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PhVN: Schulstart mit vielen Fragezeichen

Unterricht sichern – Qualität der Abschlüsse erhalten

Nach ersten Erfahrungen mit dem Schulbetrieb nach Wiederöffnung der Schulen vor den Sommerferien werde in Niedersachsen auch mit einem holprigen Schulstart in das neue Schuljahr 2020/21 zu rechnen sein, befürchtet der Philologenverband Niedersachsen.

„Der Schulstart ist dieses Jahr mit vielen Fragenzeichen und Unsicherheiten versehen. Wir wissen nicht, wieviel Lehrer für den Präsenzunterricht zur Verfügung stehen. Die Unterrichtsversorgung hakt an allen Ecken und Enden. Abstands- und Hygieneregeln in Zeiten der Pandemie müssen laufend angepasst werden und sind kaum mit vollen Klassen und Regelbetrieb in den Schulen vereinbar. Für den Fernunterricht fehlt oft immer noch die notwendige digitale Ausstattung, ganz zu schweigen von geeigneten Unterrichtsmaterialien“ stellt Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbandes Niedersachen zum Schulstart klar.

Ausgefallener Unterricht müsse, anders als während des sehr kurzfristig notwendig gewordenen Lockdowns, mindestens im Hinblick auf die bevorstehenden Abschlussprüfungen kompensiert werden. In dieser Situation erweise es sich als Glücksfall, dass Niedersachsen zur dreizehnjährigen Schulzeit bis zum Abitur zurückgekehrt sei und so etwas Luft gewonnen habe. „Dennoch müssen die Entwicklungen im letzten halben Jahr Konsequenzen haben. Es kann in keinem Fall nur bei den Lippenbekenntnissen der letzten Jahre bleiben, dass die Ausstattung des Bildungssystems Priorität haben muss“, mahnt Audritz an die Adresse des Kultusministeriums.

Der Weg, der beschritten werden müsse, sei dabei klar: „Bildungsausgaben müssen deutlich erhöht werden. Stellen im Schuldienst müssen tatsächlich nach Bedarf und nicht aus Rücksicht auf mangelnde Bewerbungen ausgeschrieben werden. Das gilt auch für Unterstützungspersonal. Die Finanzierung ist über einen Nachtragshaushalt zu sichern. Und der Bildungsbereich muss auch in den Folgejahren von Sparauflagen befreit werden“, fordert der Verbandsvorsitzende von Kultusminister Tonne.

Jetzt sei die richtige Zeit für ein Umsteuern gekommen. Die Pandemie werde noch länger das Leben aller beeinflussen. „Die nun angestoßenen Investitionen in die Digitalisierung sind längst überfällig und damit ausdrücklich zu begrüßen, dennoch sind die sozialen Beziehungen im Klassenraum nicht durch Tablets zu ersetzen“, so Audritz. Gute Förderung der Leistungs-schwächeren und Leistungsstärkeren könne nur durch kontinuierliche Anleitung im Unterricht erfolgen. „Allein auf Selbstlernen zu setzen und auf Anforderungen zu verzichten, ist der falsche Weg.“

Die Durchführung des Präsenzunterrichts müsse daher unter Rücksicht aller gebotenen Abstands- und Hygieneregeln Priorität haben. Dennoch sei angesichts der dynamischen Entwicklung, die das Virus noch immer zeige, ein schnelles Reagieren insbesondere beim Auftreten lokaler Hotspots notwendig. „Hier müssen wir endlich belastbare Konzepte zum Umsteuern auf Wechselunterricht haben, wenn Unterricht im Klassenraum nicht möglich ist“, fordert der Vorsitzende.

Das kommende Schuljahr brauche mehr denn je eine deutliche Kraftanstrengung aller – der Politik, der Eltern und Schüler und der Lehrkräfte. „In der derzeitigen einzigartigen Krisensituation darf nicht nur der Staat in die Pflicht genommen werden, wir alle stehen in der Verantwortung mitzuwirken“, so Audritz abschließend.

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