DPhV Berufspolitik

Der Deutsche Philologenverband vertritt die bildungs- und berufspolitischen Interessen seiner Mitglieder.

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Absenkung der Lehrerarbeitszeit überfällig

Dr. Reingard Seibt, Bereichsleiterin für psychophysiologische Diagnostik und Laborleiterin vom IPAS und die DPhV-Vorstandsmitglieder Steffen Pabst und Rainer Starke

Die Absenkung der Lehrerarbeitszeit sei in allen Bundesländern überfällig, betonte Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes. Vielfach werden in der Öffentlichkeit die Zeiten zur  Vorbereitung des Unterrichts und für die Korrekturen der Klassen- und Kursarbeiten übersehen. Besonders in den Zeiten der Abiturprüfungen korrigieren die Gymnasiallehrkräfte nächtelang. Auch die Lehrkräfte an Gymnasien haben ein Anrecht auf Freizeit und eine 40-Stunden-Woche, wie sie allgemein im öffentlichen Dienst üblich ist. 

Keine Absenkung der Regelstundenzahl

Im Auftrag der Kultusministerkonferenz hat die Schweizer Unternehmensberatung Knight-Wegenstein bereits 1973 festgestellt, dass die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte an den Gymnasien unter Einrechnung der längeren Ferienzeiten bei einer fast 50-Stunden-Woche und somit deutlich über der regulären Arbeitszeit im öffentlichen Dienst liegt. Da offensichtlich den Kultusministern der Länder das Ergebnis ihrer eigenen in Auftrag gegebenen Untersuchung nicht passte, wurde die notwendige Konsequenz, die Absenkung der Regelstundenzahl, verweigert.

Belastungen an den Gymnasien wachsen ständig

Weitere Untersuchungen in den Folgejahren, wie die von Mummert und Partner 1998 in Nordrhein-Westfalen und die 2006 in Sachsen vom Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin (IPAS) der TU Dresden führten zu gleichen Ergebnissen. Seit 1973 hat sich die Belastung an den  Gymnasien beständig erhöht, zunächst durch die Oberstufenreform mit aufwendiger Vorbereitung des wissenschaftspropädeutischen Unterrichts. Heute sind auch die innere Differenzierung aufgrund heterogener gewordener Klassen, der Einsatz vielfältiger Medien, zusätzliche Vergleichsarbeiten sowie nationale und internationale Tests und nicht zuletzt die Arbeitsverlagerung von der höchsten und mittleren Schulaufsichtsebene auf die einzelnen Gymnasien im Rahmen der eigenverantwortlichen Schule zu nennen.

Der Unterrichtsalltag wird immer komplexer

Weitere Belastungen kommen durch die inklusive Beschulung sowie die besondere Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund hinzu. Seit Jahren beobachten wir Gymnasiallehrkräfte, so Heinz-Peter Meidinger, dass uns immer wieder neue Aufgaben aufgebürdet werden und sich der Unterrichtsalltag immer komplexer gestaltet. Auch ist der Umgang mit der Schülerschaft und deren Eltern nicht einfacher geworden. So verwundert es nicht, dass besonders zum jeweiligen Schuljahresende die Krankenstände zunehmen und die Lehrkräfte ausgelaugt in die Sommerferien gehen.

DPhV-Studie: Belastungen an den Gymnasien sichtbar machen

Aufgrund der gestiegenen Belastung forderten der Deutsche Philologenverband und die einzelnen Landesverbände die Kultusministerkonferenz auf, eine neue Arbeitszeituntersuchung in Auftrag zu geben. Diese hat sich bisher jedoch taub gestellt. Deshalb, so Heinz-Peter Meidinger, werden wir unsere Belastung jetzt selbst sichtbar machen. Wir initiieren eine wissenschaftliche Studie zu Arbeitszeit und Belastung der Lehrkräfte an den Gymnasien. Die einzelnen Landesverbände werden unter Federführung des Deutschen Philologenverbandes mit dem IPAS der Technischen Universität Dresden eine deutschlandweite repräsentative Studie durchführen.

