Wissenschaftlicher Beirat

Nutzt die Heterogenitätsdebatte der Bildung?

“Let's celebrate our diversity!" Was mancherorts inzwischen geradezu euphorisch gefeiert wird, war für den wissenschaftlichen Beirat des DPhV Anlass für eine sachliche Auseinandersetzung auf seiner jährlichen Tagung Anfang Oktober 2016 in Göttingen.

Der Begriff der Heterogenität gehört zweifelsfrei zu den häufigsten Schlagwörtern in der bildungspolitischen Debatte unserer Tage. Die Gesellschaft wird heterogener, Schule wird heterogener, und folglich stellt sich die Frage nach dem richtigen Umgang mit Heterogenität. Und nach dem Nutzen für den Bildungserfolg der einzelnen Schülerinnen und Schüler.

Den kompletten Bericht aus Profil 12/2016 finden Sie hier.

„Bildungsgerechtigkeit und Gymnasium“

In den letzten Jahren ist der Begriff der Bildungsgerechtigkeit zu einem der meistgebrauchten Schlagwörter in der bildungspolitischen Debatte geworden. Gerade dem differenzierten Schulwesen wird vorgeworfen, Bildungschancen ungerecht zu verteilen. Die Rolle des Gymnasiums wird in diesem Zusammenhang kritisch betrachtet. Dies war der Grund für den Deutschen Philologenverband, sich des Themas anzunehmen und auf der diesjährigen Tagung seines Wissenschaftlichen Beirats im Oktober behandeln zu lassen.

Den kompletten Bericht aus Profil 11/2015 finden Sie hier:

'Auf die Lehrperson kommt es an?' - 7. Band der Reihe 'Gymnasium - Bildung - Gesellschaft'

Beiträge zur Lehrerbildung nach John Hatties “Visible Learning“

Nach TIMSS, PISA und – neu nach – Visible Learning wurde und wird intensiv über die Rolle der Lehrerinnen und Lehrer für das erfolgreiche Lernen der Schülerinnen und Schüler diskutiert. Dieser neue Band unternimmt den Versuch, fast alle Phasen der Lehrerbildung in die Diskussion darüber einzubeziehen, ob es auf die Lehrperson und inwiefern es auf die Lehrperson ankommt.

In der vorliegenden Veröffentlichung, die die Bildung der Lehrperson, beginnend bei der Eignung angehender Lehrkräfte bis hin zur berufsbegleitenden, lebenslangen Fortbildung, betrachtet, kann die Forschung zur Lehrerbildung nicht umfassend abgebildet werden: Es wird eine Auswahl von Beiträgen vorgelegt, die einerseits einen Forschungsüberblick und andererseits exemplarische Vertiefungen aus pädagogisch-psychologisch-empirischer, professionstheoretischer und bildungsphilosophischer Perspektive bieten. Damit sollen unterschiedliche Zugänge und Ansatzpunkte zur Verbesserung der Lehrerbildung nach dem erneut empirisch-quantitativen Impuls durch die Hattie-Studie „Visible Learning“ (2008; deutsche Übersetzung 2013) sichtbar gemacht werden.

Der neue Band ist in vier Inhaltsbereiche eingeteilt: Zunächst werden mögliche Chancen und Probleme der Eignungsfeststellung von Lehrkräften in zwei Beiträgen dargelegt, überblicksartig und am konkreten Beispiel. Welche Faktoren für die Entwicklung der professionellen Lehrperson aus Sicht der Forschung zur Lehrerexpertise nach Johannes König relevant sind, wird auch hier zunächst im Forschungsüberblick vorgestellt. Danach wird an einem konkreten Modell von Laging, Hericks und Saß gezeigt, wie Fachwissenschaft, Fachdidaktik, Bildungswissenschaft und Schulpraxis aus professionstheoretischer Sicht sinnvoll miteinander in der Ersten Phase der Lehrerbildung verknüpft werden können.

Worauf es bei der handelnden Lehrperson für einen guten Unterricht letztlich ankomme, wird von Klaus Zierer, einem der beiden Übersetzer der Hattie-Studie, –interessanterweise nicht nur empirisch – beantwortet. Darüber hinaus betrachtet Sabine Seichter diese Fragestellung – dezidiert entgegen der Mainstream-Diskussion – aus bildungsphilosophischer Sicht.

