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PhV BW zur Corona-Lage an den Schulen und zu den geplanten Umstrukturierungen im Kultusministerium (KM)

    Der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) fordert zur Corona-Lage an den Schulen:

    • Die Empfehlungen von RKI und Wissenschaft für die Schulen müssen endlich komplett umgesetzt werden!
    • Jede Überlegung zur Sicherung des Schulbetriebs muss jetzt auf den Tisch! – Auch Schulschließungen dürfen angesichts der Corona-Lage und Infektionen kein Tabu mehr sein!
    • Wird jetzt nicht entschlossen gehandelt, drohen uns Schulschließungen von Januar bis März.
    • Schulen dürfen nicht mehr anders behandelt werden als der Rest der Gesellschaft – weder härter noch großzügiger. Nur mit einem Gesamtkonzept bringen wir die Pandemie unter Kontrolle. Die bisherigen Maßnahmen sind nicht ausreichend: Wir brauchen jetzt schnell fallende Infektionszahlen!
    • Statt die Schulen möglichst coronasicher zu machen und sich um die Behebung der Lerndefizite zu kümmern, beschäftigt sich das Kultusministerium mit der Planung von unnötigen internen Umstrukturierungen.

    Der Landesvorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg (PhV BW), Ralf Scholl, erklärt: „Die aktuelle Corona-Lage war vorhersehbar. Wir haben es mit einem kolossalen politischen und gesamtgesellschaftlichen Versagen zu tun. Wie schon im letzten Jahr wurde der gesamte Herbst verschlafen, und ebenso wie alle Bürger zahlen jetzt insbesondere die Schulen wieder den Preis dafür!“

    Angesichts der extrem hohen Inzidenzwerte von über 1.000 in der Altersgruppe der 5-14-Jährigen in 27 der 44 Kreise in Baden-Württemberg sowie einer Inzidenz von über 800 in sechs weiteren Kreisen ist die Lage an den Schulen zur Zeit sehr beunruhigend.

    Selbst nach den unvollständigen Zahlen des Kultusministeriums (nicht alle Schulen können positive Testergebnisse zeitnah zurückmelden) sind mittlerweile zwei Drittel aller Gymnasien von Corona-Fällen betroffen. In vielen Gymnasien sind es vier, fünf oder mehr Klassen, in denen sich Schüler in Quarantäne befinden. Durch Lehrkräfte in Quarantäne sind viele weitere Klassen betroffen.
    Die Schulleitungen übernehmen notgedrungen seit zwei Wochen die Aufgaben der überlasteten Gesundheitsämter wie z.B.

    • die Kontaktierung von Eltern positiv getesteter Schüler,
    • die Information betroffener Klassen, dass sie jetzt fünf Tage lang täglich getestet werden und keinen Kontakt mit Schülern anderer Klassen mehr haben dürfen sowie die entsprechende schulische Organisation und letztlich
    • Bemühungen um eine Nachverfolgung der Kontaktpersonen.

    „Das Kultusministerium versucht, auf Biegen und Brechen die Schulen bis zu den Weihnachtsferien offen zu halten, was auf sträflichen Leichtsinn und chronische Entscheidungsschwäche zurückzuführen ist: Man hat den Zeitpunkt für sanftere Maßnahmen längst verpasst und scheut die Verantwortung für die jetzt notwendigen, harten Maßnahmen“, kritisiert Ralf Scholl.

    Der Philologenverband Baden-Württemberg bemängelt in Bezug auf die Corona-Lage im Einzelnen:

    • weiterhin fehlende Raumluftreiniger in den allermeisten Unterrichtsräumen,
    • dass nicht an allen Schulen PCR-Pooltests durchgeführt werden, die eine Infektion zwei Tage früher und wesentlich zuverlässiger nachweisen als Schnelltests,
    • dass an den Schulen geimpfte Lehrkräfte und Schüler nicht getestet werden, obwohl auch sie symptomfrei erkrankt sein können,
    • dass das Staatsministerium die Bereitstellung von FFP2-Masken für Lehrkräfte verweigert.
    • die völlig kontraproduktive Abschaffung der Maskenpflicht am Platz vom 18. Oktober bis 17. November, die die Ansteckungen in den Schulen massiv beschleunigt hat,
    • die immer noch fehlende Impfmöglichkeit für Kinder von 5-11 Jahren.

    „Statt diese wichtigen und dringenden Probleme konsequent anzugehen, beschäftigt sich das Kultusministerium (KM) offenbar lieber mit sich selbst – und dabei stellt sich die Frage, ob Kultusministerin Theresa Schopper ihren Ministerialdirektor noch kontrollieren kann“, so der PhV-Landesvorsitzende.
    (Die „Stuttgarter Zeitung“ berichtete in ihrer Ausgabe vom 02.12.2021 unter der Überschrift „Unruhe wegen Umbau im Schulressort“ über die geplanten internen Umstrukturierungen im Kultusministerium.) So soll das Realschulreferat im KM aufgelöst und unter die Leitung des Referats für Gemeinschaftsschulen gestellt werden. „Ein einmaliger Vorgang, zumal bisher ausnahmslos jede Schulart im Kultusministerium ihr eigenes Referat hat. Dort sitzen Spezialisten, die die jeweilige Schulart aus dem Effeff kennen“, befindet Ralf Scholl. Es stelle sich die Frage, ob hier eine Abschaffung der Realschulen durch die Hintertür organisatorisch vorbereitet werden soll.

    Besonders pikant: An den Realschulen wurden im letzten Schuljahr 209.552 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, an den Gemeinschaftsschulen in der Sekundarstufe 1, d.h. in den Klassen 5 bis 10, hingegen nur 84.937. „Aber die Gemeinschaftsschule ist ja die von den Grünen bevorzugte Schulart, deswegen wedelt hier zukünftig der Schwanz mit dem Hund“, moniert der PhV-Landes-vorsitzende.

    Ralf Scholl erklärt abschließend: „Die Bildung eines SEK-1-Referats, das für die komplette Sekundarstufe 1 und damit womöglich auch für die rund 200.000 Schüler der Klassen 5-9 der Gymnasien zuständig wäre und von erklärten GMS-Befürwortern geleitet würde, verspricht für die Qualität der Bildung in Baden-Württemberg jedenfalls nichts Gutes. Das lässt nur eines erwarten: Massive interne Friktionen. Vielleicht wäre das Kultusministerium ja gut beraten, vor solchen Umstrukturierungen die Lehrerverbände und Direktorenvereinigungen
    der betroffenen Schularten anzuhören – und zwar mit sehr offenen Ohren!“

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