News

02.08.2017

Gewisser Druck in der Schule ist wichtig

Woher kommt der Leistungsdruck der Schüler? Wie hat er sich verändert? Meidinger im Interview über Schulstress.

Herr Meidinger, stehen Schüler heutzutage unter einem stärkeren Leistungsdruck als noch vor zehn Jahren?
Ich bezweifle nicht, dass Schüler unter Leistungsdruck stehen. Ich glaube aber nicht, dass der Druck heute stärker ist als noch vor 10 oder 20 Jahren. Der Druck ist vielleicht ein anderer geworden. 

Wie würden Sie diesen anderen Leistungsdruck beschreiben? 
Die Erwartungshaltungen sind gestiegen – sowohl bei den Eltern als auch bei den Kindern selbst. Bei vielen Ein-Kind-Familien lastet zum Beispiel der gesamte Bildungsdruck auf dem einen Kind. Und viele Kinder setzen sich schon früh selbst unter Stress, um ihre selbst gesteckten Ziele zu erreichen.

Wie kann man verhindern, dass Kinder oder Eltern sich selbst unter Druck setzen?
Das ist schwierig, denn oft ist der Druck nicht direkt. Kinder spüren einen indirekten Druck, weil sie genau wissen, dass die Eltern bestimmte schulische Leistungen von ihnen verlangen. Sie merken, dass die Eltern enttäuscht sind, wenn sie diese Leistungen nicht erbringen. Die Eltern müssen an dieser Stelle umdenken, das Kind und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen und den Druck rausnehmen. Für die Kinder selbst ist es wichtig, ein gesundes Verhältnis zur Leistung zu gewinnen. Auch die Schule kann einen Beitrag leisten und mehr auf die Schüler eingehen, die beispielsweise unter Prüfungsangst leiden.

Sie selbst unterrichten an einer Schule. Was tun Sie, wenn Sie bemerken, dass ein Schüler sehr unter Druck steht?
An meiner Schule gibt es u.a. eine Schulpsychologin, die sich um betroffene Kinder kümmert. Darüber hinaus ist es wichtig, viele Gespräche zu führen – mit den Schülern und den Eltern. Vielen Lehrkräften helfen schon kleine Informationen weiter, um mit der Blockade der Schüler in der Prüfungssituation besser umgehen zu können. Denn sonst kann es passieren, dass ein Schüler fälschlicherweise verdächtigt wird, nicht gelernt zu haben, wenn er in der Prüfung nicht die geforderte Leistung erbringt.  

Das komplette Interview von Heinz-Peter Meidinger mit Anne Odendahl finden Sie hier.

Von: Presse DPhV