Im letzten Inhaltsbereich des Bandes werden die mit Lehrerfortbildung verbundenen Erwartungen sowie empirische Befunde ihrer Wirksamkeit im Überblick von Lipowsky sowie Rzejak und am konkreten Beispiel durch Havers dargestellt. Die Autorinnen und Autoren sind alle in Forschung und Lehre mit Lehrerbildung beschäftigt, kommen jedoch im Interesse einer interdisziplinären Auseinandersetzung mit der Rolle der Lehrperson „nach John Hattie“ aus unterschiedlichen Fächerkulturen.

'Abitur und Studierfähigkeit' - 6. Band der Reihe 'Gymnasium - Bildung - Gesellschaft'

 

Ein interdisziplinärer Dialog

Inwiefern gehören das Abitur und die Vermittlung von Studierfähigkeit zueinander? Im vorliegenden sechsten Band dieser Reihe geht es um die historische und gegenwärtige Bestimmung von Studierfähigkeit als eines der wesentlichen Vermittlungsziele der gymnasialen Oberstufe.

Aus den Beiträgen geht u.a. hervor, dass die wesentlichen Vermittlungsziele der gymnasialen Oberstufe, also auch die Studierfähigkeit, nicht unabhängig von bereits in der Sekundarstufe I beschrittenen Lehr - und Lernwegen der Schülerinnen und Schüler gedacht werden sollte. Der gymnasiale Bildungsgang und die Vermittlung der Ziele der Allgemeinen Hochschulreife beginnen bereits in der Sekundarstufe I. Damit Schülerinnen und Schüler studierfähig werden können, sollte institutionell und personell auch die Kooperation zwischen Gymnasium und Universität gestärkt werden.

Um neben der allgemeinen Studierfähigkeit auch die spezifische Studierfähigkeit zu profilieren, sollten die universitären Fachdisziplinen explizit ihre fachspezifischen Studienanforderungen beschreiben. Gesamtgesellschaftlich betrachtet müssen die Rahmenbedingungen, u.a. finanzieller und rechtlicher Art, verantwortlich abgesichert werden, um für die Studierfähigkeit die Studierbarkeit  zu gewährleisten.  

In diesem Band der Reihe „Gymnasium – Bildung – Gesellschaft“ werden die o.g.  Aussagen von deutschen, Schweizer und österreichischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der Allgemeinen und Systematischen Pädagogik, der Sozialethik, der empirischen Bildungsforschung, der Berufspädagogik, der Mathematik, der Politikwissenschaft und der Theologie diskutiert. Gemeinsames Interesse ist die Stärkung von individueller Studierfähigkeit und institutioneller Studierbarkeit.

Leistungsstandards und Leistungsbewertung in Zeiten der Noteninflation

Präsident der Hochschulrektorenkonferenz Prof. Horst Hippler im Gespräch mit Prof. Joybrato Mukherjee, Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen

Eine Google-Suche nach dem Begriff „Noteninflation“ liefert mittlerweile 21.800 Ergebnisse. Die Bildungsrepublik Deutschland hat ein weiteres Problem. Bekannt wurde es vor allem, seit der Wissenschaftsrat in einem Bericht über Examensnoten an Hochschulen vor zwei Jahren feststellte, dass zu viele gute Noten vergeben werden.

In der Profil-Ausgabe 11/2014 befasste sich Thomas Langer, Vorsitzender der Jungen Philologen, ausführlich mit dem Thema. Den Artikel als PDF finden Sie hier.

'Wissenschaft inszenieren' - 5. Band der Reihe 'Gymnasium - Bildung - Gesellschaft'

 

 

Perspektiven des wissenschaftlichen Lernens für die gymnasiale Oberstufe

Für Schulen, die Wissenschaft inszenieren, bedeutet Wissenschaftspropädeutik weit mehr als fachliches Lernen. Im dem jetzt vorliegenden fünften Band entwickeln die Herausgeber mit den gewonnenen Autoren eine spezifische Perspektive auf die wissenschaftspropädeutische Aufgabe der gymnasialen Oberstufe, die mit dem KMK-Beschluss von 1972 grundgelegt und in der Folge bildungstheoretisch ausdifferenziert und in den Bundesländern vielfältig ausgestaltet und modifiziert wurde.

Nach den Herausgebern Beilicke, Messner und Weskamp sollen Schülerinnen und Schüler nicht als wissenschaftliche Experten, aber als gebildete Laien Zugang zu verschiedenen wissenschaftlichen Erkenntnissen durch eine professionelle Ausbildung in der gymnasialen Oberstufe erhalten, indem sie dort wissenschaftliche Arbeitsweisen erleben und beginnen, eine wissenschaftliche Haltung zu entwickeln. Dazu bedarf es Lehrkräfte, für die wissenschaftliches Lernen und Denken selbstverständlicher Bestandteil ihrer beruflichen Identität ist.

