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bpv: Der Lehrerberuf – anstrengend und Sinn stiftend zugleich

Zum Tag des Lehrers am 5. Oktober räumt der Bayerische Philologenverband (bpv) mit den drei größten Vorurteilen über den Lehrerberuf auf.

Die Pandemie mit den Schulschließungen hat gezeigt: Lehrerinnen und Lehrer – nie waren sie so wichtig wie heute! Sie leisten durch ihren Bildungsauftrag wichtige soziale, erzieheri­sche, integrative und gesellschaftliche Aufgaben – sie sind eine notwendige und unverzicht­bare Ergänzung und Unterstützung der elterlichen Erziehungsarbeit. Wenn Lehrkräfte fehlen, klaffen schmerzliche Lücken. Es ist Zeit für mehr Wertschätzung und Anerkennung dieses unverzichtbaren Berufes! Der bpv, der Lehrkräfte an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen vertritt, will daher zum Tag des Lehrers am 5. Oktober mit den drei größten Vorurteilen aus aktueller Sicht aufräumen.

Urlaub und Ferien sind nicht deckungsgleich im Lehrerberuf

Damit ein Schuljahr reibungslos abläuft, bedarf es im Vorfeld unterrichtlicher und außer­unterrichtlicher Planungen. Schulleitungen und Lehrkräfte sind daher auch während der Ferienzeiten im Einsatz. Beispiele der letzten Zeit waren die Einbindung von Hard- und Soft­ware in die pädagogischen Netze oder die Inbetriebnahme der Luftfilteranlagen, die in den Schulen im besten Falle bereits in den Sommerferien umgesetzt werden mussten. Doch Ferienzeit ist immer auch Vorbereitungs- und Korrekturzeit: Während beispielsweise die Weihnachtsferien für die Bewertung der Seminararbeiten der Oberstufe genutzt werden, sind die Pfingstferien in der Regel von Erst- und Zweitkorrektur der Abiturprüfungen sowie von der Vorbereitung auf die mündlichen Abiturprüfungen betroffen. In den vergangenen Sommerferien gab es außerdem an einem Großteil der Schulen Ferienkurse zum Aufholen der „Corona-Lücken”. Diese sogenannte „Sommerschule“ wurde auch von Lehrkräften koordiniert und teils selbst gehalten. Zur Erinnerung: Im Frühjahr 2020 erklärte das Kultus­ministerium die Faschingsferien zur unverzichtbaren Lernzeit im Distanzunterricht und strich diese ersatzlos.

Unterrichtsmaterial bedarf ständiger Anpassung

Einmal vorbereiten und dann jahrelang alles aus der Schublade ziehen – das galt schon in der Vergangenheit nicht und ist jetzt nicht richtiger geworden. Mit der Welt außerhalb der Schule ändern sich auch die Lerninhalte und Methoden bei der Vermittlung. Am Gymnasium zum Beispiel ist die aktuelle 10. Jahrgangsstufe der letzte Jahrgang des achtjährigen Gym­nasiums. Bis zur 9. Jahrgangsstufe gilt es bereits, den neuen Lehrplan des „G9 neu“ umzu­setzen. Und das unter erschwerten Bedingungen, wenn man bedenkt, dass vielerorts nach wie vor Schulbücher für die 8. und vor allem 9. Klassen fehlen. Natürlich ist auch jede Klasse anders – unterschiedlich groß mit unterschiedlichem Vorwissen, unterschiedlicher Motiva­tion und unterschiedlicher Tagesform. Inhalte müssen stets individuell angepasst werden. Gerade der Distanzunterricht hat zudem neue und innovative Methoden und Ideen geför­dert: Erklärvideos, digitales Feedback, Motivieren in einer Videokonferenz und Entspan­nungsübungen für die Pausen am Schreibtisch daheim – Lehrkräfte müssen auf neue Gegebenheiten reagieren und flexibel agieren.

Lehrerberuf: Fulltime-Job oft auch in Teilzeit

Schon seit Jahren steigen von allen Seiten die gesellschaftlichen Ansprüche an Schule. Unterricht zum Thema Nachhaltigkeit, Studien- und Berufsorientierung, Medienbildung und Demokratieerziehung sind nur einige der zu nennenden Aspekte. Neben dem „sichtbaren“ Unterricht, der nicht nur an Ganztagsschulen auch am Nachmittag stattfindet, haben die außerunterrichtlichen Anforderungen an die Lehrerschaft also deutlich zugenommen. Ganz zu schweigen von der Digitalisierung, dem Mammutprojekt der Bildungsinstitutionen, bei dem es mit der bloßen technischen Ausstattung noch lange nicht getan ist. Vielmehr geht es um die pädagogische Einbettung und Nutzbarmachung. Die überwältigende Fortbil­dungsbereitschaft unter Lehrkräften zum Themenfeld „digital gestützter Unterricht“ in den letzten beiden Schuljahren, mit Online-Fortbildungen am Nachmittag oder Selbstlern-Kursen in der Freizeit, zeigt spiegelbildlich das Ausmaß der Veränderung. Laut einer aktuel­len bpv-Umfrage zum Schulstart nutzen nun rund 80 Prozent der bayerischen Lehrkräfte an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen parallel zum Präsenzunterricht in ihren Klassen digitale Tools. Und fast 90 Prozent geben in derselben Umfrage an, dass im laufenden Schuljahr wieder – soweit möglich – auf außerunterrichtliche Aktivitäten wie Exkursionen, Schulfahrten und Schulveranstaltungen gesetzt wird. Ein weiterer Beleg für das enorme Engagement von Lehrerinnen und Lehrern über den normalen Unterricht hinaus.

bpv-Vorsitzender Michael Schwägerl: „Der Lehrerberuf ist in höchstem Maße erfül­lend und Sinn stiftend.”

Der bpv-Vorsitzende Schwägerl schließt deshalb mit einem klaren Bekenntnis: „Lehrkraft zu sein ist zweifelsohne ein anstrengender Beruf, der Idealismus, Einsatz, Kreativität, Resil­ienz und Flexibilität erfordert. Angesichts einer immer häufiger anzutreffenden 24/7-Service-Erwartungshaltung gewinnt das Thema Lehrergesundheit zukünftig noch mehr an Gewicht. Lehrkraft zu sein ist aber auch ein in höchstem Maße erfüllender und Sinn stiftender Beruf, gerade wenn man gut mit Kindern, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen umgehen kann und dies auch gerne tut. Im Besonderen an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen, wenn man seine Fächer beherrscht, von ihnen begeistert ist und diese Begeisterung weitergeben möchte. Dieser Blickwinkel sollte am Tag des Lehrers nicht zu kurz kommen.”

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