Hohe Beteiligung der Lehrkräfte pro Bundesland erforderlich

Dr. Reingard Seibt, Bereichsleiterin für psychophysiologische Diagnostik und  Laborleiterin vom IPAS (Direktor Prof. Dr. med. Andreas Seidler) ist in Zusammenarbeit mit dem Institut für medizinische Informatik und Biometrie  (IMB ) für die TU Dresden sowie den Vorstandsmitgliedern Steffen Pabst und Rainer Starke des Deutschen Philologenverbandes in die Planung eingetreten.
Damit die Studie wissenschaftlich repräsentativ ist, müssen in jedem Bundesland mindestens 10 Prozent der Gymnasiallehrkräfte sich an einer Befragung sowie an einer Aufzeichnung zum Arbeitsaufwand über einen Zeitraum von mehreren Wochen beteiligen. Weitere Hinweise zur Durchführung der Studie werden in den nächsten Ausgaben dieser Zeitschrift folgen.

Flüchtlingsbeschulung im Blick des bildungspolitischen Ausschusses des DPhV

Der bildungspolitische Ausschuss des Deutschen Philologenverbandes traf sich vom 22. bis zum 24. September 2016 im dbb-Forum Siebengebirge in Königswinter zu seiner Herbsttagung.

Schwerpunkt: Flüchtlingsbeschulung

Zu Beginn der Sitzung berichteten die Vertreterinnen und Vertreter der Länder über die bildungspolitische Situation in den Bundesländern und die Haltung der Landesverbände hierzu. So gibt es zum Beispiel nach der durchgeführten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Irritationen bezüglich der Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe. Die Vertreterinnen und Vertreter aus Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hingegen konnten nur von den Sondierungs- bzw. Koalitionsverhandlungen berichten, ein bildungspolitisches Profil für die nächsten Jahre ist in diesen Ländern noch nicht zu erkennen.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

Der Arbeitsplatz im "Öffentlichen Dienst" im zukünftigen Europa

Der Arbeitsplatz „Öffentlicher Dienst“ im zukünftigen Europa, so ließe sich eine Konferenz beschreiben, die die Akademie der CESI am 3. Juni 2016 in Kopenhagen veranstaltete. Tatsächlich lautete der Titel der Tagung „Die neuen Arbeitsrhythmen und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz“. In seiner Eröffnung führte der Vorsitzende der CESI-Akademie Europa, Emilio Fatovic, aus, dass die Umstrukturierung und die neuen Arbeitsmodelle Auswirkungen im Hinblick auf psychosoziale Risiken der Arbeitnehmer haben. „In Zeiten, wo viele Menschen keine Arbeit haben oder diese verlieren, sind andere, speziell die, die ihre Arbeit behalten durften, einer größeren Arbeitsbelastung und größeren psychosozialen Risiken ausgesetzt.“ Emilio Fatovic betonte, dass der Stress am Arbeitsplatz das zweitgrößte bekannte Problem sei, wovon 22 Prozent der Arbeitnehmer innerhalb der Europäischen Union betroffen seien. Entsprechend müsse in die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sowohl auf nationaler wie auch auf europäischer Ebene investiert werden, denn hohe Krankenstände bedeuten letztlich Kosten für die Allgemeinheit.

Bent Bøgsted, Abgeordneter im Dänischen Parlament, hob hervor, dass die Arbeitsbedingungen zu verbessern seien, nicht nur um die psychosozialen Risiken unserer Welt im Umbruch zu mildern und Stress abzubauen, sondern auch um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern.
Neue Arbeitsrhythmen, der digitale Markt mit der Telearbeit bringt Vorteile, wie die bessere Vereinbarkeit von beruflicher Tätigkeit und Privatleben, aber auch Nachteile, wie unregelmäßige Arbeitszeiten, die Gefahr höherer Selbstausbeutung, ein größeres Burn-Out-Risiko und soziale Isolierung. In Dänemark nutzen bereits 24 Prozent der Unternehmen die Form des „Home-Office“, während der EU-Durchschnitt bei nur ca. 13 Prozent liegt. Barbara de Clippel aus Belgien berichtete von einem Ministerium aus ihrem Heimatland, wo alle Mitarbeiter ihrer Arbeit von zu Hause aus nachgingen. Totale Heimarbeit ist sicherlich im schulischen Bereich nicht denkbar, da zum Lernen und zur Erziehung der persönliche Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden unabdingbar ist. Jedoch existieren bereits, neben dem traditionellen Wissenserwarb im Klassenverband, erfolgreiche Formen des e-Learning, besonders im Rahmen der individuellen Förderung. Zudem stellt sich die Frage, ob sich nicht bald ein höherer Anteil der schulischen Verwaltungsarbeit bis hin zu Konferenzen auf elektronischen Wegen erledigen lässt.
Die Ärztin Zinta Podniece, Fachexpertin für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, und der Statistiker Mathijn Wilkens, Projektleiter von Eurofound, waren sich einig, dass die Gesunderhaltung mit der Arbeizsplatzzufriedenheit in Korrelation steht. Auch wenn 85 Prozent mit ihrer Arbeit zufrieden sind, sind Arbeitsunfälle und berufliche Erkrankungen nicht ausgemerzt. Die demografische Entwicklung zwinge zudem zu Überlegungen, wie bei längerer Lebensarbeitszeit die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit erhalten werden kann.

