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PhVN: Mathematikabitur muss im Vergleich zu anderen Fächern verhältnismäßig sein

    Mathematikabitur muss im Vergleich zu anderen Fächern verhältnismäßig sein – Vereinheitlichung der Prüfungsvorgaben gefordert

    Eine kritische Bilanz zieht der Vorsitzende des Philologenverbandes, Dr. Christoph Rabbow, nach den schriftlichen Abiturprüfungen:

    „Die erste Hälfte des Abiturs ist an den Schulen zwar sicher gelaufen, allerdings müssen mehr Prüflinge in die Nachschreibklausuren als in vorherigen Jahren. Dies ist der noch immer nicht überwundenen Pandemie und der starken Verbreitung durch Omikron geschuldet. Somit gibt es leider auch Schülerinnen und Schüler, die aufgrund einer Corona-Erkrankung alle schriftlichen Abiturprüfungen des Haupttermins verpasst haben. Treten während der Nachschreibphase erneute Ausfälle auf, müssen die Lehrkräfte in den Schulen eigene schriftliche Abiturprüfungen konzipieren. Das stellt insbesondere in den naturwissenschaftlichen Fächern mit Experimenten und in den Sprachen mit selbst zu erstellenden Hörverständnisteilen eine enorme Mehrarbeit der Lehrkräfte dar. Hier fordern wir schnelle Unterstützungsangebote der betroffenen Lehrkräfte durch das Kultusministerium.

    Die bisherigen Rückmeldungen zum Abitur zeigen: Es lief, es ging aber auch schon mal besser. Die überwiegende Zahl der von den Fachkommissionen im Kultusministerium erstellten Aufgabenvorschläge waren leistbar. Auch der Distanz- oder Wechselunterricht wurde mit der Möglichkeit einer Vorabauswahl von Aufgaben durch die Lehrkräfte berücksichtigt. Dadurch konnte eine Passung von abgeprüften Inhalten und erteiltem Unterricht hergestellt werden. Wir begrüßen diese Form ausdrücklich auch für die Zeit nach der Pandemie.

    Es muss allerdings dringend eine Vereinheitlichung der Prüfungsvorgaben angestrebt werden. Mittlerweile hat fast jedes Fach eigene Zeit- und Organisationsvorgaben und dadurch nimmt die Flut an zu sichtenden Papieren sowie der Einhaltung von Vorgaben jedes Jahr zu. Durch die Vielzahl individueller Vorgaben sind Fehler kaum vermeidbar.

    Besonders kritisieren müssen wir einmal mehr die Aufgabenstellungen im Fach Mathematik. Es gibt kein zweites Fach, in dem seit Einführung des Zentralabiturs über die Schwierigkeit und Länge derart gestritten wird. Jedes Jahr werden von Prüflingen Petitionen zum Mathematikabitur verfasst. Auch Kultusminister Tonne ist sich dieser Problematik bewusst. Daher besteht mit Blick auf das Mathematikabitur umgehender Handlungsbedarf.

    Wie kein Jahrgang zuvor war der Abiturjahrgang 2022 in der gymnasialen Oberstufe durch die Corona-Pandemie von Distanz- und Wechselunterricht betroffen. In der Einführungsphase waren die Schülerinnen und Schüler fünf Monate im Homeschooling. Dies muss natürlich im Abitur Berücksichtigung finden.

    Wir als Philologenverband Niedersachsen sprechen uns für ein anspruchsvolles Abitur aus, es muss aber in Anbetracht des erteilten Präsenzunterrichts verhältnismäßig sein. In diesem Jahr wurde im Mathematikabitur der Bereich Transfer deutlich ausgeweitet. Dies geht zu Lasten des für die Prüflinge einfacheren Bereichs der Reproduktion. Diese Verschiebung ist im Vergleich zu den Vorjahren und zu anderen MINT-Fächern weder nachvollziehbar noch wird es dem von der Corona-Pandemie geplagten Abiturjahrgang 2022 gerecht. Außerdem wurde ein breiteres Spektrum von Inhalten der Mittelstufe abgeprüft. Die Länge der Aufgabenvorschläge steht seit Jahren in der Kritik. Den Schülerinnen und Schülern muss doch mal Zeit zum Nach- und Überdenken eines Lösungsansatzes gegeben werden. Auch die Aufgabenkultur im Fach Mathematik muss mit Blick auf einheitliche Prüfungsanforderungen der MINT-Fächer im Jahr 2025 noch einmal überdacht werden.“

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