• „Willkommenskultur? Ja, aber bitte als gelebte Praxis und nicht als leere Worthülse!“ Der PhV BW setzt sich dafür ein, dass die Zukunftsängste der Referendare ernst genommen werden.
• Konstruktiver Dialog statt reiner Kritik: Der PhV BW erkennt die Bemühungen des Kultusministeriums ausdrücklich an, das Einstellungsverfahren durch moderne, benutzerfreundliche Prozesse zukunftsfähig aufzustellen.
• Fingerspitzengefühl bei Absolventen gefragt: Angesichts immer weniger Gymnasialstellen wirken ministerielle Befragungen zum Bewerbungsverhalten auf junge Lehrkräfte frustrierend; hier braucht es mehr Empathie in der Kommunikation.
• Nachhaltige Qualitätsoffensive: Die demografische Entlastung muss genutzt werden, um über eine 115-prozentige Lehrerversorgung und eine Anpassung des Organisationserlasses die Bildungsqualität spürbar zu stärken.
Der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) begrüßt die dem Kultusministerium anscheinend am Herzen liegende neue „Willkommenskultur“ und wundert sich daher umso mehr. „Warum“, so fragen die Jungen Philologen (JuPhi) im Philologenverband Baden-Württemberg, „bleiben für den gymnasialen Lehrkräftenachwuchs gerade dann die Tore verschlossen?“
„Unsere Referendarinnen und Referendare haben eine langwierige, anspruchsvolle Ausbildung hinter sich und stehen bereit, die hohe Qualität an unseren Gymnasien zu sichern. Das aktuelle, spärliche Stellenangebot ist mehr als enttäuschend für diese motivierten jungen Menschen,“ so Martina Scherer, Landesvorsitzende des PhV BW.
Gleichzeitig betont Scherer, dass der PhV BW die grundsätzlichen Bemühungen des Kultusministeriums ausdrücklich anerkennt und unterstützt: „Wir sehen positiv, dass das Ministerium das Einstellungsverfahren benutzerfreundlicher gestalten möchte und vorausschauend nach den Gründen für Nicht-Bewerbungen forscht. Das ist der richtige, moderne Ansatz. Dass das geplante Nachbarbundesländerverfahren in diesem Jahr an der fehlenden Zustimmung anderer Bundesländer gescheitert ist, zeigt jedoch, dass wir uns auf solche Absprachen nicht verlassen können. Wir müssen im eigenen Land unsere Hausaufgaben machen.“
Ein aktueller Brandbrief von Referendarinnen und Referendaren des Seminars Stuttgart zeigt die Enttäuschung des frisch ausgebildeten Lehrkräftenachwuchses. Zusammenfassend kann man festhalten: „Die Junglehrer sind gekommen, um weggeschickt zu werden,“ so die Jungen Philologen.
Für eine nachhaltig positive Wende bei der Einstellung der Referendare gäbe es klare Hebel:
Der PhV BW fordert seit langem eine Lehrerversorgung von 115 %. Nach Überzeugung des Verbands sollten die Schulleitungen die freien zusätzlichen Stellen künftig eigenverantwortlich für sinnvolle Maßnahmen (etwa für Arbeitsgemeinschaften, Fördermaßnahmen oder Klassenteilungen) einsetzen können. Hierfür wäre eine Änderung des Organisationserlasses dringend geboten und ein wichtiges und richtiges Zeichen für die Zukunft der Bildung. Die Schulleitungen müssen die Möglichkeit bekommen, die gute Lehrkräfteversorgung für die Bildung kleinerer Klassen, Förderangebote, AG, Anrechnung für außerschulische Aufgaben usw. zu nutzen. Das könnte die Einstellungsmöglichkeiten verbessern. Dafür müssen aber auch die Schulverwaltungsprogramme ASV und UPM entsprechend weiterentwickelt werden. Diese Möglichkeiten sind zurzeit sehr beschränkt, weshalb Lehrkräfte sogar teilweise genötigt werden, Unterstunden zu akzeptieren.
Die Stellenangebote sind mehr als spärlich und die vom Land erwünschte Umsattelung der Referendare auf eigentlich profilfremde Schularten, wie z. B. Gemeinschaftsschulen oder Realschulen, sind für die meisten wenig verlockende Angebote.
„Was die Referendarinnen und Referendare bei den Stellenausschreibungen sang- und klanglos schlucken sollen, ist eine herbe Enttäuschung“, erklärt der stellvertretende JuPhi-Landesvorsitzende Maximilian Röhricht. „Nach den nicht enden wollenden Debatten über den Lehrkräftemangel der vergangenen Jahre werden nun die ambitionierten und hervorragend ausgebildeten Gymnasiallehrkräfte erneut mit einem unzureichenden Stellenangebot und falschen Versprechungen vor den Kopf gestoßen. Die Folge ist eine Mischung aus Existenzängsten und völliger Frustration. Soll so etwa ein gelungener Start in den neuen Beruf aussehen?“