Hier unterscheiden die Herausgeber drei Möglichkeiten und Zugänge zum wissenschaftlichen Lernen in der gymnasialen Oberstufe voneinander: das wissenschaftliche Lernen als Ziel und Aufgabe der Schulentwicklung, Schülerwettbewerbe als exemplarische Praxis der Inszenierung wissenschaftlichen Lernens und das Lernen von Wissenschaft aus der Sicht der Biografien qualifizierter Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Diese Zugänge werden in zehn Beispielen „schulischer Inszenierungsmöglichkeiten“ sowohl im Rahmen unterschiedlicher schulischer Organisationsformen des Lehrens und Lernens als auch aus der Perspektive der unterschiedlichen Fachdisziplinen mit durchgeführten und reflektierten Unterrichtsbeispielen verdeutlicht.

Für die Veröffentlichung dieser „Methoden der Inszenierung wissenschaftlichen Lernens in der gymnasialen Oberstufe“ haben sich drei Herausgeber aus Universität und Schule zusammengefunden: für die Erziehungswissenschaft mit den Schwerpunkten Schulpädagogik und Bildungsforschung Rudolf Messer an der Universität Kassel und für die Schule Ralf Weskamp, Schulleiter der nordhessischen Bundespräsident-Theodor-Heuss-Schule in Homberg/Efze, sowie Francois Beilecke, Lehrkraft für die Fächer Französisch, Politik und Wirtschaft an derselben Schule.

Auf gute Lehrer kommt es an!

DPhV Wissenschaftlicher Beirat Tagung

John Hattie. Wer ist John Hattie? John Hattie ist kein Steuermann. Dennoch folgen Tausende von Lehrerinnen und Lehrern – und ihre Interessenvertreter – seinem Kurs zu den rettenden Ufern des sicheren Frontalunterrichts, sind erleichtert darüber, endlich wieder »superwichtig« (Martin Spiewak, DIE ZEIT) zu sein. Ohne ‘ihn’ gelesen zu haben. Ohne ‘ihn’ richtig verstanden zu haben. Der wissenschaftliche Beirat des Deutschen Philologenverbandes widmete daher seine diesjährige Tagung im Oktober in Düsseldorf den Erkenntnissen der Hattie-Studie und den Schlussfolgerungen für eine effektive Lehrerbildung.

Hier finden Sie den Artikel zum Thema aus der profil 10/2013 zum Download.

Wissenschaftlicher Beirat

Der Deutsche Philologenverband sucht mit der Gründung des Wissenschaftlichen Beirates verstärkt den Brückenschlag zur Universität. In einem regelmäßigen aktiven und fruchtbaren Dialog mit Wissenschaftlern aus verschiedenen Fachdisziplinen sollen Möglichkeiten und Wege erörtert werden, wie Bildungsqualität, Schulen und Unterricht in Deutschland fortentwickelt und verbessert werden können.  

Der Wissenschaftliche Beirat des DPhV wurde auf einer Tagung im Oktober 2008 gegründet, sie stand unter dem Thema „Begabtenförderung und Schulsystem“.

'Zur Vermessung von Schule' - 4. Band der Reihe 'Gymnasium - Bildung - Gesellschaft'

Empirische Bildungsforschung und Schulpraxis

Hat die zweite empirische Wende, die empirische Wende nach PISA, mehr Nutzen als Schaden für die Schule gebracht? Verfolgt PISA eine Leitidee von Bildung, die Menschen als Humankapital ansieht, oder sind die in PISA definierten Kompetenzen und Ziele kompatibel mit anspruchsvollen, humanistischen Bildungszielen?

Ermöglicht erst Pisa eine öffentliche Diskussion über bildungspolitische Zielsetzungen? Müssen Wissenschaftler auch für einen angemessenen Umgang mit den erbrachten Daten sorgen, damit diese nicht ideologisch benutzt werden? Wird mit der Kompetenzorientierung eher ein schematisches Verhalten bei Schülern provoziert anstelle eines „Zugangs zum Verstehen“?

Im vierten Band der Reihe „Gymnasium – Bildung – Gesellschaft“ geht es um die Darstellung und Bewertung dessen, was seit PISA die deutsche Forschungs- und Bildungslandschaft stark beeinflusst hat: die empirische Bildungsforschung und deren Konsequenzen für die Schulpraxis aus der Sicht von PISA-Forschern und PISA-Kritikern.

