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PhV BW: Verband der Gymnasiallehrkräfte fordert zusätzliche Maßnahmen zum Schulbeginn: „Schulen dürfen nicht zu Infektionsherden werden“

  • Philologenverband spricht sich für Einsatz von Raumluftreinigern aus, wenn Fenster nicht geöffnet werden können, um den Infektionsschutz an den Schulen zu verbessern
  • PhV-Vorsitzender Ralf Scholl erneuert Forderung nach einer ständigen Visierpflicht im Unterricht

Angesichts eines Anstiegs der Corona-7-Tages-Inzidenz in Baden-Württemberg vom Tiefstwert von 110 Neuinfektionen in der Woche zum 15. Juni auf rund 1.500 seit dem 28. August fordert der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) zusätzliche Vorsorgemaßnahmen für die Schulen zum Beginn des neuen Schuljahres.

In vielen Klassenräumen lassen sich die Fenster aus Sicherheitsgründen nur auf Kipp stellen oder überhaupt nicht öffnen. Der PhV BW fordert für diese Klassenzimmer den Einsatz von Raumluftreinigern, um die Aerosolkonzentration niedrig zu halten. „Eine solche technische Lösung könnte den Infektionsschutz an den Schulen für alle betroffenen Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte massiv verbessern und dadurch Schulschließungen verhindern“, so der PhV-Landesvorsitzende Ralf Scholl.

Aufgrund mangelnder baulicher Voraussetzungen sei eine ausreichende regelmäßige Lüftung in viel zu vielen Klassenzimmern nicht möglich.

Befürwortet werden Raumluftreiniger auch vom Umweltbundesamt und der Universität der Bundeswehr in München. Forscher der Bundeswehr-Universität hatten bei der Untersuchung eines Raumluftreinigers eine Halbierung der Aerosolkonzentration binnen weniger Minuten festgestellt und die Geräte daher auch für Büros und Schulen empfohlen. Das Umweltbundesamt bewertet Raumluftreiniger als sinnvolle zusätzliche Maßnahme – etwa in Räumen, die nicht vernünftig gelüftet werden können.

Darüber hinaus bekräftigt Ralf Scholl seinen Vorschlag, eine Visierpflicht in den Klassenräumen einzuführen. „Visiere können zwar nicht die Aerosol-Ausbreitung verhindern, die Ausbreitung von Tröpfchen aber sehr wohl, und damit können sie das Ansteckungsrisiko vermindern. Darüber hinaus haben Sie den großen Vorteil, dass sie problemlos während eines ganzen Unterrichtstages getragen werden können und die Mimik der Träger erkennbar bleibt“, argumentiert der PhV-Landesvorsitzende. Zudem seien Visiere in großen Stückzahlen sehr kostengünstig erhältlich.

Falls sich die Infektionszahlen zu Beginn des neuen Schuljahrs weiterhin auf hohem Niveau befinden, sollte nach Einschätzung des Verbandsvorsitzenden in den ersten ein bis zwei Schulwochen auch eine Maskenpflicht in den Klassenzimmern in Betracht gezogen werden. „Ich bin mir bewusst, dass das Tragen einer Maske im Unterricht alles andere als angenehm ist. Wenn auf diese Weise aber die kritische Zeit des Schulbeginns gemeistert werden kann, und damit – trotz der von Urlaubsrückkehrern mitgebrachten Infektionen – ein wirksamer Gesundheitsschutz nicht nur für Schüler und Lehrkräfte, sondern für alle Baden-Württemberger gewährleistet werden kann, dann könnten Masken für diese Zeit ein notwendiges Übel darstellen, mit dem wir vorübergehend leben können und müssen“, betont der PhV-Landesvorsitzende.

„Das Kultusministerium spielt mit der Gesundheit der Schüler und der Lehrkräfte, wenn trotz steigender Infektionszahlen die Schulen nach den Sommerferien ohne jegliche Schutzmaßnahmen im Unterricht geöffnet werden – mit vollen Klassenzimmern, ohne Abstandsgebot, ohne Visier- bzw. Maskenpflicht und zudem vielfach ohne ausreichende Lüftungsmöglichkeiten. Es besteht dann die große Gefahr, dass Schulen zu Infektionsherden werden und schon nach kurzer Zeit wieder teilweise oder komplett geschlossen werden müssen.

Daher fordere ich Frau Dr. Eisenmann dringend auf, noch vor Schuljahresbeginn beim Thema Infektionsschutz an den Schulen nachzusteuern, um im Schulbetrieb Ansteckungen so weit wie möglich zu verhindern. Alles andere ist fahrlässig, denn lokale, regionale oder gar landesweite erneute Schulschließungen müssen unbedingt verhindert werden“, so Ralf Scholl.

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