten Staatsexamens.

3.       Für die spezifische Profilierung des Gymnasiums im Konzept der Schulvielfalt muss das Gymnasium grundständig mit Klasse 5 beginnen und als einzige Schulart zielgerichtet und effizient in einem in sich geschlossenen Bildungsgang direkt zur allgemeinen Hochschulreife führen. Experimente eines späteren Übertritts sind baldmöglichst zu beenden, da sie zu Lasten des notwendigerweise hohen Anforderungsprofils des Gymnasiums gehen.

4.       Um den Anforderungen an einen didaktisch-methodisch angemessenen    Unterricht genügen sowie eine gezieltere Förderung seiner Schülerinnen und Schüler leisten zu können, bedürfen die Gymnasien aktuell gleichbleibender personell-infrastruktureller und finanzieller Ressourcen, die nicht (!) der sogenannten demografischen Rendite zum Opfer fallen dürfen! 

5.       Bis zum Abitur sind mindestens 265 Wochenstunden vorzusehen, um für die Absolventen auf dem europäischen Arbeitsmarkt in Europa vergleichbare Bedingungen zu schaffen.

6.       Da die deutsche Sprache in Deutschland Schlüssel zur Bildung, Grundlage für den Schul- und Bildungserfolg der Schülerinnen und Schüler und Voraussetzung für einen kompetenten Umgang mit den Aufgaben des Verstehens, Verarbeitens, Denkens und Formulierens ist, ist es unerlässlich, dem Unterrichtsfach Deutsch durchgängig, beginnend in der Grundschule, bezogen auf die jetzige Stundentafel, ein höheres Zeitvolumen zur Verfügung zu stellen.

Leitantrag Lehrerbildung

DPhV für eine eigenständige, qualitativ hochwertige Gymnasiallehrerbildung!

Wer den Gymnasiallehrer abschafft, wird das Gymnasium abschaffen!

Die Vertreterversammlung des Deutschen Philologenverbandes wendet sich entschieden gegen Beschlüsse und Bestrebungen in einer Reihe von Bundesländern, eine eigenständige Gymnasiallehrerbildung abzuschaffen und durch eine Stufen- oder Einheitslehrerausbildung zu ersetzen. Eine Einheitslehrerausbildung führt in keiner Weise zu einer Vorbereitung der künftigen Lehrerinnen und Lehrer auf die differenzierten Aufgaben in der Unterrichtspraxis der einzelnen Schulformen. Der DPhV wendet sich gegen eine schulartennivellierende Einheitsdidaktik. Angesichts der Erfolgsgeschichte und der unbestrittenen Attraktivität des Gymnasiums fehlt jede sachliche Begründung für eine Infragestellung der gymnasialspezifischen universitären Ausbildung der am Gymnasium unterrichtenden Lehrkräfte.

Hohe Bedeutung der fachwissenschaftlichen Ausbildung

Der Unterricht für Gymnasialschüler verlangt eine andere fachwissenschaftliche, fachdidaktische und pädagogische Ausbildung ihrer Lehrkräfte als das Unterrichten an anderen Schulformen.Wir widersetzen uns dem Trend zur Nivellierung und fordern für Lehrkräfte, die ihre Schülerschaft auf anspruchsvolle universitäre Studiengänge vorbereiten, eine Ausbildung auf höchstem universitären Niveau. Ein zukunftsorientiertes Bildungswesen braucht keine pädagogische Manövriermasse, sondern fachlich, fachdidaktisch und pädagogisch top-gebildete Spezialisten. Fachwissenschaftliche Kompetenz ist Voraussetzung für erfolgreiches Lehren. Wie die Coactiv-Studie und andere Studien belegen, gibt es einen klaren kausalen Zusammenhang zwischen Fachkompetenz der Lehrkraft und Schülerleistung. Fachdidaktik und Pädagogik können nur dann optimal wirken, wenn sie auf einem soliden Fundament von Fachwissen zum Einsatz kommen. Eine Weiterentwicklung der fachdidaktischen und pädagogischen Ausbildung darf nicht zulasten der fachwissenschaftlichen Kompetenz gehen. Auch die Fortbildung von Lehrern verdient höchste Qualität, um professionellen Ansprüchen gerecht zu werden.

Vereinheitlichung bedeutet Qualitätsverlust

Der DPhV befürchtet eine entscheidende Minderung von Qualität und Fachlichkeit als Konsequenz einer Vereinheitlichung der Lehrerbildung. Hinter den Reformbestrebungen in einigen Bundesländern steckt auch der Wunsch nach dem billigen Einheitslehrer, der nach harmonisierter Ausbildung universell einsetzbar sein soll. Das Recht der Schüler auf Lehrer, die möglichst passgenau für ihre jeweiligen, höchst unterschiedlichen Anlagen und Bedürfnisse ausgebildet wurden, wird dabei in unzulässiger Weise vernachlässigt. Lehrer, die alles ein wenig können, können nichts gut. Die Ausbildung von Einheitslehrern führt zwangsläufig zu einer Absenkung des Ausbildungsniveaus. Unterschiedliche Bedürfnisse der Schüler erfordern eine zielgruppenspezifische Ausbildung der Lehrer: die beste, aber nicht die gleiche Ausbildung für die Lehrer der einzelnen Schularten, damit sie in optimaler Weise auf Stärken, Schwächen und spezifische Bedürfnisse ihrer Schüler eingehen können.

Gymnasiallehrerbildung aus einem Guss!

Für uns ist der gymnasiale Bildungsgang eine Einheit von der Eingangsklasse bis zum Abitur: Nur wenn im Hinblick auf diesen Abschluss schon von der Unterstufe an der Unterricht in hoher Qualität gehalten wird, kann das Niveau des Abiturs und sein Wert als allgemeine Hochschulzugangsberechtigung zu halten sein. Die Ausbildung der Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer muss diesem Gedanken auch künftig Rechnung tragen und daher als Einheit mit einem wissenschaftlichen Vollstudium und abschließendem Staatsexamen konzipiert sein. Wir treten ein für den Erhalt und die Weiterentwicklung der qualitätsvollen eigenständigen Ausbildung von Gymnasiallehrkräften. Dazu zählen

- die schulartbezogene Lehrerausbildung mit besonders hohen fachwissenschaftlichen Anteilen in zwei gleichberechtigten Studienfächern und unter Einbezug von fachdidaktischen und gymnasialpädagogischen Anteilen

- das Staatsexamen als Qualitäts- und Vergleichbarkeitsstandard sowie Ausdruck der staatlichen Verantwortung für die Lehrerbildung

- der Erhalt bzw. die Wiedereinführung des zweijährigen Referendariats

Wer den Gymnasiallehrer abschafft, wird das Gymnasium abschaffen!

17.03.2013

Kompetenzorientierung im Unterricht

Frühjahrstagung des Bildungspolitischen Ausschusses des DPhVmehr >