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PhVN fordert Langzeitstrategie und Zukunftsperspektiven für Schüler und Lehrer – Unterrichtsversorgung durch Einstellung aller ausgebildeten Lehrkräfte sichern

„Der Philologenverband unterstützt das grundsätzliche Herunterfahren des Unterrichtsbetriebs in den Schulen bis Mitte Februar. Angesichts des Infektionsgeschehens ist das unvermeidlich, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, ungeachtet der Belastungen, die damit für Schülerinnen und Schüler, für Eltern und Lehrkräfte verbunden sind. Wir alle können diese Herausforderung nur gemeinsam bewältigen“, so Horst Audritz, Vorsitzender des Verbandes. Gleichzeitig gelte es, schnellstens bessere Bedingungen dafür zu schaffen, dass erweiterter Präsenzunterricht wieder möglich werde. „Nach fast einem Jahr darf es kein scheibchenweises Hangeln von einem Lockdown zum anderen geben. Wir brauchen endlich eine Langzeitstrategie für das Leben mit dem Virus und Zukunftsperspektiven für die Schülerinnen und Schüler“, fordert Audritz.

Die Kultusministerkonferenz habe mit ihren Beschlüssen vom 21. Januar deutlich gemacht, dass sie das Problem erkannt habe. Abi- und Abschlussprüfungen sollten „in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen“ stattfinden. Prüfungen könnten, soweit erforderlich, angepasst, Prüfungstermine verschoben werden. „Wir begrüßen daher, dass freiwilliges Wiederholen eines Schulhalbjahres, wie es auch bisher schon möglich ist, ermöglicht werden soll, ohne es als „Sitzenbleiben“ zu werten, damit den Schülerinnen und Schülern keine Nachteile für ihre Bildungsbiografie entstehen. Aber es reicht nicht aus, nur Prüfungen in den Blick zu nehmen. Wir brauchen klare Bedingungen dafür, dass Präsenzunterricht wieder möglich wird, und dürfen nicht wieder die Zeit verschlafen“, appelliert Audritz.
Es müssten jetzt in einem entschlossenen Kraftakt alle Möglichkeiten genutzt werden, die Schulen besser auszustatten: mit Lüftungsanlagen und Luftreinigern, mit ausreichend FFP2-Masken, mit digitalen Endgeräten, digitaler Software und Unterstützungspersonal. Auch eine begleitende Teststrategie sei überfällig.

„Für uns ist es unverständlich, dass Schulen derzeit schlechter gestellt werden als Betriebe nach der Corona-Arbeitsschutzverordnung. Dort gilt, dass pro Person 10 m² zur Verfügung stehen müssen, wenn Räume von mehreren Personen gleichzeitig genutzt werden. In Betrieben ab 10 Beschäftigten müssen diese in möglichst kleine, feste Arbeitsgruppen eingeteilt werden. Die Arbeitgeber müssen mindestens medizinische Gesichtsmasken zur Verfügung stellen. Hier muss sofort und nachhaltig gehandelt werden“, fordert der Verbandsvorsitzende.

Geradezu unerträglich sei die mangelhafte Unterrichtsversorgung, die sich immer noch an einem Minimalwert von 100 Prozent orientiere. Die Pandemie lehre nun auf bittere Weise, dass erst eine 130-prozentige Unterrichtsversorgung ausreichend Puffer für die Aufrechterhaltung des Unterrichtsbetriebs schaffe.

„Quarantänemaßnahmen und Erkrankungen von Lehrkräften führen sonst unweigerlich zu massivem Unterrichtsausfall. Mancherorts sprechen deshalb Eltern schon jetzt von einer „gefühlten“ bzw. realen Unterrichtsversorgung von weit unter 100 Prozent“, zeigt sich Audritz besorgt.

„Wir erneuern daher unsere Forderung, dass allen Lehrkräften nach erfolgreicher Abschlussprüfung ein Einstellungsangebot gemacht wird. Niedersachsens Schulen benötigen dringend mehr Personal“, so Audritz. Zum Einstellungstermin im Februar sei aber derzeit geplant, nur 200 Lehrkräfte an den Gymnasien einzustellen, obwohl circa 600 ihre Ausbildung beenden. „Mit anderen Worten: Nicht einmal jedes Gymnasium bekommt eine Stelle! Eine bedarfsgerechte Versorgung der Schulen in diesen Krisenzeiten muss anders aussehen“, stellt Audritz abschließend klar.

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