Im November 2016 wird eine Untersuchung von Eurofound auf der Grundlage von 44.000 Befragten zum Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst allgemein sowie im Bildungs- und Gesundheitsbereich erscheinen. Im Bildungsbereich wurde von 67 Prozent der dort befragten Beschäftigten die mangelnde Flexibilität bei der Arbeitszeit beklagt (total: 56 Prozent). Für die in der Bildung Tätigen ist es nahezu unmöglich, sich zum Beispiel eine Auszeit für einen Arztbesuch zu nehmen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird im Bildungsbereich jedoch als besser angesehen. 30 Prozent arbeiten regelmäßig zu Hause, 25 Prozent auch in der Freizeit. Als ein Krankheitsrisiko wird der Umgang mit der Öffentlichkeit angesehen. Im Bildungsbereich gaben 22 Prozent an, wütenden Klienten und verbalen Entgleisungen ausgesetzt gewesen zu sein. Die Quote liegt im Gesundheitsdienst noch etwas höher.
Nicht erforscht ist bisher, inwieweit Nacht- und Schichtarbeit nicht nur zur Müdigkeit, sondern auch zu Brustkrebs-, Herz- und Kreislauferkrankungen sowie zu Diabetes führen.  Dies soll in einem Forschungsprojekt der nordischen Länder ermittelt werden. Mithilfe einer Software „Arbeitsplatzschutz“, die ein Warnsignal bei zu vielen Nachtschichten ertönen lässt, ließe sich eine bessere Planung der eigenen Arbeitszeit ermöglichen. Dies wäre auch für Lehrkräfte eine interessante Software, denn wie viele Nachtschichten hintereinander werden in den korrekturintensiven Abitur- und Klausurzeiten selbstausbeuterisch eingelegt, um die gesetzten Termine einhalten zu können?

Sachsen: Protestaktion gegen Lehrermangel und für attraktive Arbeitsbedingungen

Dem Aufruf zur Protestaktion zum Auftakt der Haushaltverhandlungen zwischen Kultusministerin und Finanzminister waren viele Kollegen gefolgt, um ein klares Signal zu setzen. Immer deutlicher wird, dass Sachsen aus eigener Kraft den benötigten Bedarf an ausgebildeten Lehrkräften nicht mehr decken kann. Um den dringend benötigten Lehrernachwuchs zu sichern, müssen Arbeitsbedingungen vorhanden sein, die für gut ausgebildete Lehrkräfte attraktiv sind, um sich für Sachsen zu entscheiden.

Bisher hat die Landesregierung keine Maßnahmen zur Erhöhung der Attraktivität des Lehrerberufes und zur Personalentwicklung unternommen. Nicht hinnehmbar ist, auf dem Rücken der Beschäftigten, den Mangel zu kompensieren. Glaubt man denn wirklich, die Kollegen bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze im System zu halten, wenn statt Entlastungen weitere Belastungen geplant sind? „So geht sächsisch“ jedenfalls nicht, um auf die Herausforderungen im Bildungsbereich nachhaltig zu reagieren.

Sozial verträglicher und qualitätssichernder Lehrerwechsel im Ländertauschverfahren

Vor etwas mehr als 40 Jahren begründete der heutige Ehrenvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz Durner, den Beamtenrechtsausschuss (BRA). Zugleich setzte Heinz Durner durch, dass an der alljährlichen Frühjahrstagung auch die Hauptpersonalräte im Deutschen  Philologenverband teilnehmen. Rainer Starke, der jetzige Leiter des BRA, würdigte auf der diesjährigen Frühjahrstagung vom 10. bis 12. März in Fulda die damalige Gründung. Heinz Durners Verdienst sei es gewesen, dass der Deutsche Philologenverband sich auch mit dem Öffentlichen Dienstrecht, dem Personalvertretungsrecht sowie berufspolitischen Forderungen befasse. Heinz Durner stand dem Ausschuss 17 Jahre vor und habe diesen bis in die heutige Zeit geprägt.

