Was die Bildungspolitik für uns noch viel nötiger in den Blick nehmen muss
Grußwort der Bundesvorsitzenden des Deutschen Philologenverbandes, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, für den Sächsischen Philologentag

DPhV-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing am Sächsischen Philologentag (Foto: Langer)
„Sehr geehrter Herr Staatsminister Clemens,
sehr geehrter Herr Referatsleiter, lieber Herr Dr. Heinrich,
sehr geehrter Herr Wils, lieber Herr Dr. Xylander,
lieber Michael Jung, René Michel und Dirk Baumbach,
vor allem aber liebe sächsische Philologen,
Kollegen und Kolleginnen, Mitglieder des Vorstands,
lieber Vorsitzender Thomas Langer
Alle blicken derzeit nach Kanada, hier insbesondere nach Alberta, die Bildungsminister reisen regelmäßig dorthin, so wie damals nach Finnland, und blicken auf deren beeindruckende Leistungsdaten und dortige Erfolgsmodelle, um sie für uns zu übernehmen – wenngleich man nüchtern konstatieren muss: Die gymnasialen deutschen Schülerleistungsdaten sind im Vergleich mit Kanada nicht schlechter, sondern besser! (Ich werde als Beleg noch auf einige Zahlen, Daten, Fakten hinweisen.)
Der Blick über den Tellerrand ist nie schädlich, sondern hilft – noch wichtiger ist jedoch der klare Blick auf die eigenen Voraussetzungen für gute Bildung. Denn gute Bildung entsteht nicht durch kurzfristige Reformideen oder strukturelle Experimente. Sie entsteht dort, wo auf der Basis unserer Verfassung Verlässlichkeit, klare Ziele und echte Zusammenarbeit die Grundlage für schulische Arbeit bilden.
Lassen Sie mich deshalb entlang dieser drei Erwartungen sprechen, die wir als Philologenverband an die sächsische Bildungspolitik richten:
Zuverlässigkeit – Zielorientierung – Zusammenarbeit.
1. Zuverlässigkeit – Vertrauen braucht politische Verbindlichkeit
Zuverlässigkeit ist ein Fundament eines leistungsfähigen Bildungssystems. Schüler, Eltern und Lehrkräfte müssen sich auf geprüfte, gute, stabile Rahmenbedingungen verlassen können.
Dazu gehört an erster Stelle die Schulpflicht. Und hier können wir das Gemeinsame betonen:
Der Philologenverband, und nicht nur der sächsische Philologenverband sondern noch viele andere mehr, treten gemeinsam mit dem sächsischen Kultusministerium für die Schulpflicht, verstanden als Schulbesuchspflicht, ein. Das haben wir kürzlich auch in der Anhörung im Sächsischen Landtag deutlich gemacht, die aufgrund des Antrags der AfD, in Sachsen die Schulpflicht durch eine sog. allgemeine Bildungspflicht ersetzen zu wollen, stattfand.
Die Schulpflicht, die Schulbesuchspflicht, ist weit mehr als eine organisatorische Vorgabe. Sie ist ein tragendes Element unserer Demokratie und unserer Gesellschaft. Sie garantiert nicht nur Wissenserwerb, sondern auch gesellschaftliche Integration, Chancengleichheit und die Entwicklung sozialer Kompetenzen. Schule ist der Ort, an dem junge Menschen lernen, in Vielfalt zu leben, Konflikte auszutragen und Verantwortung zu übernehmen. Wer die Schulbesuchspflicht infrage stellt, relativiert oder aushebeln will, stellt damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt infrage.
Diese gemeinsame Position ist klar bildungstheoretisch, durch unser Grundgesetz sowie durch die sächsische Landesverfassung zu begründen. Gerade auch die Erfahrungen der vergangenen Corona-Jahre haben gezeigt:
Ohne die Schulbesuchspflicht, ohne die schulische Bildung wächst die Abhängigkeit von den Voraussetzungen im Elternhaus – und damit Bildungsungleichheit. Die Schulpflicht bleibt damit eine tragende Säule unseres demokratischen Bildungsverständnisses – hier sind wir eins mit Ihnen, Herr Minister!
