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DAS brauchen unsere Lehrkräfte jetzt!

    Weniger überflüssiger bürokratischer Aufwand, mehr Zeit für guten Unterricht und eine Klassenleitungsstunde – gerade jetzt!

    Von Susanne Lin-Klitzing

    Berlin – Das Abitur unter Corona-Bedingungen, aber ohne Corona-Maßnahmen – die Beschulung geflohener ukrainischer Schülerinnen und Schüler und dazu jede Menge überflüssiger bürokratischer Aufgaben… Den beiden ersten Aufgaben stellen Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, sich für Ihre Schülerinnen und Schüler Tag für Tag, fordern und fördern sie, bereiten sie bestmöglich auf ihre Prüfungen vor und nehmen diese auch unter schwierigen Bedingungen ab – mit einem hohen Berufsethos. Dafür gebührt Ihnen immer wieder neu Dank – und seitens der Dienstherrn Entlastung von überflüssiger Bürokratie, damit Sie sich den eigentlichen pädagogischen Aufgaben angemessen widmen können. Der Deutsche Philologenverband hat deshalb im April eine Umfrage zu Bürokratie an den Gymnasien durchgeführt. Die Antworten unserer Kollegen und Kolleginnen überraschen dabei nicht: Die Lehrkräfte müssen sich mit viel zu viel bürokratischem Aufwand auseinandersetzen. Dies geht zulasten ihres Fachunterrichts. Das geht aus unserer Online-Umfrage, an der mehr als 3000 von Ihnen teilgenommen haben, hervor.

    Demnach schränkt der bürokratische Aufwand bei knapp 78 Prozent der befragten Lehrkräfte die Qualität des Fachunterrichts ein, da z.B. keine Klassenleitungsstunde existiert. Knapp 85 Prozent der befragten Lehrkräfte halten den bürokratischen und unterrichtsfernen Aufwand, den sie zusätzlich zu ihrer Tätigkeit als Klassen- und Fachlehrkräfte bewältigen müssen, für unangemessen und belastend. Zum belastenden „bürokratischen Aufwand“, der aus Sicht des Deutschen Philologenverbandes professionell besser von Schulassistenten erledigt werden sollte, gehören für knapp 79 Prozent der Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer unter anderem die Abrechnungen für Klassenfahrten. Mehr als 72 Prozent der befragten Klassenlehrerinnen und -lehrer haben während der Corona-Zeit den Corona-Impfstatus ihrer Schülerinnen und Schüler kontrolliert. Unabhängig von Corona müssen knapp 57 Prozent von ihnen den Masern-Impfstatus der Schülerinnen und Schüler kontrollieren. Auch mehr als 56 Prozent der befragten Fachlehrkräfte kontrollierten den Corona-Impfstatus, mehr als die Hälfte von ihnen gab an, sich ebenfalls um die Abrechnung der Klassenfahrten kümmern zu müssen.

    Außerdem müssen z.B. pädagogische Maßnahmen und Abläufe, Sitzungen, Konferenzen, Elterngespräche und Förderpläne dokumentiert werden. Auch elektronische Klassenbücher, die in Schulen in manchen Bundesländern bereits eingeführt sind und Aussagen zu Stundeninhalten und Anwesenheiten beinhalten, sind derzeit noch zu arbeitsintensiv in der Handhabung. Das bemängeln wir.

    Wenn die Kultusministerinnen und -minister Schulen professionell aufstellen wollen, brauchen wir für unterrichtsferne Tätigkeiten Schulassistenten an jeder Schule. Ambitionen wie von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Lehrkräften und Referendaren und Referendarinnen nun noch zusätzliche Unterrichtsverpflichtungen aufzubürden, stehen echten Bildungsinteressen hingegen diametral gegenüber!

    Wir brauchen mehr Zeit für unsere Schülerinnen und Schüler. Wir brauchen mehr gut investierte Zeit für guten Unterricht. Klassenlehrer und Klassenlehrerinnen brauchen eine zusätzliche Klassenleitungsstunde. Das muss vor allem nach den Beanspruchungen und Versäumnissen der Corona-Pandemie klar sein.

     

     

     

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