Fachliche Qualität als Garant eines erfolgreichen Gymnasiums

    DPhV traf sich zum „Runden Tisch“ mit den Fachverbänden in Erfurt

    Der intensive Austausch mit den Fachverbänden ist ein unentbehrlicher Bestandteil der Verbandsarbeit im DPhV. Denn die fachliche Qualität des Unterrichts ist eine entscheidende Voraussetzung für gymnasiale Bildungsarbeit und deren wichtige Säulen vertiefte Allgemeinbildung und Studierfähigkeit. Deshalb versteht es sich fast von selbst, dass der Bundesvorstand regelmäßig das Gespräch mit den Spitzen der Fachverbände sucht.

    Eine konkrete Leitfrage stand diesmal in Erfurt im Zentrum des fundierten Meinungsaustauschs:

    „Wie bewerten Sie den aktuellen Stand der Demokratiebildung in der Lehrkräftebildung – welche Desiderate sehen Sie, die wir ausgehend von diesem Runden Tisch ‚bearbeiten‘ können und sollten? Was bewerten Sie positiv, was wir auch als solches herausstellen sollten?“

    Nach der Begrüßung, der inhaltlichen Schwerpunktsetzung und Anmoderation durch die DPhV-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing zeichnete sich frühzeitig ein Konsens ab, der sich so zusammenfassen lässt:

    → Demokratiebildung braucht mehr als Appelle zu „Haltung“. Sie braucht Fachlichkeit, wissenschaftliche Orientierung und die verbindliche Verankerung des Grundgesetzes in der ersten Phase der Lehrkräftebildung. Der reflektierte Umgang mit Fakten, Quellen, Kontroversität und wissenschaftlichen Verfahren stärkt demokratische Resilienz – in allen Fächern.

    → Eine weitere Kürzung der zweiten Phase der Lehrerausbildung ist unbedingt zu vermeiden. Vielmehr ist diese Phase zu stärken, wobei den aktuellen Defiziten Rechnung zu tragen ist.

    Susanne Lin-Klitzing betonte, dass der DPhV das Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission begrüße und dessen Forderung nach gut ausgebildeten Lehrkräften ebenso unterstreiche wie die Forderung nach geeigneten Fortbildungen.

    Die DPhV-Vorsitzende erneuerte ihre Forderung nach einer verfassungsgebundenen Grundbildung schon in der ersten Phase der Lehrerbildung.

    Im Einzelnen setzten die anwesenden Vertreter der Fachorganisationen die folgenden Schwerpunkte:

    Peter Arnold stellte für die Deutsche Gesellschaft für Informatik heraus, dass dieses Fach Grundlagen und Transparenz in der digitalen Welt vermittle und dadurch zur Demokratiebildung beitrage.

    Prof. Dr. Ruth Bieringer zeigte sich als Präsidentin der Gesellschaft Deutscher Chemiker besorgt über den Rückgang der Zahl der Chemie-Leistungskurse. Auch daran könne man die Gefahr sehen, dass naturwissenschaftliches Denken abhandenkomme.

    Clemens Höxter vom Fachverband für Kunstpädagogik, Hannover, stellte einen interessanten Ansatz seines Faches heraus, wenn er betonte, dass die Mehrdeutigkeit von Kunstwerken als ein demokratischer Vorgang gesehen werden könne.

    Irina Lahr von der Vereinigung der Französischlehrkräfte in Thüringen sprach sich gegen die Beliebigkeit der Lehrplaninhalte ihres Faches aus und forderte eine Stärkung der echten französischen Literatur über Lehrbuchtexte hinaus.

    Nico Lamprecht vertritt die Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands. Er zeigte sich in hohem Maße besorgt über die Zunahme des Extremismus in Deutschland. Auch deshalb plädiert er für die Demokratieerziehung als Querschnittsaufgabe. Lamprecht tritt entschieden dafür ein, Orte der Demokratie zu besuchen.

    Prof. Dr. Jürgen Oberschmidt sprach sich als Präsident des Bundesverbandes Musikunterricht für Mehrdeutigkeit in Interpretationen musikalischer Werke aus.

    Martin Pfeifenberger leitet die AG Evangelische Erziehung in Deutschland und sieht ein Nebeneinander von Religionsunterricht und Demokratiebildung. Konkret erwähnte er Fortbildungen zur Arbeit und zum Auftreten von Influencern.

    Prof. Dr. Erich Runge von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft hob die Vorbildwirkung von Persönlichkeiten wie Unternehmern hervor. Der Umgang mit Fakten müsse zielgerichtet trainiert werden. Die Künstliche Intelligenz sei zwar einerseits fortschrittlich, stelle aber andererseits auch eine Gefahr für die Demokratie dar.

    Marco Schepers ist Bundesvorsitzender des Fachverbandes Philosophie und Lehrer an einem Gymnasium in Mainz. Er betonte eine starke Stellung und eine besondere Verantwortung der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer und damit auch seines Faches Philosophie bei der Vermittlung demokratischer Werte.

    Monika Schneider vertritt die katholischen Religionslehrerinnen und -lehrer an Gymnasien. Sie sieht einen Rückgang des politischen Engagements von Schülerinnen und Schülern. Sie sprach sich für Übungsräume aus, in denen Konflikte moderiert werden müssen.

    Dr. Katja Sommer erwähnte als Vorsitzende des Altphilologenverbandes die historisch interessante Möglichkeit, die Stabilität von Verfassungen in antiken Texten zu diskutieren.

    Aus der Begegnung des Deutschen Philologenverbandes mit den Fachverbänden erwuchs der gemeinsame Entschluss, zur nächsten Bildungsministerkonferenz eine entsprechende gemeinsame Presseerklärung abzugeben.

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