Empirisch und historisch-hermeneutisch forschende Erziehungswissenschaftler, Psychologen, aber auch eine ehemalige Bildungsministerin beleuchten den Anspruch und die Konsequenzen aus PISA kritisch, ebenso wie das Miteinander der verschiedenen Akteure aus der Bildungsforschung, der Bildungspolitik und der Schulpraxis.

 

Die Reihe „Gymnasium - Bildung – Gesellschaft“ wurde auf Initiative des Deutschen Philologenverbandes und mit Hilfe des Klinkhardt-Verlages im Jahr 2009 begründet. Der erste Band widmete sich dem Thema der schulischen Begabtenförderung. Im zweiten Band wurden Chancen und Probleme schulischer Übergänge aus einer disziplinenübergreifenden Perspektive diskutiert — aus pädagogischer, psychologischer, politologischer, soziologischer, schulischer und verbandspolitischer Sicht. Band drei widmete sich „Aspekten gymnasialer Bildung“ mit Beiträgen zur Bildungstheorie, zur Unterrichts- und Schulentwicklung.

 

Aspekte gymnasialer Bildung – 3. Band der Reihe 'Gymnasium - Bildung - Gesellschaft'

Aspekte gymnasialer Bildung – eine Einführung

Susanne Lin-Klitzing

Ist das Thema „gymnasiale Bildung“ ein Reizthema, zu dem sich Menschen mit unterschiedlichen ideologischen Positionen gegenüberstehen? Der Deutsche Philologenverband konnte zur provozierenden Leitfrage „Siegt sich das Gymnasium zu Tode?“ für diesen dritten Band zu „Aspekten gymnasialer Bildung“ in der Reihe „Gymnasium – Bildung – Gesellschaft“ im Klinkhardt-Verlag ausgewiesene Wissenschaftler aus den Erziehungswissenschaften, der Psychologie und der Philosophie versammeln, die sich in den vorliegenden Beiträgen mit den aktuellen wie historischen „Grundlagen gymnasialer Bildung“, mit dem „gymnasialen Unterricht“ und der „Zukunft des Gymnasiums“, hier insbesondere unter den Rubriken „Distinktion und Exzellenz“, auseinandersetzen. Heinz-Peter Meidinger, der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, greift in seinem vorangestellten Beitrag „Zwischen Qualität und Quantität – wird das Gymnasium zum Opfer seines eigenen Erfolges?“ genau dieses Reizthema auf und beantwortet es pointiert und mit einer Darstellung aus gymnasialer Perspektive, welche das Gymnasium nach Tenorth weiterhin als die Leitinstitution des deutschen Bildungswesens sieht.

Im Jahre 2000 initiierte der Bayerische Philologenverband gemeinsam mit der Universität Würzburg eine Ringvorlesung zur Frage nach einer spezifischen Gymnasialpädagogik (vgl. Bayerischer Philologenverband 2001). Hieran knüpft diese Veröffentlichung in gewisser Weise an, entwickelt sich aber – auch angesichts der Entwicklungen der vergangenen Jahre – in ihren inhaltlichen Schwerpunkten, insbesondere in ihrem aktuellen „prognostischen Blick“, was die potenzielle Zukunft des Gymnasiums anlangt, darüber hinaus.

Damals artikulierte Jürgen Oelkers, dass folgende Kriterien spezifisch gymnasial seien:

1. Besondere Niveaus in den Anforderungen.

2. Ein spezifisches Spektrum von Fächern und Fachangeboten.

3. Fachstandards oberhalb der anderen Schulen.

4. Äußere und innere Selektivität.

