Neuwahl des Landesvorstands / Bericht vom Philologentag in Bischofswerda
von Thomas Langer
Der Philologentag in Bischofswerda am 6. Juni 2026 stand ganz im Zeichen des Maßnahmenpakets. Seit nunmehr einem Schuljahr werden die sächsischen Lehrkräfte, insbesondere an den Gymnasien, noch stärker als ohnehin schon belastet – und das trotz der eindeutigen Ergebnisse der Arbeitszeituntersuchung. Seit einem Jahr stehen die Qualität der Bildung an sächsischen Gymnasien und nicht zuletzt auch die Anerkennung des sächsischen Abiturs unter Beschuss. Nach Auffassung von Kultusminister Conrad Clemens hat sich alles der Absicherung des Unterrichts in der Fläche unterzuordnen. Lehrkräfte haben zu dienen, und wer auf die Spezifik seiner Schulart pocht, dem wird mangelnde Solidarität vorgeworfen.

DPhV-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing am Sächsischen Philologentag (Foto: Langer)
Deutliche Kritik an dieser Politik des sächsischen Kultusministers äußerte die Bundesvorsitzende des DPhV, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing. Wir drucken ihre Rede deshalb im Anschluss an diesen Beitrag vollständig ab. Bereits in der einführenden Moderation gemeinsam mit Versammlungsleiter Thomas Langer machte Lin-Klitzing deutlich, dass es die Lehrkräfte an den sächsischen Gymnasien sind, die mit ihrem Einsatz und ihrer exzellenten Ausbildung das System am Laufen halten und die Bildungsqualität unter den gegebenen Bedingungen so gut wie möglich sichern.
Kultusminister Conrad Clemens wusste, worauf er sich einließ. Er erschien ohne Begleitung und auch ohne vorbereitete Rede und begegnete den Anwesenden offen und ehrlich. Über eine Stunde stellte er sich in einer vom Landesvorsitzenden Thomas Langer moderierten offenen Diskussionsrunde den Fragen der Teilnehmer. Dabei stand er zeitweise regelrecht im Kreuzfeuer der Kritik, verstand es aber auch, mit dem Gegenwind umzugehen. Gleich zu Beginn, als es um das leidige Thema der verbalen Einschätzungen auf den Schuljahreszeugnissen ging, zeigte er sich selbstkritisch: „Hier sind Sie zu Recht unzufrieden mit mir. Das hätten wir besser hinbekommen sollen.“
Um sein Versprechen aus dem Maßnahmenpaket einzulösen, hätte Clemens das Schulgesetz ändern und dafür um fraktionsübergreifende Unterstützung werben müssen. Ob er dies nicht geschafft oder gar nicht erst versucht hat, blieb unbeantwortet.
Eine zentrale Frage betraf die Senkung der Arbeitsbelastung der Gymnasiallehrkräfte. Clemens verwies auf die erfolgreich in den Haushaltsverhandlungen erreichte Entfristung der Schulassistenten sowie auf die geplante Einstellung von 800 Assistenzkräften. Zugleich musste er jedoch einräumen, dass sich bis zum Auslaufen des Maßnahmenpakets an der Belastung der Lehrkräfte nichts ändern werde. Hin und wieder verwies er darauf, dass Lehrkräfte schließlich viele Ferientage und einen sicheren Arbeitsplatz hätten und laut Arbeitszeitstudie auch nicht alle Lehrkräfte am Limit arbeiteten – die Anwesenden in Bischofswerda selbstverständlich ausgenommen. Diese Aussagen sorgten im Saal für fassungsloses Kopfschütteln.
Eine Hoffnung vermittelte Conrad Clemens den Anwesenden – wenn auch in einem fragwürdigen Zusammenhang. Der prognostizierte demografische Einbruch in den 2030er Jahren werde zu einem Lehrerüberhang in Sachsen führen, der dann neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffne. Jedenfalls wolle er „die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen“. Dieses Versprechen lässt Zweifel aufkommen, plant das Kultusministerium doch im Zuge des prognostizierten Schülerrückgangs bis 2040 den Abbau von 4.600 Lehrerstellen.

Conrad Clemens, sächsischer Kultusminister, mit Susanne Lin-Klitzing und Thomas Langer (Foto: Wätzold)
Clemens wurde aus dem Plenum zeitweise mit Schilderungen unzumutbarer Zustände aus der Schulpraxis und zahlreichen Detailfragen konfrontiert, die ihn sichtbar forderten – insbesondere dann, wenn es um konkrete Regelungen zum Abitur ging. Die anwesenden Philologen kritisierten die fehlende Anrechnung des zusätzlichen Arbeitsaufwands für die Vorbereitung und Durchführung mündlicher Prüfungen, die gestrichenen Stunden für schulbezogene Aufgaben, die umfangreichen Abordnungen sowie die mangelnde finanzielle Wertschätzung von Oberstufen- und Fachberatern. Anschaulich wurde geschildert, welche Mehrbelastungen durch häufige Lehrplanänderungen, eine missglückte Digitalisierung und die zunehmend heterogene Schülerschaft entstehen. Gefordert wurden Planungssicherheit und Verlässlichkeit, insbesondere bei der Organisation der gymnasialen Oberstufe.