Die Umsetzung der Schulpflicht in Deutschland setzt allerdings – nicht nur aus unserer Perspektive – den Beamtenstatus voraus – und hier sind wir deutlich uneins mit Ihnen, Herr Minister, ebenso wie auch die anderen Bildungsminister und -ministerinnen – und auch der Ministerpräsident von Sachsen, denn als der Philologenverband Anfang des Jahres den sächsischen Lehrerausbildungspreis in Dresden-Klotzsche vergeben hat und der Ministerpräsident die Preisträger aus allen Schularten und Seminaren würdigte, hat er u.a. ein Loblied auf den Beamtenstatus der Lehrkräfte gesungen, der die streikfreien Schulen sowie Stabilität und Attraktivität dieses Berufs sichere. – Dass die angestellten Lehrkräfte in Sachsen die Schulen nicht in dem Maße unter Druck setzen, wie sie es durch ihren Angestelltenstatus könnten, ist ihrem außerordentlich hohen Berufsethos zu verdanken – und genau nicht dem Status, den Sie neu – aus unserer Sicht: falsch – für alle zukünftigen Lehrkräfte einführen wollen.
Zuverlässigkeit hingegen bedeutet für uns: Verlässliche Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte. Angesichts von Schulpflicht und Lehrkräftemangel ist es ein falsches Signal für Sachsen, den Beamtenstatus für Lehrkräfte abschaffen zu wollen. Der Beamtenstatus ist kein Privileg, sondern ein Instrument zur Sicherung der Funktionsfähigkeit des Staates. Er gewährleistet Verlässlichkeit, Bindung und Attraktivität des Berufs. Wer heute und in Zukunft den Lehrerberuf stärken will, darf nicht an seiner Substanz sägen. Und das tun Sie, Herr Minister, mit der kontinuierlichen Verfolgung Ihres Anliegens!
Zuverlässigkeit heißt stattdessen: realistisch aushaltbare, besser noch: förderliche Arbeitsbedingungen, Umsetzung (!) geplanter Entlastungen und eine nachhaltige Personalpolitik. Das sehen wir zur Zeit nicht – wenngleich wir die objektiv schwierige Lage, in der Sie stehen, durchaus sehen. Deshalb ist es gut, bei aller eigenen Positionierung immer wieder auch „mit den Ohren des anderen zu hören und mit den Augen des anderen zu sehen“: Wir sehen die Herausforderungen der Minderheitsregierung in Sachsen. Wir sehen Ihre politischen Zwänge. Aber wir erwarten auch:
Sehen Sie uns! Sehen Sie die Lehrkräfte! Sehen Sie ihre grenzwertigen Belastungen und handeln Sie dagegen!
Wir mahnen deshalb: Seien Sie ein verlässlicher Dienstherr, halten Sie, was Sie versprechen und lassen Sie uns nicht am ausgestreckten Arm verhungern – wie mit der versprochenen Entlastung durch den Wegfall der verbalen Einschätzungen!
2. Zielorientierung – Bildung braucht klare Maßstäbe
Zuverlässigkeit allein genügt nicht. Ein Bildungssystem braucht klare, aus unserer Sicht inhaltlich anspruchsvolle Ziele – und es braucht Kontinuität, diese Ziele auch verbindlich zu verfolgen, damit Zielklarheit, Rollenklarheit und Ressourcenklarheit besteht, so wie es auch die Ständige Wissenschaftliche Kommission für die datengestützte Steuerung des Schulwesens anmahnt.
Für uns ist dabei die Förderung der Leistung und Leistungsentwicklung von unseren Schülerinnen und Schülern im Unterricht zentral. Und da blickt – wie gesagt – fast die gesamte reisende Bildungsministerkonferenz nach Kanada, insbesondere auf Alberta – wenngleich man mit nüchternem Blick feststellen muss: Die gymnasialen deutschen Leistungsdaten sind im Vergleich mit Kanada nicht schlechter, sondern besser! Und im innerdeutschen Vergleich zeigt sich immer wieder neu die Leistungsstärke der sächsischen Schülerinnen und Schüler.
