bpv-Vorsitzender Michael Schwägerl ordnet die Ergebnisse des ersten Abiturs im neuen G9 ein: „Ein Jahr mehr Lernzeit und damit auch ein Jahr mehr Reife zeigen Wirkung: Der erste Abiturjahrgang im neuen G9 hat die Möglichkeiten der neuen Oberstufe genutzt und zeigt sich auch den stärker kompetenzorientierten Prüfungsaufgaben klar gewachsen.
Wir gratulieren zum guten Ergebnis! Gleichzeitig ist es für eine abschließende Bewertung des neuen Abiturs nach dem ersten Durchgang noch zu früh. Erst die Erfahrungen der kommenden Jahre und die Einschätzungen von Hochschulen, Universitäten und Unternehmen werden ein umfassendes Gesamtbild ermöglichen.
In den nächsten Monaten und Jahren gilt es, genauer zu analysieren, inwieweit die mit der Reform verfolgten Ziele – wie etwa die Stärkung des MINT-Bereiches und der politischen Bildung – tatsächlich erreicht wurden und an welchen Stellen gegebenenfalls nachjustiert werden muss. Man darf nicht vergessen, dass die Konzeption der neuen Oberstufe vor rund acht Jahren entstanden ist – also noch vor der Corona-Pandemie, den vielfältigen gesellschaftlichen Krisen der vergangenen Jahre und der rasanten Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. Zudem ist der verbesserte Abiturschnitt und die damit einhergehende zunehmende Zahl an Abiturienten mit 1,0 für die Absolventinnen und Absolventen zwar erfreulich, wirft aber zugleich verstärkt die Frage auf, wie sehr herausragende Leistungen künftig noch voneinander differenziert werden können. Daher gilt auch hier: Der bpv wird die Weiterentwicklung mit der gymnasialen Schulfamilie gemeinsam kritisch und konstruktiv begleiten und gestalten.
Dabei hat die Abiturnote zweifellos eine hohe Bedeutung, darf jedoch nicht als alleiniges Ziel gymnasialer Bildung verstanden werden. Der Bildungs- und Erziehungsauftrag von Gymnasien und Beruflichen Oberschulen geht weit darüber hinaus, stellt den Menschen in den Mittelpunkt und zielt neben der Hochschulreife auch auf dessen gesellschaftliche Reife. Abiturientinnen und Abiturienten, die auf der Grundlage unserer gemeinsamen Werte fähig und bereit sind, sich einzubringen und Verantwortung im Miteinander zu übernehmen, sind für die Zukunft unseres Landes unerlässlich!“
Der Bayerische Philologenverband (bpv) ist die Vertretung der Lehrkräfte an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen in Bayern. Mit seiner leidenschaftlichen Arbeit setzt sich der bpv seit seiner Gründung im Jahr 1863 kontinuierlich für gute Arbeits- und Rahmenbedingungen der Lehrkräfte ein und fördert den Bildungsauftrag der Schularten. Der bpv ist die starke Stimme seiner Mitglieder und ein unverzichtbarer Partner in der bayerischen Bildungspolitik.