Eine Frage aus dem Plenum konnte aus Zeitgründen schließlich nicht mehr gestellt werden. Angesichts der zahlreichen geschilderten Missstände wirkte sie inzwischen beinahe unangemessen: „Welche Maßnahmen haben Sie geplant, damit Sachsen seine Spitzenposition bei Bildungsrankings behält?“
Nach der Mittagspause wurde der Philologentag mit dem internen Teil, der Mitgliederversammlung, fortgesetzt. In seinem Tätigkeitsbericht dankte der PVS-Vorsitzende Thomas Langer allen aktiven Mitgliedern für ihr Engagement, insbesondere dem bisherigen Landesvorstand. Er würdigte die erfolgreiche Arbeit in den Regionen und den Einsatz der Regionalvorstände, mahnte aber zugleich an, künftig noch stärker darum zu werben, insbesondere junge Lehrkräfte für den Verband zu gewinnen und den Mitgliederrückgang aufzuhalten. Die Mitgliederwerbung soll deshalb weiter intensiviert werden. Dabei unterstützt uns unser neuer Partner Swiss Life.
Positiv bewertete Langer die öffentliche Wahrnehmung des Philologenverbands bei seinem Kernthema, der Qualität des sächsischen Abiturs. Bei diesem Thema ist der Verband häufig der erste Ansprechpartner für Medienvertreter. Hier gelten wir als Experten.
Unterstützt wird unsere Arbeit professionell durch den DPhV, seine Bundesvorsitzende und die exzellente Geschäftsstelle in Berlin. Ein besonderes Dankeschön sprach Langer schließlich Katrin Lippmann für ihre engagierte, sorgfältige und stets verlässliche Arbeit in der PVS-Geschäftsstelle aus.
Anschließend wurde der Landesvorstand neu gewählt. Thomas Langer bleibt Landesvorsitzender, Jens Rieth sein Stellvertreter und Franziska Heinert Schatzmeisterin. Das Referat Bildungspolitik wird weiterhin von Hubertus Kaiser geleitet. Für Beamten-, Berufs- und Tarifpolitik sind künftig Niels Döring und Markus Gretzschel zuständig. Markus Gretzschel bleibt außerdem Koordinator für die Personalratsarbeit. Dr. Teresa Eichelmann leitet weiterhin das Referat Frauen. Thomas Fritzsche trat aus Altersgründen nicht erneut an. Neu in den Landesvorstand gewählt wurde Jessica Kanitz. Sie übernimmt das neu geschaffene Referat Lehrerausbildung und Kommunikation. Marius Fritzsche wurde als neuer Vorsitzender der Jungphilologen in den Landesvorstand gewählt. Steffen Pabst gehört dem Gremium weiterhin als gewählter Seniorenbeauftragter an. Qua Amt gehören außerdem die Regionalvorsitzenden von Chemnitz und Leipzig, Cornelia Krauße und Andreas Vogel, dem Landesvorstand an. Komplettiert wird das Gremium durch unsere Ehrenvorsitzende Gudrun Schreiner.
Nach der Wahl diskutierten und beschlossen die anwesenden Philologen die eingereichten Anträge. Sie bilden gewissermaßen die Hausaufgaben des Landesvorstands bis zum nächsten Philologentag in zwei Jahren. So wird sich der Vorstand dafür einsetzen, dass die Verbeamtung der sächsischen Lehrkräfte fortgeführt wird, die Schulsozialarbeit in die SOGYA aufgenommen wird und multiprofessionelle Teams die Lehrkräfte unterstützen. Außerdem setzt sich der PVS für eine einheitliche Kommunikations- und Lernplattform ein, die den derzeitigen Wirrwarr aus Schulportal, LernSax und Co. ersetzt. Ebenso sollen zeitgemäße Regelungen zur Leistungsermittlung in Zeiten künstlicher Intelligenz entwickelt, Konzepte des digitalen Selbstlernens überprüft und die Vielzahl schulischer Wettbewerbe evaluiert werden. Darüber hinaus wird sich der PVS gegen die Erhöhung der Pflichtstundenzahl für Referendare einsetzen und nicht zuletzt dafür kämpfen, dass die nachgewiesenermaßen hohen Mehrbelastungen der Gymnasiallehrkräfte endlich reduziert werden.