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Rezeption der Münchner Virenwächter-Studie: PhV R-P warnt eindringlich vor falschen Schlüssen!

Mit den Ergebnissen einer neuen Studie hat sich Dr. Ulrich von Both direkt an die Öffentlichkeit gewagt – ohne vorherige Begutachtung durch die Fachwelt, die die Studie in einen entsprechenden Kontext hätte einbetten können. Die unter seiner Beteiligung entstandene Münchner Virenwächter-Studie berichtet unter anderem, dass in einer ersten Studienphase ab dem Ende der Pfingstferien, also in einem Zeitraum, in dem Deutschland insgesamt eine äußerst geringe Inzidenz verzeichnete, kein einziger positiver Fall an den beobachteten Schulen und Kitas gefunden worden sei.

Der Philologenverband Rheinland-Pfalz warnt eindringlich davor, aus den aktuell vorliegenden Ergebnissen, wie so oft schon geschehen, die falschen Schlüsse zu ziehen. „Wir müssen endlich begreifen, dass Schulen und Kitas das Infektionsgeschehen in der Gesellschaft abbilden: Auch Kitas und Schulen leisten als größere Veranstaltungen mit teilweise engem Kontakt ihren Beitrag zur Pandemie, vor allem, wenn keine entsprechenden Schutzmaßnahmen ergriffen werden“, so die Vorsitzende des Philologenverbandes Rheinland-Pfalz, Cornelia Schwartz. „Es ist schwierig, wenn ständig neue Studienergebnisse publikumswirksam lanciert und fehlinterpretiert werden. Dies gilt besonders dann, wenn Daten aufgrund der veränderten Lage, nämlich der viel höheren Inzidenz insgesamt und der Virusmutation, so nicht mehr verwendet werden können.

Noch am 07.12.2020 hatte ein anderer Experte, Prof. Wieland Kiess, bei einer Anhörung im rheinland-pfälzischen Bildungsministerium von praktisch coronafreien Schulen in Sachsen berichtet – wie jetzt die Münchner Virenwächter-Studie wurde auch seine Studie zu einer Zeit der Niedriginzidenzphase durchgeführt. Die Ausführungen von Prof. Wieland Kiess blieben daher wenig stichhaltig; unvergessen sein gutgemeinter Rat an die Zuhörerschaft: „Bitte lesen Sie Zeitung!“ Dort stehe schließlich – und, so der Unterton, auch für Laien verständlich – Schwarz auf Weiß, dass Schulen keine Treiber der Pandemie seien. „Dies war keine seriöse Argumentation“, attestiert Schwartz. „Es ist wirklich wichtig, dass wir alle begreifen, dass es nicht um die Frage geht, ob Kitas und Schulen nun Treiber der Pandemie sind oder nicht – bei der momentanen Inzidenzlage ist es schon zu viel, wenn Kitas und Schulen einen den üblichen Durchschnittswerten entsprechenden Beitrag zum Infektionsgeschehen leisten.

Markus Scholz, wie Kiess Professor an der Universität Leipzig, wies noch in der gleichen Expertenkonferenz auf den logischen Fehler in den Schlussfolgerungen seines Kollegen hin: Wenn es in einer ganzen Region insgesamt kaum Infektionsgeschehen gibt, lässt sich auch entsprechend wenig Infektionsgeschehen an Schulen beobachten. Daraus lässt sich jedoch nicht folgern, dass es prinzipiell kein Infektionsgeschehen an Schulen geben kann. Dieser Sichtweise scheint sich Prof. Kiess mittlerweile angeschlossen zu haben, wie ein ARD-Interview, veröffentlicht am 26.01.2021, belegt; auf einen entsprechenden Erkenntnisfortschritt ist auch bei der Interpretation der sogenannten Virenwächter-Studie aus München zu hoffen.

https://www.ardmediathek.de/daserste/video/fakt/kinder-als-pandemietreiber/das-erste/Y3JpZDovL21kci5kZS9iZWl0cmFnL2Ntcy9jYmViNGM1Yy03MjY3LTRkYjUtYTI4Yi1iMGQ0MGQxNTYzMGM/, 01.02.2021

Zum Hintergrund:

Am 07.12.2020, knapp vier Wochen nach einer Expertenanhörung mit Experten ausschließlich aus Mainz, fand auf Initiative des Landeselternbeirates Rheinland-Pfalz ein weiteres Sachverständigengespräch statt. Mit dabei dieses Mal waren eine Wissenschaftlerin und Wissenschaftler aus verschiedenen Bundesländern, darunter auch – auf Einladung des Landeselternbeirates – Prof. Alexander Kekulé, Dr. Jana Schroeder, Prof. Markus Scholz und Prof. Christian Kähler. Im Anschluss an die Veranstaltung erschienen von Seiten des Philologenverbandes zwei Pressemitteilungen; in der zweiten Veröffentlichung ließen wir diejenigen Experten zu Wort kommen, die sich empört gegen die falsche Darstellung ihrer Aussagen in einer Presseerklärung des Bildungsministerium zur Wehr setzten. Durch die Intervention des Philologenverbandes sah sich das Bildungsministerium offenbar gezwungen, die erste Pressemeldung durch eine deutlich veränderte zweite Stellungnahme zu ersetzen.

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