Arbeitsplatz- und Wohnungswechsel – Bestandteil des beruflichen Lebens

Der BRA sprach sich in Fulda dafür aus, den Lehrerwechsel im Ländertauschverfahren zu erleichtern. Die heutige Arbeitswelt erfordert von den Menschen aus allen Bundesländern ein hohes Maß an Flexibilität und Mobilität. Der Arbeitsplatz im 21. Jahrhundert ist global ausgerichtet und es ist eine große Herausforderung an die Gesellschaft, notwendige Orts- und Wohnungswechsel vor allem für Familien möglichst sozial zu gestalten. Auch im öffentlichen Dienst gehören heute mehr als in früheren Jahrzehnten Arbeitsplatz- und Wohnungswechsel aus verschiedensten Gründen zum beruflichen Leben.

Ein Länder-Lehrer-Wechsel ohne Nachteile gefordert

Es ist allerdings festzustellen, dass seit der Föderalismusreform die Auseinanderentwicklungen im Alimentations-, Besoldungs-, Versorgungs- und Rentenrecht den Wechsel von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern (ob Beamte oder Beschäftigte) zwischen den einzelnen Bundesländern dramatisch erschwert haben. Im Bereich des Schul- und Bildungswesens kommt die von Jahr zu Jahr wachsende Auseinanderentwicklung in der Ausbildung der Lehrkräfte erschwerend  hinzu, sodass ein Einsatz in der landesspezifischen Schulform oft nicht möglich ist. Es muss ganz deutlich festgestellt werden, dass einige Bundesländer an einer angemessenen Alimentierung und an einer anspruchsvollen und von hoher Qualität getragenen Lehrer-Ausbildung festgehalten haben, während andere Länder, aus welchen Gründen auch immer, drastische monetäre Kürzungen vorgenommen und ebenso die qualitativen Anforderungen in der Ausbildung gesenkt haben. Die Konsequenz aus dieser von der Politik zu verantwortenden Situation beim Länder-Lehrer-Wechsel kann nun nicht sein, dass die Betroffenen auf erworbene Ansprüche verzichten, unvertretbare Nachteile in Kauf nehmen müssen und/oder dass Länder gezwungen werden, Lehrkräfte mit geringerer Qualifikation zum Nachteil eigener „Landeskinder“ und des eigenen Schulsystems zu übernehmen. Der Deutsche Philologenverband fordert die Landesregierungen und die Kultusministerkonferenz auf, in den Bereichen Lehrer-Ausbildung, Alimentation und Versorgung vergleichbare und qualitätsorientierte Regelungen zu schaffen, damit ein notwendiger Lehrerwechsel im Ländertauschverfahren sozial verträglich und qualitätssichernd ermöglicht werden kann.

Resolution zum Erhalt der Gesundheit von Lehrkräften erarbeitet

Die Tagung des BRA befasste sich weiter mit der Anerkennung der Qualifikation in der Lehrerausbildung. Gefordert wird, dass Mentoren für ihre qualifizierte Betreuung der Referendarinnen und Referendare eine angemessene Zahl an Anrechnungsstunden erhalten. Fachleiterinnen und Fachleiter sind bei Aufnahme ihrer Tätigkeit zu befördern und nach A15 bzw. E15 zu besolden. Beklagt wurde die ständig wachsende Arbeitsverdichtung, die nicht nur durch die Aufgabenzunahme, sondern auch durch die heterogene Zusammensetzung von Klassen bedingt ist. Das hat den Ausschuss veranlasst, eine Resolution zum Erhalt der Gesundheit von Lehrkräften zu erarbeiten, in der die Belastungen konkret aufgeführt und die Bundesländer aufgefordert werden, Maßnahmen wie u.a. die Absenkung von Pflichtstunden sowie die Erhöhung von Anrechnungsstunden umzusetzen. Zur Vorbereitung eines gemeinsamen Papiers des bildungs- und des berufspolitischen Ausschusses stellte Heinz Durner seine Vision eines zukünftigen Gymnasiums als Ganztagsschule vor.

Viele Forderungen für die kommenden Tarifverhandlungen

Am letzten Tag stellte Jörg Bohmann, der zusammen mit Steffen Pabst den Tarifbereich im Deutschen Philologenverband betreut, dar, dass der Tarifvertrag der Entgeltordnung der Lehrkräfte für vollständig ausgebildete Lehrkräfte in EG 13 keine Verbesserung bringt. Die Verletzung des Abstandsgebotes zwischen einer voll ausgebildeten Gymnasiallehrkraft und „Nichterfüllern“, d.h. Personen mit nur Erster Staatsprüfung oder Hochschulabsolventen ohne pädagogische Ausbildung, ergibt Handlungsbedarf. Der BRA sieht darin auch die Senkung des Qualifikationsniveaus und die Entwertung der grundständigen Lehrerausbildung. Beschäftigte Lehrkräfte, die in der Funktion als Schulleiter oder in der Schulverwaltung tätig sind, werden außertariflich vergütet, da zu der Besoldungstabelle im Beamtenbereich keine entsprechende Vergütungsgruppe in der Entgelttabelle existiert. Es ergeben sich also genügend Forderungen von Seiten des Deutschen Philologenverbandes für die kommenden Tarifverhandlungen.   

