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16.01.2017

Wohlfühl-Gymnasium G9?

Meidinger warnt vor falschen Erwartungen: „Schule ohne Stress ist eine schlechte Lebensvorbereitung“

Die Gymnasien in Deutschland erleben derzeit eine atemberaubende schulpolitische Wende: Erst galt die Schulzeitverkürzung bis zum Abitur, das sogenannte G8, als das  Nonplusultra. Jetzt hat sich der Wind gedreht, und die meisten Bundesländer drehen die Reform weitgehend zurück. Der Erwartung, damit werde das Gymnasium zu einer Wohlfühloase, tritt allerdings nun Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands, entgegen. Er meint: „Die Härte, mit zeitlich begrenztem Leistungsdruck umzugehen, sind nicht nur in der Schule, sondern auch im späteren Leben eminent wichtig.“

Mit der Einführung von G8 wollte man unter anderem dem demografischen Wandel begegnen und die Jugendlichen früher in das Arbeitsleben bringen, um international konkurrenzfähig zu sein. Welche pädagogischen Argumente sprechen wiederum für bzw. gegen die verkürzte Schulzeit?

Meidinger: Es gibt bis heute kein einziges pädagogisches Argument, das für G8 spricht. Bildung braucht Zeit, Zeit für Üben, Reflektieren, Vertiefen und kritische Auseinandersetzung. Wir müssen unseren Kindern angesichts der großen gesellschaftlichen Herausforderungen eher mehr Zeit zum Lernen und Reifen bieten als weniger. Letztendlich war es das finanzielle Einsparungspotenzial, das seinerzeit die Finanzminister der Länder und die Ministerpräsidenten zur gymnasialen Schulzeitverkürzung verleitet hat. Das war aber kurzfristig gedacht. Die Qualität unserer Abiturienten ist zehnmal wichtiger als die Frage, ob sie ein Jahr jünger oder älter sind.

Das Interview ist Teil des News4teachers-Schwerpunktes zur Bildungsmesse didacta, auf der Meidinger als Referent zu erleben ist. Das komplette Interview finden Sie hier!

Von: Presse DPhV