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Absenkung der Lehrerarbeitszeit überfällig

Die Absenkung der Lehrerarbeitszeit sei in allen Bundesländern überfällig, betonte Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes. Vielfach werden in der Öffentlichkeit die Zeiten zur  Vorbereitung des Unterrichts und für die Korrekturen der Klassen- und Kursarbeiten übersehen. Besonders in den Zeiten der Abiturprüfungen korrigieren die Gymnasiallehrkräfte nächtelang. Auch die Lehrkräfte an Gymnasien haben ein Anrecht auf Freizeit und eine 40-Stunden-Woche, wie sie allgemein im öffentlichen Dienst üblich ist.

Keine Absenkung der Regelstundenzahl

Im Auftrag der Kultusministerkonferenz hat die Schweizer Unternehmensberatung Knight-Wegenstein bereits 1973 festgestellt, dass die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte an den Gymnasien unter Einrechnung der längeren Ferienzeiten bei einer fast 50-Stunden-Woche und somit deutlich über der regulären Arbeitszeit im öffentlichen Dienst liegt. Da offensichtlich den Kultusministern der Länder das Ergebnis ihrer eigenen in Auftrag gegebenen Untersuchung nicht passte, wurde die notwendige Konsequenz, die Absenkung der Regelstundenzahl, verweigert.

Belastungen an den Gymnasien wachsen ständig

Weitere Untersuchungen in den Folgejahren, wie die von Mummert und Partner 1998 in Nordrhein-Westfalen und die 2006 in Sachsen vom Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin (IPAS) der TU Dresden führten zu gleichen Ergebnissen. Seit 1973 hat sich die Belastung an den  Gymnasien beständig erhöht, zunächst durch die Oberstufenreform mit aufwendiger Vorbereitung des wissenschaftspropädeutischen Unterrichts. Heute sind auch die innere Differenzierung aufgrund heterogener gewordener Klassen, der Einsatz vielfältiger Medien, zusätzliche Vergleichsarbeiten sowie nationale und internationale Tests und nicht zuletzt die Arbeitsverlagerung von der höchsten und mittleren Schulaufsichtsebene auf die einzelnen Gymnasien im Rahmen der eigenverantwortlichen Schule zu nennen.

Der Unterrichtsalltag wird immer komplexer

Weitere Belastungen kommen durch die inklusive Beschulung sowie die besondere Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund hinzu. Seit Jahren beobachten wir Gymnasiallehrkräfte, so Heinz-Peter Meidinger, dass uns immer wieder neue Aufgaben aufgebürdet werden und sich der Unterrichtsalltag immer komplexer gestaltet. Auch ist der Umgang mit der Schülerschaft und deren Eltern nicht einfacher geworden. So verwundert es nicht, dass besonders zum jeweiligen Schuljahresende die Krankenstände zunehmen und die Lehrkräfte ausgelaugt in die Sommerferien gehen.

DPhV-Studie: Belastungen an den Gymnasien sichtbar machen

Aufgrund der gestiegenen Belastung forderten der Deutsche Philologenverband und die einzelnen Landesverbände die Kultusministerkonferenz auf, eine neue Arbeitszeituntersuchung in Auftrag zu geben. Diese hat sich bisher jedoch taub gestellt. Deshalb, so Heinz-Peter Meidinger, werden wir unsere Belastung jetzt selbst sichtbar machen. Wir initiieren eine wissenschaftliche Studie zu Arbeitszeit und Belastung der Lehrkräfte an den Gymnasien. Die einzelnen Landesverbände werden unter Federführung des Deutschen Philologenverbandes mit dem IPAS der Technischen Universität Dresden eine deutschlandweite repräsentative Studie durchführen.

Hohe Beteiligung der Lehrkräfte pro Bundesland erforderlich

Dr. Reingard Seibt, Bereichsleiterin für psychophysiologische Diagnostik und  Laborleiterin vom IPAS (Direktor Prof. Dr. med. Andreas Seidler) ist in Zusammenarbeit mit dem Institut für medizinische Informatik und Biometrie  (IMB ) für die TU Dresden sowie den Vorstandsmitgliedern Steffen Pabst und Rainer Starke des Deutschen Philologenverbandes in die Planung eingetreten.
Damit die Studie wissenschaftlich repräsentativ ist, müssen in jedem Bundesland mindestens 10 Prozent der Gymnasiallehrkräfte sich an einer Befragung sowie an einer Aufzeichnung zum Arbeitsaufwand über einen Zeitraum von mehreren Wochen beteiligen. Weitere Hinweise zur Durchführung der Studie über die Absenkung der Lehrerarbeitszeit werden in den nächsten Ausgaben dieser Zeitschrift folgen.

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