Profil 10/2015: Auswirkungen aktueller Gerichtsentscheidungen auf das Gymnasium

Vor den Vertretern der Landesverbände des DPhV im berufspolitischen Ausschuss (BRA) lag ein umfangreiches Programm bei ihrer Tagung am 11. und 12. September in Fulda. Die Rechtsprechung der vergangenen Monate hinsichtlich der Altersgrenze bei der Verbeamtung, zur amtsangemessen Alimentation und zur Arbeitszeitgerechtigkeit hatte großen Einfluss auf die Herbsttagung des BRA. die von Rainer Starke geleitet wurde.

Den vollständigen Artikel aus der Profilausgabe 10/2015 finden Sie hier.

Profil 4/2015: Vom „Bildungswohlstand“ zum „Bildungsnotstand“

lautete der Titel des Vortrages von Heiko Krüger zur Bilanz von fünf Jahren SPD-Verantwortung für die Bildung in Thüringen auf der Frühjahrstagung des berufspolitischen Ausschusses (BRA) und der Hauptpersonalräte, die Mitte März im dbb forum in Königswinter stattfand.

'Bildungsland Thüringen'

Auf einer Veranstaltung zur neuen Schulordnung in Thüringen im Jahre 2009 wurden vom zuständigen Ministerium zur Inklusion folgende Aussagen getroffen:

„Kein Lehrer einer Grund-, Regelschule, eines Gymnasiums muss Schüler mit Förderbedarf  allein in der Klasse betreuen“

„Kein Kind wird zur Inklusion gezwungen.“

„Es wird keine Inklusion ohne entsprechende personelle und materielle Unterstützung geben.“

„In Inklusivklassen werden nur maximal 18 Schüler beschult.“

Diese Aussagen sind fast identisch mit den berufspolitischen Forderungen, die der BRA bereits in der Vergangenheit formulierte und gehen zum Teil noch darüber hinaus. Aber wie immer liegen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Mittlerweile kämpfen die Lehrkräfte Thüringens mit einer viel zu geringen Anzahl von Förderschullehrkräften zur Unterstützung und sehen sich an der Grenze der Belastung.

Die 'Inklusion' wird noch lange Schwerpunkt sein

In Baden-Württemberg wird im Zuge der Inklusion der Bildungsauftrag des Gymnasiums ganz neu definiert. Die Einführung von zieldifferentem Unterricht, der u.a. Unterrichtung von Schülern nach dem Plan der Förderschule beinhaltet, wirft aus berufspolitischer Sicht wichtige Fragen auf: Wie werden die Lehrkräfte psychologisch betreut, die mit dieser neuen Situation umgehen müssen. Nichts ist für einen Lehrer schlimmer als ein Kind optimal fördern zu wollen, aber es nicht zu können, weil er das entsprechende wissenschaftliche Rüstzeug dafür nicht in ausreichendem Maß besitzt. Hier müssen wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt werden, um festzustellen, wie sich der neue Auftrag an die Gymnasiallehrkräfte auf die psychische und körperliche Gesundheit sowie auf die Arbeitszufriedenheit auswirkt. Denn wenige Wochen Lehrgänge zur inklusiven Beschulung reichen dafür nicht aus. Die versprochenen Ressourcen für den zieldifferenten Unterricht sind nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Der berufspolitische Ausschuss unter Leitung von Rainer Starke, wird sich auch in den nachfolgenden Tagungen der Problematik der Inklusion zuwenden.

Die VBL-Rente kürzen zu wollen, gleicht einer Kampfansage  

Dass die Einkommensrunde 2015 einen breiten Raum der Frühjahrstagung einnehmen wird, war rein optisch bereits am ersten Tag der Sitzung zu erkennen. Die Mitglieder des Gremiums aus Nordrhein-Westfalen kamen direkt von einer Demonstration in entsprechender Ausstattung zur Tagung. Jedoch konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, dass der Arbeitgeber auch in der dritten und eigentlich letzten Verhandlungsrunde noch immer nicht in der Lage war, ein annehmbares Angebot abzugeben. Im Gegenteil, er offenbarte den Gewerkschaften einen 'neuen Wunsch', nämlich zukünftig die Leistungen aus der VBL-Rente für neu erworbene Ansprüche verringern zu wollen – eine Kampfansage an die Gewerkschaften.