5. Hohes Prestige und Privileg des Abschlusses.

6. Eigene historische Mentalitäten.

7. Verantwortung für „Höhere Bildung“.

8. Bildungseliten als Qualitätsnachweis (Oelkers 2001, 7).

Oelkers versteht gymnasiale Bildung also nach wie vor als Elitenbildung, wohlgemerkt als eine Bildung von Leistungseliten, die die „Verantwortung für höhere Bildung, also die Tradierung der Sprache und Kultur, ebenso wie für die Pflege der Mathematik, die Präsenz der Wissenschaft und vieles mehr“ trügen. Sie sollen den „Stand des Wissens und Könnens, die Raffinessen der Kultur oder die Präzisionen der Wissenschaft mit jeder neuen Generation […] sichern und wenn möglich […] verbessern.“ Bildung sei „auf unerbittliche Weise Steigerung“ (Oelkers 2001, 8). Hierfür sei die „Schülerqualität“ entscheidend (Oelkers 2001, 11). Ähnlich argumentierte damals Klaus von Westphalen: Bei Gymnasiasten handle es sich um eine spezielle, nach kognitiven Leistungsgesichtspunkten ausgewählte Schülerschaft aus der zahlenmäßig größeren Grundschulklientel. Gemäß der Bildungsintention des Gymnasiums seien „an die Gymnasiasten höchste Ansprüche im kognitiven und auch im nichtkognitiven Bereich zu stellen“ (Westphalen 2001, 51). Diese Anforderungen finden sich als Kerngedanken durchaus in Westphalens Vorstellungen einer gymnasialen Bildungstheorie wieder: allgemeine Studierfähigkeit, erweiterte und vertiefte Bildung an komplexen Erscheinungen und Zusammenhängen in Kultur, Natur und Gesellschaft sowie die Fähigkeit zur Selbstbestimmung in erweiterter sozialer Verantwortung. Die gymnasiale Zielintention sei „ein gymnasialtypisches ‚Mehr‘, ein ‚Mehr‘ an Welt, an Allgemeinheit, an Universalität, an Relevanz und an Vertiefung beim Eindringen“ (Westphalen 2001, 51). Es geht also auch nach Westphalen letztlich um einen Vergleich mit anderen Bildungsintentionen und -institutionen, also um einen „höheren“ Anspruch gegenüber anderen Schulformen.

Jürgen Rekus akzentuiert hier zunächst anders. Er führt aus, dass der frühere gymnasiale Charakter einer „Elitebildungsanstalt“ aufgrund der Bildungsexpansion seit den 1960er Jahren verloren gegangen, gleichwohl aber die bestehende Differenzierung der Schulformen „auf dem Hintergrund individuellen Leistungsvermögens und dementsprechender Leistungsbereitschaft der Lernenden“ (Rekus 2000, 18) nach wie vor sinnvoll sei. Von diesem Gesichtspunkt aus dienen „die verschiedenen Schultypen […] dann der Entfaltung von Leistung auf je unterschiedliche Weise und ermöglichen so einen standesunabhängigen Zugang zu den gesellschaftlichen Hierarchieebenen. Das Gymnasium verteilt dann keine Berechtigungsnachweise mehr, sondern Befähigungsnachweise“ (Rekus 2000, 19). Den gymnasialen Weg sieht er vor allem durch die überwiegende Anwendung bestimmter Lernmethoden gekennzeichnet, „die von der Anschauung abstrahieren und auf Begriffsbildung gerichtet sind, d. h. die auf erfahrungs- und erlebnisunabhängige Erkenntnisse zielen. Dazu gehört nicht nur die Anwendung von Methoden, wie sie von den Wissenschaften vorgezeichnet sind, sondern auch deren methodologische Reflexion“ (Rekus 2000, 20). Es könne also nicht um eine Kanonbestimmung vermeintlich höherer Bildungsgüter gehen, sondern das Spezifische des gymnasialen Bildungsweges könne also nur in der Systematik definierter methodischer Zugangsweisen zu den Phänomenen der Welt und der damit verbundenen erfahrungs- und erlebnisunabhängigen Begriffsbildung liegen. Ihr Spezifikum liege in der Wissenschaftsanalogie der Lernwege (vgl. Rekus 2000).

 

'Übergänge im Schulwesen' - 2. Band der Reihe 'Gymnasium - Bildung - Gesellschaft'

Auf Initiative des Deutschen Philologenverbandes und mit Hilfe des Klinkhardt-Verlages wurde im Jahr 2009 die Reihe „Gymnasium – Bildung – Gesellschaft“ begründet. Ziel war und ist es, im Interesse einer nach TIMSS und PISA neu begonnenen Interaktion zwischen Wissenschaft, Bildungspolitik und Schule den Diskurs von Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen zu bildungspolitisch relevanten Themen für Entscheidungen in der Bildungs- und Schulpolitik fruchtbar zu machen. Der erste Band dieser neuen Reihe widmete sich dem Thema der schulischen Begabtenförderung.

