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BPV: Wo es beim Distanzunterricht hakt

Philologenverband stellte Ergebnisse einer Umfrage unter Lehrern vor

Viel Engagement, hohe Arbeitsbelastung und unklare Rechtssicherheit im Distanzunterricht – das sind die zentralen Ergebnisse einer Umfrage unter fast 2.000 Lehrkräften aus Gymnasien und Beruflichen Oberschulen, die vom Bayerischen Philologenverband (bpv) durchgeführt wurde und die heute in einer Online-Pressekonferenz vorgestellt wurden.

Viel Engagement

94 Prozent der befragten Lehrkräfte nutzen private Hardware, 79 Prozent haben sich für den Distanzunterricht zusätzlich privat Hardware oder Software angeschafft. 97 Prozent haben sich seit Pandemiebeginn in digitalen Themen fortgebildet, jeder Befragte nutzt im Schnitt drei verschiedene digitale Anwendungen im Distanzunterricht.

„Das Engagement der Lehrerinnen und Lehrer ist unglaublich hoch, auch über die reine Unter­richtsverpflichtung hinaus. Der Distanzunterricht fordert alle Beteiligten, die Umfrage zeigt aber auch, wo es noch hakt. Die Lehrkräfte erfüllen den staatlichen Bildungsauftrag mit priva­ten Rechnern an privaten Internetanschlüssen in privaten Räumen. Die Dienstgeräte sind nach zehn Monaten Pandemie immer noch nicht angekommen“, kommentiert Michael Schwägerl, Vorsitzender des bpv.

Hohe Arbeitsbelastung

Für 91 Prozent der Befragten ist die Arbeitsbelastung im Distanzunterricht höher als im Präsenzunterricht. Besonders belastet fühlen sich die befragten Gymnasiallehrer durch die verstärkte Verschmelzung von Arbeit und Freizeit (67 Prozent), Ungewissheit hinsichtlich des Abiturs und des verbleibenden Schuljahrs (55 Prozent) sowie technischer Schwierigkeiten (41 Prozent). 94 Prozent berichten von schulischen Anfragen auch außerhalb der normalen Arbeitszeit.

„Wir wollen den Distanzunterricht nicht schlechtreden und wir haben momentan auch keine Alternative, aber Fakt ist: Distanzunterricht ist echter Unterricht und mit einem deutlich erhöhten Aufwand auf allen Seiten verbunden. Auch in Krisenzeiten unseren Schülern das Lernen optimal zu ermöglichen, das ist unser innerster Antrieb. Das kostet viel Zeit und Kraft“, erläutert Schwägerl.

Unklare Rechtssicherheit

Für 70 Prozent der Gymnasiallehrer gibt es zahlreiche ungeklärte datenschutzrechtliche Fra­gen. Bei 12 Prozent der Befragten verweigern Schüler beziehungsweise ihre Eltern sogar die Nutzung von Software, oft aus datenschutzrechtlichen Aspekten. „Die fehlende Rechtssicher­heit beeinträchtigt einen funktionierenden Distanzunterricht. Die Lehrer fühlen sich oft allein gelassen, weil Schüler auf den Datenschutz pochen und ihre Kameras und Mikrofone aus­schalten, während Lehrkräfte in den Videokonferenzen Bild und Ton übertragen sollen. Hier passt etwas nicht zusammen. Die DSGVO sollte doch für alle gelten“, meint Schwägerl.

Wie kann der Distanzunterricht besser werden?

Für die Befragten kann der Distanzunterricht besser werden durch verlässliche und funktio­nierende Software (63 Prozent), durch eine bessere technische Ausstattung von Lehrern und Schülern (60 Prozent), sowie durch mehr Rechtssicherheit beim Datenschutz (57 Prozent). Auch das Thema Urheberrecht wird bei vielen Plattformen nicht beachtet und sorgt für Unbehagen beim Distanzunterricht. „Wir brauchen zentrale Listen von Tools, die datenschutz­rechtlich geklärt sind, bei denen auch das Urheberrecht wie im Klassenzimmer gilt und die damit im digital gestützten Unterricht eingesetzt werden können. Jedes neue Schulbuch durchläuft eine Reihe von Prüfungen, bei digitalen Tools werden die Schulen aber aktuell allein gelassen. Jeder muss sein eigenes Süppchen kochen“, erklärt Schwägerl. „Die Kollegin­nen und Kollegen brauchen klare rechtliche Hilfestellungen und Sicherheit, wenn sie im digita­len Raum unterrichten sollen.“

Um endlich Antworten zu erhalten und mehr Rechtssicherheit zu schaffen, übergibt der Ver­band, der die Interessen der Lehrkräfte an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen vertritt, eine Reihe offener Fragen an den Bayerischen Landesdatenschutzbeauftragten und das Kultusministerium.

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