Was bringt die zusätzliche –  vierte –  Verhandlungsrunde?

Nun muss die zusätzlich vereinbarte vierte Verhandlungsrunde den Durchbruch bringen. Im BRA wurde diskutiert, wie unsere Vertreter in der Verhandlungs- und Bundestarifkommission die entsprechenden Angebote des Arbeitgebers bewerten und wie sie sich bei fehlenden Initiativen zur Lösung des Tarifkonfliktes verhalten sollen. Die Einkommensrunde 2015 ist keine normale Tarifverhandlung, in der es nur um die Entgelterhöhung geht. Sie wird überlagert durch den seit Jahren andauernden Konflikt zwischen Gewerkschaften auf der einen und der Tarifgemeinschaft der Länder auf der anderen Seite. Hinzu kommt nun noch, die von der TdL gewünschte und in den Ring geworfene Veränderung bei der Betriebsrente.

Tarifergebnis auf die Beamten und Versorgungsempfänger übertragen

Das jetzige Verhandlungsergebnis hat nicht nur Auswirkungen auf die Tarifbeschäftigten: ebenso sitzen die Beamten der Länder und der Kommunen sowie die Versorgungsempfänger indirekt am Verhandlungstisch, da das Tarifergebnis auch Einfluss auf die Besoldung und auf die Pensionen hat. Die Mitglieder des BRA fordern die zeit- und inhaltsgleiche Übertragung des Tarifergebnisses auf die Beamten und Versorgungsempfänger. Im DPhV haben wir es erlebt, dass unsere verbeamteten Mitglieder in ihrer Freizeit die Tarifbeschäftigten mit ihrer Präsenz unterstützten. Nur so können wir gemeinsam für eine bessere Anerkennung unserer Arbeit erfolgreich kämpfen. Ob es uns gelungen ist, auf diese Weise ein akzeptables Ergebnis dem Arbeitgeber abzuringen, erfahren Sie dann in der nächsten Ausgabe dieses Magazins.

Abschied aus dem Gremium

Bedanken möchten wir uns an dieser Stelle für die engagierte Arbeit von Annette Laur aus Baden-Württemberg, die Rainer Starke mit bewegenden Worten aus dem Gremium verabschiedete, und ihr für zukünftige Aufgaben viel Erfolg wünschte.

Leitantrag zur Berufspolitik

Leistung muss sich auch für Gymnasiallehrkräfte wieder lohnen

Deutscher Philologenverband für die Verbeamtung aller Lehrkräfte und für die Rückkehr zu einem bundeseinheitlichen Besoldungs- und Versorgungsrecht

Ein moderner und leistungsfähiger öffentlicher Dienst bedarf der Wertschätzung aller Beschäftigten unabhängig davon, an welchem Ort und in welcher Funktion der Beamte seinen Dienst versieht. Das Dienst-, Besoldungs- und Versorgungsrecht der Länder muss transparent und leistungsgerecht sein. Es muss Anreize schaffen, sich zu qualifizieren, um auch weiterhin Beschäftigte zu motivieren, die öffentlichen Aufgaben in hoher Qualität zu erfüllen. Jeder Bürger hat Anspruch darauf, dass seine Kinder eine qualitativ hochwertige Bildung bekommen. Die im Grundgesetz artikulierte Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in ganz Deutschland verpflichtet den Staat, für eine ausreichende Ausstattung mit qualifizierten Lehrkräften zur Absicherung des Unterrichts zu sorgen. Ein moderner und leistungsfähiger öffentlicher Dienst erfordert motivierte Beschäftigte, deren Leistungen auch gewürdigt werden. Dem werden die Entscheidungen der meisten Länder bei der Übernahme des Tarifergebnisses nicht gerecht.

Während die Tarifeinigung vom 9. März 2013 für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder eine lineare Erhöhung der Entgelte von 2,65 % rückwirkend zum 1. Januar 2013 und von 2,95 % zum 1. Januar 2014 vorsieht, findet die Übertragung des Ergebnisses auf die Beamten in der Regel nicht inhalts- und zeitgleich statt.

