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PhVN: Unterrichtsausfall nicht schönreden – Benachteiligte Schülerinnen und Schüler brauchen ausgleichende Förderung

Grundlegende Wissenslücken zu schließen ist kein „Bulimielernen“:

Zu den aktuellen Presseäußerungen des Kultusministeriums zum Ausblick auf das kommende Schuljahr erklärt der Vorsitzende des Philologenverbandes, Horst Audritz:

„Kultusminister Tonne hat am heutigen Dienstag einen Ausblick auf das Schuljahr 2021/2022 gegeben und die Pläne für Veränderungen vorgestellt, die dem Kultusministerium aufgrund der Pandemie notwendig erscheinen. Betont wird, dass Stufenpläne und Hygienemaßnahmen weiterhin Gültigkeit haben, aber grundsätzlich „auf der Basis von Normalität mit dem Szenario A“, also dem eingeschränkten Regelbetrieb, geplant wird. Vorrang haben das Wohlergehen und der Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler. So soll nach den Sommerferien das Schuljahr mit einer Einstiegsphase beginnen, um Klassenzusammenhalt und Klassengemeinschaft zu stärken. 20 Projekttage können dafür eingesetzt werden. Bis zum 24.09.2021 dürfen keine Klassenarbeiten geschrieben werden. Die Zahl der schriftlichen Arbeiten wird gesenkt. Mündliche Leistungen sollen stärker gewichtet werden. Kerncurricula (Lehrpläne) sollen überarbeitet, d.h. gestrafft“, werden. Zugesichert werden auch ´faire Abschlussprüfungen´.

Wenn auch zugestanden wird, dass das Ausgleichen möglicher Lernrückstände eine zentrale Herausforderung des nächsten Schuljahres sein wird, so macht der bunte Strauß möglicher Maßnahmen doch den Eindruck von Beliebigkeit. Alles ist möglich, jeder ist angesprochen, versäumter Fachunterricht spielt weniger eine Rolle.
Das wird auch im Ferienprogramm „Lern-Räume“ deutlich, das in großen Teilen an die Ferienaktionen der Kom-munen aus Vor-Pandemie-Zeiten erinnert: Hauptsache es macht Spaß.

So richtig es ist, die Schulzeit nicht in die Ferien, in die Samstage und die Nachmittags- und Abendstunden zu verlängern, so fahrlässig ist es, grundlegende Wissenslücken auszublenden. Diese Lücken zu schließen, das ist kein Bulimielernen! Sie müssen geschlossen werden, sonst potenzieren sich die Probleme in den Folgejahren, gerade bei denjenigen, die in der Pandemie auf der Strecke geblieben sind. Fachleute sprechen von 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler. Grundschüler haben ein Drittel des vergangenen Schuljahres verloren.

Wir brauchen neben den gemeinschaftsbildenden Programmen vor allem eine Fokussierung auf den Förderbedarf für die Leistungsschwächeren. Das können Angebote auf freiwilliger Basis sein, kann aber auch mit einer Verpflichtung zu Förderangeboten außerhalb der Ferienzeiten verbunden sein. Wir dürfen nicht zulassen, dass man sich dem Förderangebot einfach entziehen kann.

Die beste Förderung, das zeigen auch neueste Untersuchungen zum Distanzlernen und zum Selbstlernen, ist immer noch die persönliche Anleitung durch erfahrene Pädagogen und ausgebildete Fachkräfte. An Präsenzangeboten geht kein Weg vorbei. Deshalb müssen auf allen Ebenen geeignete Fachkräfte gefunden werden, die kurzfristig einspringen können: pensionierte Lehrkräfte, Lehramtsstudenten, pädagogische Mitarbeiter, Sozialarbeiter, Psychologen u.a.
Einstellen, weiterbilden und fortbilden, das ist die dringendste Aufgabe.“

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