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PhVN: Distanzlernen erfordert sichere Rahmenbedingungen: Digitale Ausstattung vorantreiben, Wartung gewährleisten, Rechtssicherheit herstellen

Gemeinsame Presserklärung von Landeselternrat und Philologenverband Niedersachsen zum Distanzlernen und Homeschooling

In einem gemeinsamen Gedankenaustausch über die Folgen der Pandemie für die Bildungsbiografien der Schülerinnen und Schüler zeigten sich Landeselternrat und Philologenverband besorgt über eine länger dauernde Verschiebung des Unterrichts in das Distanzlernen bzw. Homeschooling. Trotz stufenweiser Schulöffnungen werde Distanzlernen ein wesentliches Element von Unterricht bleiben. Es fehle aber an ausreichenden Kraftanstrengungen, die Lücken zu beseitigen. Zudem machten jüngste Verstöße gegen den Datenschutz die Anfälligkeit des Systems für Missbrauch deutlich.

„Nach einem Jahr Leben mit der Pandemie mangelt es immer noch an der Ausstattung der Schülerinnen und Schüler mit digitalen Endgeräten. Es mangelt an IT-Betreuern für die Einrichtung und Wartung der Geräte. Eltern werden im Homeschooling mit ihren Kindern alleingelassen“, so Cindy-Patricia Heine, Vorsitzende des Landeselternrates. Die Mittel aus dem Digitalpakt würden zu zögerlich abgerufen und erreichten die Lernenden zu spät. Zudem sei sinnvoll digital aufbereitetes Material für das Lernen zu Hause Mangelware, was gerade den Lernfortschritt benachteiligter Kinder behindere.

Der Vorsitzende des Philologenverbandes, Horst Audritz, sieht das Land in der Pflicht, die Lehrkräfte mit Dienstgeräten und digitalen Programmen rechtssicher auszustatten. Audritz: „Lehrkräfte unterrichten weiterhin mit ihrem privaten Computer und tragen dabei das volle Risiko der datenschutzrechtlichen Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung. Lehrkräfte müssen deshalb kurzfristig mit Dienstgeräten ausgestattet werden und vor Haftungsrisiken geschützt werden“. Das beziehe sich auch auf Programme und Kommunikationssysteme, die die Lehrkräfte aufgrund ihrer pädagogischen Verantwortung bei der Betreuung der Schülerinnen und Schüler nutzten, obwohl es keine klaren Zertifizierungen gebe. Der Kultusminister vertraue auf das pädagogische Ethos, statt seiner Schutz- und Fürsorgepflicht nachzukommen. „Der virtuelle Klassenraum muss wie das reale Klassenzimmer ein geschützter Raum sein“, fordert Audritz.

Einig sind sich beide Verbände dabei, dass Distanzlernen kein Ersatz für Präsenzunterricht ist. Präsenz sei für bestimmte Prüfungsformate und besondere Lehrveranstaltungen unerlässlich. Unterricht im Klassenraum sei mehr als Lernberatung im Homeschooling. Heine: „Echte digitale Bildung ist pädagogisch noch nicht umsetzbar“. Nichtsdestotrotz müsse man sich auf längere Phasen von Distanzlernen einstellen und dafür sichere Rahmenbedingungen schaffen. Ohne die Akzeptanz von Elternräten, Klassenelternschaft, Schulleitungen und Lehrkräften sei das nicht zu stemmen.

In Pandemiezeiten sollten der digitale Unterricht und der Präsenzunterricht, soweit mit Gesundheitsschutzauflagen verantwortbar, parallel laufen und funktionieren. Nur so könne das System Schule auf einer flexiblen Basis für alle beteiligten Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und Eltern verlässlicher werden. Erst umfassender Infektionsschutz auf der Grundlage umfassender Schutzkonzepte würde mehr Präsenz in Schulen ermöglichen.

Der Philologenverband und der Landeselternrat sind sich darin einig, dass Bildung in Zeiten einer Pandemie mehr als Lüften und Tablets erfordere. Es müsse unbedingt vermieden werden, dass Schülerinnen und Schüler als Verlierer und zukünftige „Bezahler“ aus der Krise hervorgingen.

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