Der international-vergleichende nüchterne Blick zeigt: Die deutschen Gymnasiasten stehen besser da als häufig undifferenziert behauptet. In der letzten PISA-Studie erreichten sie in Mathematik durchschnittlich 546 Punkte (Kanada hingegen 497), in den Naturwissenschaften 570 Punkte (Kanada hingegen 515) und im Lesen 556 Punkte (Kanada hingegen 507) – und liegen damit jedes Mal über Kanada und dem Niveau der OECD-Spitzenländer Japan, Korea, Estland. – Einschränkend ist zu diesen Zahlen zu sagen: Ich vergleiche hier die aus PISA vorliegenden Leistungsdaten der Gymnasiasten mit den Leistungsdaten aller Schülerinnen und Schüler aus den anderen Ländern. Es ist aber gleichwohl wichtig, genau hinzuschauen und unterschiedliche Leistungsergebnisse zu berücksichtigen, insbesondere dann, wenn es bildungspolitisch um unterschiedslose Maßnahmen für alle geht, die eben unterschiedslos nicht zielführend sein müssen.
Denn so wie Alberta ein Bundesstaat in Kanada mit guten Schülerleistungsdaten ist, so sind Bayern und Sachsen zwei Bundesländer in Deutschland im IQB-Bildungstrend, die kontinuierlich vorne liegen – auch wenn es, und das kann man nicht leugnen, u.a. coronabedingt, Leistungsrückgänge auch hier gibt, die uns nicht ruhen lassen sollten. Es kommt also schon darauf an, genau und differenziert zu schauen, um Stärken und Schwächen im jeweiligen Land und in der jeweiligen Schulart zu sehen, um allgemeine, aber auch spezifische Maßnahmen abzuleiten und im besten Falle auch die Stärken im jeweiligen Land zu stärken – und dazu gehören mit Sicherheit die sächsischen Lehrkräfte mit ihrer starken Motivation und Leistungsorientierung für ihre Schülerinnen und Schüler!
Die Nutzung von Daten kann dabei ein wertvolles Instrument sein. Dem stimmen wir zu, sie war es auch immer schon, denn prinzipiell ist der Umgang mit Daten für Schulleitungen und Lehrkräfte ja nicht neu. Dazu möchte ich hier an dieser Stelle Professor Olaf Köller, den Co-Chef der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission, zitieren, mit dem, was er 2025 bei der Vorstellung des „Alberta-Konzepts“ „Bessere Bildung 2035″ zur datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklung, ausgerichtet von der Wübben-Stiftung, prominent mit Ministerinnen und Staatssekretären und Wissenschaftlern besetzt, dafür ohne Lehrkräfte, Schulleitungen und Schülerinnen und Schüler, sagte:
Daten können helfen, verursachen aber bei den Betroffenen Stress. – Der Umgang mit diesem Befund ist nicht trivial – für uns nicht, für Sie nicht, Herr Minister, im Verein mit den anderen Bildungsministerinnen und -ministern, die sich entschlossen und gemeinsam wie selten, für die datengestützte Schulentwicklung „committed“ haben, wie man heute sagt. Olaf Köller führte dazu allerdings weiter aus: „Ob Kinder lernen, entscheidet der Unterricht, nicht die Daten. Die Beziehungen unter den Schülerinnen und Schülern und mit der Lehrkraft sind entscheidend. Und deshalb muss man die Professionalität der Lehrkräfte steigern.“ Eine Rückmeldung „on the flight“, wie man heute sagt, sei nötig: Formatives (vorausblickendes) Assessment sei nötig und nicht summatives (zurückblickendes). Und dem schließen wir Philologinnen und Philologen uns voll und ganz an.
Unsere Perspektive ist: Ja, wir Lehrkräfte wollen gerne datengestützt im Unterricht arbeiten, um unsere Schülerinnen und Schüler differenziert, gezielt und in Echtzeit fördern zu können! Wir wollen datengestützte Rückmeldung in Echtzeit im Unterricht haben, um eben gezielt – formativ, wie Olaf Köller es formuliert – und sofort unsere Schülerinnen und Schüler im Unterricht fordern und fördern zu können. Dazu gibt es hervorragende Instrumente, bspw. für den Matheunterricht. Ich nenne „Magma Mathe“, aber es gibt auch vieles andere mehr!
Ja, wir Lehrkräfte wollen auch datengestützt im Unterricht arbeiten, um unsere Schülerinnen und Schüler differenziert, gezielt und in Echtzeit fördern zu können! Und das eben nicht erst retrospektiv am Ende des Schuljahres nach möglicherweise vielen zusätzlichen Konferenzen, um gemeinsam mit der Schulaufsicht und der Schulleitung in Schulentwicklungsprozessen festzustellen, was wir denn für die Schülerinnen und Schüler, die schon im letzten Jahr vor uns gesessen haben, im nächsten Jahr besser machen können.