Der DPhV stellt die nachfolgenden Kernforderungen auf:

1. Die Länder mit einer geringeren Höhe der Besoldung werden aufgefordert, Schritte zu unternehmen, um den Abstand mittelfristig mit dem Ziel der Wiedereinführung einer bundeseinheitlichen Besoldung zu verringern.

Die unterschiedliche Übertragung der Tarifeinigung zwischen den Ländern führt zu einer weiteren Auseinanderentwicklung in der Besoldung und Versorgung der Beamtinnen und Beamten mit einer universitären bzw. Hochschulausbildung. Während ein Studienrat mit Familienzuschlag, Stufe 1, beim Berufseinstieg in Bayern rund 46.200 Euro im Jahr verdient, erhält ein vergleichbarer Studienrat in Niedersachsen rund 38.850 Euro und in Berlin sogar noch weniger (Stand: 31.12.2012). Die Unterschiede führen dazu, dass in einigen Bundesländern wie Berlin, Brandenburg und Sachsen (keine Verbeamtung) für ausgebildete Lehrkräfte die Aufnahme einer Tätigkeit im Schuldienst dieser Länder unattraktiv ist

2. Die Länder werden aufgefordert, keine Benachteiligung von Lehrkräften mit einem Abschluss für das Höhere Lehramt an Gymnasien bei der Eingruppierung bzw. bei der Besoldungs- und Versorgungsangleichung zuzulassen.

Wer hochmotivierte Lehrkräfte haben will, muss deren Leistung besser honorieren und ihnen Aufstiegschancen bieten. Bereits heute fehlen in vielen Bundesländern ausreichend geeignete Bewerber für die Leitung einer Schule. Schulleiter müssen immer mehr Verantwortung und Aufgaben übernehmen bei immer weniger Anerkennung. Deshalb fordern wir eine dieser Verantwortung entsprechende Besoldung. Der Dienstherr ist verfassungsrechtlich verpflichtet, für einen angemessenen Unterhalt seiner Beamten und Versorgungsempfänger sowie deren Familien zu sorgen. Die Besoldung und Versorgung ist bundesweit so auszugestalten, dass sie nach Dienstrang, Bedeutung und Verantwortung des Amtes sowie entsprechend der allgemeinen wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklung einen angemessenen Lebensstandard ermöglicht. Die amtsangemessene Alimentation begründet sich aus dem Treueverhältnis gegenüber dem Staat und garantiert eine unabhängige und qualitativ hochwertige Amtsführung.

 

 

 

 

Profil 5/2014 - Berufspolitischer Kahlschlag an den Gymnasien in Deutschland

Wer dächte, es gibt keine Steigerung mehr bei der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der Gymnasiallehrkräfte in Deutschland wurde zur Sitzung des Berufspolitischen Ausschusses und der Hauptpersonalräte Ende März in Königswinter unter Leitung von Rainer Starke eines Besseren belehrt.

Zunehmend gerät Baden-Württemberg, das ehemalige Musterländle im Bildungsbereich, in den Fokus. Während aktuell in Deutschland die Möglichkeit des Bezuges einer abschlagsfreien Rente ab dem 63. Lebensjahr geschaffen wird, geht es im Gymnasiallehrerbereich in die andere Richtung. Obwohl mittlerweile jeder weiß, dass der Lehrerberuf durch eine hohe psychische Belastung  gekennzeichnet ist, wird besonders im Gymnasialbereich der Rotstift angesetzt. Die Streichung von Altersermäßigungen in Baden-Württemberg und Niedersachsen zeugt von wenig Wertschätzung der Arbeit der Lehrkräfte.

Einsparungen durch massive Stellenstreichungen

Natürlich bringen diese Streichungen massive Stelleneinsparungen für die jeweiligen Landeshaushalte. Für Niedersachsen bedeutet dies eine Einsparung von 1.000 Stellen. Auch in Sachsen ist das Thema Altersanrechnungen nicht vom Tisch. Es ist schon bezeichnend, wenn in einem mit dem Arbeitgeber vereinbarten Gesamtpaket zur Gestaltung des Generationenwechsels im Schulbereich fixiert wurde, dass bis Ende 2015 keine Änderungen hinsichtlich der Veränderung der Altersermäßigungen geplant sind. Unser Ziel bleibt es weiterhin, verbeamteten und tarifbeschäftigten Gymnasiallehrkräften einen würdevollen Ausstieg aus dem Berufsleben zu ermöglichen. Die Erhöhung des Renten- und Pensionsalters ist eng mit der Schaffung von altersgerechten Arbeitsplätzen verbunden. Doch dazu gibt es bisher bundesweit für den Lehrerbereich keine nennenswerten Konzepte. Im Gegenteil, die psychischen Belastungen im Lehrerdasein nehmen zu, und das nicht nur im Unterricht.