Im zweiten Band dieser Reihe werden neben einer eher problemorientierten Sicht auf die schulischen Übergänge vor allem auch deren Chancen in einem differenzierten Schulsystem allgemeiner und beruflicher Bildung betont, dessen Reichtum international häufig nicht erkannt wird, eben weil ein solches Gesamtkonzept allgemeiner und beruflicher Bildung eher singulär ist. Bildungspolitische Reizthemen wie der Übergang nach Klasse 4 oder 6 auf die weiterführenden Schularten werden dabei ebenso aufgenommen wie die häufig weniger beachteten, aber nicht minder wichtigen weiteren Übergänge im Bildungswesen: der vom Kindergarten in die Grundschule, von der Sekundarstufe I in die verschiedenen allgemeinbildenden und beruflichen Oberstufen. Im Bereich der Oberstufe werden schließlich die Entwicklung der Schülerklientel des Gymnasiums unter dem Gesichtspunkt von Aufstieg versus Bildungsreproduktion sowie der Übergang von der Schule zur Hochschule thematisiert.

Auch für diesen Band haben sich erneut drei Herausgeber aus Schule, Fachdidaktik und Schulpädagogik zusammengefunden: Gerhard Müller-Frerich, Leiter eines großen Gymnasiums in Iserlohn, Prof. Dr. David Di Fuccia von der Universität Kassel und Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing von der Philipps-Universität Marburg.

 

'Begabte in der Schule - Fördern und Fordern' - 1. Band der Reihe 'Gymnasium - Bildung - Gesellschaft'

Ein Buch, das in keiner Schulbibliothek und in keinem Studienseminar fehlen darf!

Eine Brücke zwischen Wissenschaft und Schule zu schlagen und damit den wissenschaftlichen Diskurs für politische Entscheidungen in der Bildungs- und Schulpolitik fruchtbar zu machen,  das ist das Ziel der Herausgeber des Bandes „Begabte in der Schule – Fördern und Fordern.“ Denn seit der Veröffentlichung der internationalen Schulleistungsstudien PISA und TIMSS suchen Bildungspolitiker verstärkt den Rat der erziehungswissenschaftlichen Forschung, denn sie brauchten Entscheidungshilfen. Zurzeit orientiert sich die Politik dabei allerdings meist an den eher empirischen Forschungsergebnissen. Die mit diesem Band auf Initiative des Deutschen Philologenverbandes neu begonnene Reihe „Gymnasium und Gesellschaft, Schule und Hochschule“ will den an Schule und Bildungspolitik Beteiligten Hintergründe und solide Forschung zugänglich machen. Dabei werden die aktuellen Themen, die in der „neuen“ Zeit nach TIMSS und PISA die Schullandschaft beschäftigen, wissenschaftlich interdisziplinär diskutiert. Dies schlägt sich auch in der Zusammensetzung des Herausgeberteams nieder, dabei haben sich Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Schulpädagogin von der Philipps-Universität Marburg, Gerhard Müller-Frerich, Leiter eines großen Gymnasiums in Iserlohn, und Dr. David Di Fuccia, Fachdidaktiker von der Technischen Universität Dortmund, zusammengetan. Der erste Band versammelt Beiträge zum Thema „Begabte in der Schule – Fördern und Fordern“ aus neurobiologischer, pädagogischer und psychologischer Sicht, von Professoren verschiedenster Fachbereiche. Die Förderung Begabter in der Schule wird angesprochen mit den Themen selbstreguliertes Lernen, Frühstudium, Lernzuwachs als kumulatives Prinzip und der Frage nach einer eigenen Pädagogik für Begabte. Die neurobiologische Perspektive behandeln Artikel zur Gehirnforschung in der Schule und zur Nutzung von Erfahrungen im Rahmen schulischer Bildungsprozesse. Ein weiteres Thema ist die Problematik der Identifikation Hochbegabter, auch unter dem Gesichtspunkt der Underachiever. Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des DPhV, schließt den Band mit einem Plädoyer, die Förderung der Begabten und Hochbegabten als Aspekt der Bildungsgerechtigkeit nicht aus den Augen zu verlieren.

Jedes Jahr soll in dieser Reihe „Gymnasium und Gesellschaft, Schule und Hochschule“ ein relevantes Thema ausgewählt und von Wissenschaftlern diskutiert werden, um damit im wissenschaftlicher Diskurs einen Beitrag für die nach TIMSS und PISA neu begonnene Interaktion zwischen Wissenschaft, Bildungspolitik und Schule zu leisten.

Vermessung von Schule

Zum Thema Bildungsforschung unter dem Titel "Vermessung von Schule" tagte der Wissenschaftliche Beirat 2011 in Berlin . Den ausführlichen Bericht zur Tagung finden Sie unter Profil 11/2011.