Bei „Magma Mathe“ ist die Frage nach Ziel-, Rollen- und Ressourcenklarheit auch eindeutig beantwortet: Ziel ist die differenzierte Leistungsförderung der Schülerinnen und Schüler aufgrund datensparsamer Erhebungen im Unterricht. Die Lehrkraft, das ist ihre Rolle, setzt diese im Unterricht ein. Und das Land bzw. die Schule stellt die Ressourcen, indem sie diese (oder ähnliche) Software für die Schulen anschafft.
Bei der angestrebten datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklung, die im Koalitionsvertrag mit einer sog. Schüler-ID verknüpft ist, ist demgegenüber noch etliches unklar: mit oder ohne Schüler-ID oder Bildungs-ID, die mit der Steuer-ID verknüpft werden soll oder nicht? Die Steuerung der datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklung ist im Wesentlichen Aufgabe der Schulaufsicht und der Schulleitungen oder auch immer zugleich der Lehrkräfte bzw. bestimmter Lehrkräfte, vor allem derer, die in den Kernfächern unterrichten? Die Daten-Analysekompetenz und daraus notwendig folgende Bestimmung von lernwirksamen Fördermaßnahmen ist bei allen vorhanden? Und die zusätzlichen Ressourcen für die kontinuierlichen Aushandlungen für eine demgemäß gesteuerte Schul- und Unterrichtsentwicklung sind im System vorhanden und werden den handelnden Akteuren obendrauf gegeben? – Wir müssen den Finger in die schon jetzt sichtbaren Wunden legen – und auch ein bisschen „entzaubern“, durchaus im Interesse der Sache und mit kritischem Blick auf des Kaisers neue Kleider – hier mit einem Zitat aus der Perspektive einer Kollegin, die mir schrieb: „Gekrönt sind Fortbildungen zu datengestützter Schulentwicklung durch das Einfügen möglichst vieler Anglizismen, die kaum jemand versteht, aber bei denen sich nur ganz wenige Mutige trauen, nachzufragen, was der Blödsinn eigentlich heißt, „wenn das Kickoffmeeting zum Dashboard gelauncht wird“.“ (Originalzitat!) – Wobei auch das beste Dashboard, mit immer mehr wesentlichen oder gezielt ausgewählten, gut und übersichtlich zusammengefassten Daten, eben allein weder für die gewünschte systemische Schulleistungsverbesserung ausreicht noch für die passgenaue, verbindliche Förderung von Schülerinnen und Schülern in Echtzeit.
3. Zusammenarbeit – Bildung gelingt nur gemeinsam
Der dritte Punkt ist entscheidend: Bildung gelingt nur gemeinsam.
Ein modernes Bildungssystem funktioniert nicht durch Kaputtsparen. Die Belastung ist hoch – und sie ist belegt: Die Arbeitszeitstudie des Ministeriums zeigt, dass Gymnasiallehrkräfte im Durchschnitt mehr arbeiten als vorgesehen. Es wurde versprochen, diese Ergebnisse abzuwarten. Doch stattdessen wurde die Belastung schon zuvor weiter erhöht, Altersermäßigungen abgesenkt, Entlastungsstunden halbiert, schulbezogene Abminderungen gekürzt, Fachberaterstunden reduziert. Angekündigte Entlastungen wurden nicht umgesetzt. Zurück bleibt Verunsicherung in den Lehrerzimmern. Zusammenarbeit bedeutet auch:
Verlässlichkeit bei politischen Zusagen.
Die Folgen sind deutlich spürbar.
Lehrkräfte kommen erschöpft aus den Korrekturphasen – viele arbeiten am Limit – und das selbst an den Pfingstfeiertagen.
Das bedeutet konkret: Wir wollen wieder zurück zu den K6/K9-Stunden für alle in der Oberstufe unterrichtenden Lehrkräfte. Diese Stunden sind kein Luxus. Sie sind die Voraussetzung für Qualität: für individuelle Förderung, für anspruchsvolle Kursarbeit, für eine sorgfältige Vorbereitung auf das Abitur.
