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„Wir brauchen an unseren Schulen so viel Vorsorge wie möglich und so viel Schutz wie nötig!“

    Liebe Kollegen und Kolleginnen,

    der dritte Herbst seit Beginn der Corona-Pandemie hat begonnen, der dritte Winter wird folgen. Und wir alle fragen uns: Wie wird es an unseren Schulen sein? Der Bundestag hat über ein geändertes Infektionsschutzgesetz abgestimmt. Grundrechtseingriffe wie flächendeckende Lockdowns oder Schließungen von Kitas und Schulen sollen vermieden werden. Der Deutsche Philologenverband bleibt dabei: Wir brauchen an unseren Schulen so viel Vorsorge wie möglich und so viel Schutz wie nötig! Wir bleiben deshalb auch bei der Maxime einer verantwortungsbewussten Maskenfreiwilligkeit! Und selbstverständlich sind Lehrkräfte, die sich mit dem neuen Impfstoff gegen die Omikron-Variante boostern möchten, bevorzugt zu behandeln. Wir treten wieder für eine Priorisierung der Impfangebote für Lehrkräfte ein. Denn klar ist: Guter Unterricht in den Schulen hat immer auch die Gesundheit aller als Voraussetzung!

    Wir appellieren weiterhin an die Kultusministerinnen und -minister der Länder sicherzustellen, dass jede Schule rechtssicher mit der nötigen digitalen Infrastruktur versorgt ist, um im Notfall unproblematisch von einem digital unterstützten Präsenzunterricht in einen digital unterstützten Distanzunterricht wechseln zu können. Jede Lehrkraft benötigt ein entsprechendes digitales Endgerät – auch Referendarinnen und Referendare!

    Und es wird eventuell noch ein weiteres Problem diesen Winter auf uns zukommen. Nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine wurden die Gaslieferungen gedrosselt. Ein Engpass im Winter könnte bevorstehen. Wir haben uns als erster Lehrerverband für eine Priorisierung der Schulen bei eventueller Gasknappheit eingesetzt. Die Kultusministerkonferenz hat dem in ihrem Gespräch am 1. September mit Bundesnetzagentur Chef Müller in einem ersten Anlauf entsprochen: Keine Lehrkraft und keine Schülerin und kein Schüler soll frieren müssen. Schulen – das fordert der Deutsche Philologenverband kontinuierlich weiter – sind bei Gas-Knappheit bevorzugt zu behandeln!

    DPhV-Vorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Berlins Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse, Kathrin Wiencek, Vorsitzende des Philologenverbandes Berlin/Brandenburg und ihr Stellvertreter Ferdinand Horbat beim Gespräch in der Senatsverwaltung für Bildung, Credit: privat

    Wir blicken in dieser PROFIL-Ausgabe vor allem nach Berlin. Berliner Schülerinnen und Schüler belegen in Bildungsvergleichen seit Jahren die letzten Plätze. Nirgendwo fehlen so viele Lehrkräfte, nirgendwo fallen so viele Schulstunden aus. „Welcher Gattung ordnen Sie das Drama ,Berliner Schule‘ zu?“ fragt der Chefredakteur des Berliner Tagespiegels, Lorenz Maroldt, gleich zu Beginn seines Buches „Klassenkampf – Was die Bildungspolitik aus Berlins Schuldesaster lernen kann“. Seine Antwortmöglichkeiten: „Komödie, Tragödie, Tragikomödie oder Trauerspiel“. Wahrscheinlich ist es von jedem ein bisschen. Das Gespräch mit Berlins Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD), das ich gemeinsam mit der Vorsitzenden des Philologenverbandes Berlin/Brandenburg, Kathrin Wiencek, sowie ihrem Stellvertreter, Ferdinand Horbat, im August führen durfte, war überraschend konstruktiv. Wie wir auch, sprach sich die SPD-Politikerin gegen eine Stundentafelkürzung als Kompensation des Lehrkräftemangels aus. Weniger Pflichtunterricht z.B. in Deutsch, Mathematik und Englisch senkt die Leistungsstandards. Senatorin Busse setzt, wie wir auch, auf die nun wiedereinsetzende Verbeamtung der Lehrkräfte, um Berlin attraktiver für angehende Lehrerinnen und Lehrer zu machen. Wie es an Berliner Schulen wirklich aussieht, weiß sie nur zu gut: Sie war knapp 30 Jahre Leiterin der „Grundschule in der Köllnischen Heide“, die sich im Berliner Problembezirk Neukölln befindet.

    Was sich in der Berliner Schulpolitik ändern muss, beschreibt für uns Arnd Niedermöller, Berliner Schulleiter, Vorsitzender der Vereinigung der Oberstufendirektoren Berlin und Vorsitzender der Bundesdirektorenkonferenz Gymnasien, in der aktuellen PROFIL-Ausgabe.

    Doch nun wünsche ich Ihnen vor allem viel Kraft und Schutz für den Schulherbst 2022.

    Mit herzlichen Grüßen

    Ihre Susanne Lin-Klitzing

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