Wenige Lehramtsabsolventen erhalten Zugang zum Schuldienst

Während Arbeitnehmer künftig nach 45 Beitragsjahren in der gesetzlichen Rentenversicherung einen vorzeitigen abschlagsfreien Ausstieg aus dem Berufsleben in Anspruch nehmen können, trifft das Mitglieder im Arbeitnehmerverhältnis nicht zu, da kein Gymnasiallehrer aufgrund seiner langen Ausbildungszeit die magische Zahl von 45 Beitragsjahren erreicht. Aber auch im Beamtenbereich wird in mehreren Ländern das Pensionsalter nach oben verschoben.

Die Streichung von Altersermäßigungen, die Erhöhung des Stundendeputats und die Verschiebung der Ruhestandsgrenzen haben aber noch einen anderen negativen Aspekt. Vielen Lehramtsabsolventen bleibt damit der Zugang zum Schuldienst versperrt. Während es im westlichen Teil unserer Republik in den nächsten Jahren nur geringe Einstellungschancen für ausgebildete Gymnasiallehrkräfte geben wird, sieht das im Osten anders aus. Dort werden in der nächsten Zeit viele Absolventen eingestellt werden müssen, da ein sehr großer Teil aus dem Schuldienst ausscheiden wird. Das Land Mecklenburg-Vorpommern wirbt aktuell mit guten Arbeitsbedingungen um gut ausgebildete Köpfe.

Unterschiede in der Absicherung der Erwerbsunfähigkeit

In Thema ist weiterhin von hoher Brisanz. Die Föderalismusreform führt zu einer immensen Spreizung der Besoldung innerhalb einer Gruppe  zwischen den Ländern. Besoldungsrechtlich haben wir heute einen Flickenteppich wie zu Zeiten der Kleinstaaterei im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Aber auch das Problem der Vergleichbarkeit des Einkommens und der sozialen Absicherung von Beamten und Tarifbeschäftigten wurde durch Ferdinand Horbat und Jörg Bohmann thematisiert. Im Bereich der Absicherung der Erwerbsunfähigkeit gibt es gravierende Unterschiede. Bereits nach dem Wegfall der sechswöchigen Lohnfortzahlung im Falle einer schweren Erkrankung, können die Gesetzlichen Krankenkassen das Verfahren einer Verrentung einleiten. Das heutige Niveau einer Erwerbsunfähigkeitsrente liegt im Bereich der Grundsicherung. Aufgabe in den Landesverbänden muss es sein, unsere tarifbeschäftigten Mitglieder über das Risiko bei Erwerbsunfähigkeit aufzuklären und sie rechtzeitig auf Möglichkeiten der Absicherung dieses Risikos hinzuwiesen.

Auf Grundlage der Analyse der gegenwärtigen Situation der Gymnasiallehrkräfte in den Ländern und der beim Vertretertag im vergangenen Jahr verabschiedeten Anträge wurde über die künftigen Aufgaben des berufspolitischen Ausschusses diskutiert.

Den vollständigen Artikel aus Profil 5/2014 als PDF finden Sie hier.

29.03.2013

BRA auf der didacta 2013 in Köln

Die Mitglieder des Berufspolitischen Ausschusses besuchten im Rahmen der Frühjahrstagung auch den Gemeinschaftsstand des DPhV und des PhV NW auf der didacta 2013 in Köln.mehr >

22.09.2012

Arbeitszeitgerechtigkeit - Zeit zu handeln!

Ein Schwerpunkt der turnusmäßigen Herbsttagung zu der der berufspolitische Ausschuss des Deutschen Philologenverbandes am 21. und 22. September 2012 in Fulda zusammen kam, sind alljährlich die Berichte zur aktuellen Situation in der Berufspolitik der einzelnen Bundesländer.mehr >

24.03.2012

Initiative Burnon statt Burnout

Frühjahrstagung des Berufspolitischen Ausschusses 2012 in Königswinter Lehrerausbildung, Arbeitszeitgerechtigkeit, Inklusion, Leitungstätigkeit und Führungsstrukturen, Burnout… Die Themen der diesjährigen Frühjahrstagung des Berufspolitischen Ausschusses zeigten schon im Vorfeld, dass die Teilnehmer drei interessante und abwechslungsreiche Tage emehr >