Bei unserem jüngsten Aufschlag zur Veränderung des Beginns der Sommerferien zeigt sich möglicherweise, dass ein sachlich begründeter Vorschlag ggf. vorschnell zurückgewiesen wurde, denn es geht nicht um den Kampf „David gegen Goliath“: Veränderung des Rotationsprinzips zulasten von Bayern und Baden-Württemberg, sondern um eine moderate Konsequenz aus den neu zentral festgelegten schriftlichen Abiturprüfungen, die der Erst-, Zweit- und Drittkorrektur bedürfen, bevor die mündlichen Prüfungen beginnen und eine Woche vor Ferienbeginn die Zeugnisse überreicht werden. Nicht „Kippt das Rotationsprinzip bei der Sommerferienregelung“ ist unser Aufschlag, sondern: „Denkt an die Konsequenzen der neu bundeszentral festgelegten Abiturprüfungsklausur-Termine durch die standardisierten Prüfungen aus dem Abiturprüfungspool! Modifiziert deshalb moderat und fair den frühesten Beginn der Sommerferien im rotierenden System so, dass die angestrebte Vergleichbarkeit nicht durch enger getaktete Korrekturzeiträume für Lehrkräfte und geringe Prüfungsvorbereitungszeiten für die Schülerinnen und Schüler in einigen Ländern dauerhaft konterkariert wird.“ Das ist der Grund für den im System denkenden moderaten Veränderungsvorschlag für den Beginn der Sommerferien, nämlich: „Keiner vor dem ersten Juli-Wochenende!“
Und genau hier liegt vielleicht auch ein entscheidender Punkt:
Zusammenarbeit beginnt auch mit Perspektivwechsel.
Oder anders gesagt:
Auch „mit den Ohren des anderen zu hören, mit den Augen des anderen zu sehen.“
So wie wir die schwierige Situation eines Ministers in einer Minderheitsregierung sehen und ernst nehmen, so erwarten wir umgekehrt auch, dass Sie, Herr Minister, die von den Lehrkräften vorgetragenen Sachanliegen sehen, ihre Belastungen, ihre Verantwortung, ihre tägliche Arbeit, und dass Sie daraus die Konsequenz ziehen, sie nicht weiter zu belasten, sondern sie zu stützen.
Denn nur so entsteht Vertrauen. So entsteht Zusammenarbeit, die hier bedeutet:
- Entscheidungen auf Grundlage von Daten zu treffen,
- Zusagen einzuhalten,
- Vorschläge ernsthaft zu prüfen.
Aber auch:
die Qualität des Abiturs gemeinsam zu sichern. Denn Leistungsstandards dürfen nicht abgesenkt werden – auch nicht von der Bildungsministerkonferenz dadurch, dass Schülerinnen und Schüler bspw. durchgängig durch alle Grundkurse in Mathe oder Deutsch in der gesamten gymnasialen Oberstufe politisch unterstützt „durchfallen“ dürfen, noch durch Bewertungsfestlegungen der Bildungsministerkonferenz dergestalt, dass für die Abiturprüfungsklausuren 45 Prozent Leistung bereits ausreichen, um zu bestehen, und damit 85 Prozent Leistung bereits ausreichen, um ein Sehr gut, konkret 13 Punkte, zu erlangen. Anspruchsvolle Bildungsqualität entsteht eben gerade nicht – wie hier ersichtlich – durch solche abgesenkten Anforderungen auf den Papieren der Bildungsministerkonferenz.

Conrad Clemens, sächsischer Kultusminister,
mit Susanne Lin-Klitzing und Thomas Langer (Foto: Wätzold)
Sehr geehrter Herr Staatsminister,
ja, wir können nach Kanada schauen.
Aber wir sollten vor allem darauf schauen, was unser eigenes Bildungssystem stark macht – und was es jetzt braucht.
Es braucht
Zuverlässigkeit, die Vertrauen schafft,
Zielorientierung, die schulische Leistung stärkt,
und Zusammenarbeit, die Qualität sichert.
Wenn wir diese drei Prinzipien ernst nehmen, dann müssen wir
- die Schulpflicht stärken und den Beamtenstatus erhalten,
- klare Bildungsziele verfolgen – die die Förderung von Schülerinnen und Schülern in Echtzeit ermöglichen und das Abitur stärken,
- und den Lehrkräften endlich wieder die Ressourcen geben, die sie brauchen.
Dann wird auch bei uns gelten:
Wir blicken nicht nur nach Kanada und Alberta, sondern wir schauen auf Deutschland – und hier auf Sachsen – als Beispiel für ein starkes, verlässliches und leistungsorientiertes Bildungssystem.
Herzlichen Dank.“