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PhV BW, RLV und Elternvertretungen zu Umstrukturierung im KM

    In Hinblick auf die mit Hochgeschwindigkeit durchgezogenen Umstrukturierungsmaßnahmen im Kultusministerium richten der Realschullehrerverband Baden-Württemberg (RLV), der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR), der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV) und alle vier Arbeitsgemeinschaften gymnasialer Elternbeiräte (ARGEn) im Land einen dringenden Appell an Kultusministerin Theresa Schopper und schlagen gleichzeitig Alarm!

    Bislang ist jede Schulart im Land eigenständig mit einem Referat im Kultusministerium vertreten. Nun soll ein ‚Einheitsreferat‘ für die Sekundarstufe 1 für alle Schularten installiert werden. Der zunächst nur administrativen Vereinheitlichung der unterschiedlichen und starken Schularten Baden-Württembergs wird die äußere Vereinheitlichung auf dem Fuß folgen. Deshalb schlagen die Verbände, Beiräte und Eltern jetzt Alarm!

    Als die FDP in einer Landtagsdebatte am 11.11.2021 völlig überraschend die Vorhaben zur Umstrukturierung im Kultusministerium ans Licht der Öffentlichkeit brachte, reagierte Kultusministerin Theresa Schopper scheinbar erstaunt. Doch während sie bemüht ist, durch Freundlichkeit und Gesprächsbereitschaft Schadensbegrenzung zu betreiben, werden vom MD im Kultusministerium weiterhin vollendete Tatsachen geschaffen. Die Meinungen der Lehrerverbände, der Beiräte und Eltern sind hier weder gefragt noch erwünscht.
    Die Umstrukturierung geschieht hinter verschlossenen Türen und fernab von allen, die in Zukunft die Folgen zu tragen haben. Schon in den nächsten Tagen soll die Umstrukturierung festgezurrt werden.

    „Zusammenlegung der Referate zur Arbeitserleichterung und besseren Effektivität!“ lautet die verniedlichende und wirklichkeitsfremde Begründung für etwas, das über kurz oder lang faktisch zur Abschaffung der Eigenständigkeit und Unterschiedlichkeit der Schularten und damit zur Abschaffung von Bildungsvielfalt führt.

    Dass die Sekundarstufe I in allen Schularten zudem unter die personelle Führung des Gemeinschaftsschulreferats gestellt werden soll, ist völlig unverständlich und nur ideologisch zu erklären. Schließlich gibt es an den Gemeinschaftsschulen mit 84.937 Schülerinnen und Schülern nicht einmal halb so viele Schülerinnen und Schüler wie an den Realschulen mit 209.552 (Daten des statistischen Landesamts für das letzte Schuljahr.)

    „Hier soll der Schwanz mit dem Hund wedeln, weil die Gemeinschaftsschulen von den Eltern nicht so angenommen werden, wie sich das einige grüne Ideologen erhofft hatten“, erklärt Ralf Scholl, der PhV-Landesvorsitzende als Vertreter der Gymnasiallehrkräfte.

    Mitarbeiter im KM werden zum Schweigen verdonnert und im medialen Windschatten von Corona sollen Weichenstellungen vorgenommen werden, welche den Bildungszug in unserem Land in eine völlig neue Richtung lenken. Ein riesiger Schulunfrieden ist damit abermals vom Zaun gebrochen. Wie seinerzeit unter Grün-Rot geschieht auch dieser Eingriff in bestehende Schulstrukturen ohne jegliche faktisch begründete Not, er ist erneut lediglich ideologisch motiviert!

    „Deshalb stellt sich für uns die Frage: Hat die Kultusministerin Theresa Schopper ihren MD noch im Griff?“ erklären Karin Broszat, RLV-Landesvorsitzende und Ralf Scholl, der PhV-Landesvorsitzende.

    „Lasse sich täuschen, wer getäuscht werden will. Diese ‚Vereinheitlichung‘ wird in Folge die Abschaffung differenzierter Bildungswege für die unterschiedlichen Kinder in Baden-Württemberg bedeuten. Das ist das Aus für die schulische Vielfalt! Das Aus für unterschiedliche Schul- und Lernwege für die unterschiedlichen Kinder in unserem Lande “, bemerkt die Landesvorsitzende des Realschullehrerverbands (RLV), Karin Broszat.

    „Selbstverständlich wird man den Schularten ihren Namen lassen, so dass die Form nach außen gewahrt bleibt, inhaltlich aber werden sie entkernt und ihres eigenen Profils beraubt.“, ergänzt der Bundesvorsitzende des Verbands Deutscher Realschullehrer, Jürgen Böhm (VDR).

    Stephan Ertle, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft gymnasialer Elternbeiräte (ARGE) Südwürttemberg fügt hinzu: „Es ist empörend, in welcher Form die Landespolitik ohne Zustimmung der beratenden Gremien und Arbeitsgruppen solch einschneidende Umstrukturierungsmaßnahmen umsetzen will und damit gegen den Elternwille weiterhin auf die Einheitsschule setzt.“

    Und warum wird ein so grober Verstoß gegen die Koalitionsvereinbarungen vom Koalitionspartner CDU hingenommen? Im Vertrag wurden ausdrücklich Strukturveränderungen für diese Legislaturperioden ausgeschlossen!

    Die Abschaffung bestehender Referate im Kultusministerium, die entscheidend wichtig sind für die Profilierung der jeweiligen Schularten, ist aus Sicht der unterzeichnenden Organisationen eindeutig eine Strukturveränderung. Da gibt es keinen Interpretationsspielraum!

    Es ist allerhöchste Zeit für die CDU, in dieser Sache deutlich Stellung zu beziehen. Sonst liefert ausgerechnet sie die Sargnägel für das differenzierte und vielfältige Schulsystem in „the Länd“!

    Alle Unterzeichnenden bitten die Ministerin eindringlich, sofort ein Machtwort zu sprechen und die Umstrukturierung zu einem SEK-1-Referat im Kultusministerium nicht umzusetzen. Jede eigenständige Schulart in unserem Schulsystem in Baden-Württemberg muss mit einem eigenständigen Referat im Kultusministerium vertreten sein. Sonst wird die Vielfalt in unserem Schulwesen langfristig beschnitten, und das dient nicht dem Wohl der unterschiedlichen Kinder im Land!

    Karin Broszat, Vorsitzende RLV BW

    Jürgen Böhm, Vorsitzender Verband deutscher Realschullehrer

    Ralf Scholl, Vorsitzender PhV BW

    Stephan Ertle, Vorsitzender ARGE Südwürttemberg

    Michael Mattig-Gerlach, Vorsitzender ARGE Nordwürttemberg

    Yvonne Blessing, Vorsitzende ARGE Nordbaden

    Michael Mittelstaedt, Vorsitzender ARGE Südbaden

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