Die smartphonefreie Klassengemeinschaft

    Tobias Windbrake stellt Elterninitiative vor

    von Walter Tetzloff

    In der Mai-Ausgabe von „Profil“ stellten wir Ihnen das Buch von Jakob Weizman vor. In seiner Schrift hob er vor allem das Suchtpotential eines unreflektierten, unkontrollierten und maßlosen Gebrauchs von Smartphones hervor. Der einprägsame Titel „Smartphone aus – Leben an“ korrespondiert mit einem klugen Vorschlag, den wir diesmal zur Diskussion stellen.

    Der Hamburger Vater von zwei Töchtern, Tobias Windbrake, engagiert sich im Vorstand einer Elterninitiative, der sich bereits mehr als 20.000 Eltern an über 2.000 Schulen angeschlossen haben. Der Ansatz der Initiative ist ein pädagogischer: „Unsere Vision ist, dass unsere Kinder unbeschwert, aktiv und selbstbestimmt aufwachsen können.“ Und das ohne eigenes Smartphone!

    Windbrake und seine Initiative wollen aufklären, vernetzen und schützen, aber nicht belehren. Das Smartphone ist für sie kein Teufelszeug, wohl aber bringt es Nachteile mit sich, die insbesondere Kinder unter vierzehn Jahren gefährden. Diese Gefährdungen beziehen sich auf Ablenkungen im Unterricht, auf riskante Challenges, auf jugendgefährdende Inhalte, um nur einige der bekannten Nachteile zu nennen. Ein zusätzlicher Aspekt, der Pädagogen nicht gleichgültig sein dürfte: Auch wenn Eltern ihren Kindern noch kein eigenes Smartphone überlassen, können sie zum Opfer werden, beispielsweise durch Mobbing im Klassenchat. Außerdem besteht die Gefahr, dass diese Kinder zu Außenseitern werden, weil sie als Minderheit innerhalb der Klasse noch kein Smartphone besitzen.

    Diesen Gefahren wollen Tobias Windbrake und seine Initiative mit ihrem Konzept der „Smartphonefreien Klassengemeinschaft“ begegnen. Die Idee: Eine Klasse an einer weiterführenden Schule wird so zusammengestellt, dass Schülerinnen und Schüler freiwillig mindestens für ein Jahr, besser für zwei Jahre, auf den Besitz eines eigenen Smartphones verzichten. Bei der Anmeldung zur weiterführenden Schule können die Eltern angeben, ob Interesse an diesem Profil besteht – vergleichbar mit Sport- oder Musikklassen. Eine freiwillige Selbstverpflichtung durch Unterschrift der Eltern ist dann die Voraussetzung.

    Unrealistisch oder gar utopisch? Tobias Windbrake hat gute Argumente, dem zu widersprechen: „Das Smartphone ist die Zigarette des 21. Jahrhunderts.“ Rauchverbote am Arbeitsplatz oder generell im öffentlichen Raum sind heute Realität und werden kaum noch in Frage gestellt, anders als vor etwa zwanzig Jahren. Überhaupt ist Windbrake nicht um einprägsame Bilder verlegen, wenn er seine Initiative propagiert. „Im Internet gibt es kein Nichtschwimmerbecken: Mit dem Smartphone haben Kinder häufig den unbegrenzten und ungeschützten Zugriff auf die Welt der Erwachsenen.“ Er ergänzt: „Der beste Start in eine digitale Welt ist eine analoge Kindheit.“

    Dabei nehmen sich die Vorschläge der Initiative noch moderat aus angesichts von Forderungen der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina: „Wir empfehlen, die Nutzung von Smartphones in Kitas und Schulen bis einschließlich Klasse 10 zu untersagen.“

    Und so formuliert Tobias Windbrake sein Anliegen an die weiterführenden Schulen denn auch durchaus bescheiden in drei Wünschen:

    1. möglichst ablenkungsfreie Lernumgebungen durch Handygaragen oder verschließbare Handytaschen, da Regeln zur Handynutzung allein nicht ausreichend sind;
    2. das Anbieten von smartphonefreien Klassengemeinschaften;
    3. Vermittlung von Medienkompetenz, insbesondere auch im Hinblick auf die Online-Gefahren.

    Mit einem Augenzwinkern beendet der Hamburger Familienvater sein Plädoyer:

    „Schade, dass wir unserem Kind nicht schon früher ein Smartphone gegeben haben … hat kein Elternteil je gesagt!“

     

    Weitere Informationen erhalten Sie unter smarterstartab14.de

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