Leben und Älterwerden in Maine

    Elizabeth Strouts Roman „Erzähl mir alles“ zieht die Leserschaft nach Neuengland

    Eine Buchrezension von Walter Tetzloff

    Die Sommerferien rücken näher. Und Sie wollen loskommen von (ihrer) Schule, der Bildungspolitik und dem unerfreulichen Weltgeschehen? Das ist mehr als verständlich, und deshalb empfehlen wir Ihnen diesmal in unserer Sommerausgabe auch einen Roman, der diesen Wünschen entgegenkommen kann, ohne dass seine Lektüre gleich als Eskapismus gesehen werden muss …

    Elizabeth Strout ist eine der herausragenden Erzählerinnen der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Ihre Authentizität gründet sich auf ihre Biographie. Die Schriftstellerin wurde 1956 im amerikanischen Bundesstaat Maine geboren, diesem eigenwillig schönen atlantiknahen und gleichzeitig waldreichen Staat in der nordöstlichen Ecke der USA. Und von dort ist Elizabeth Strout eigentlich auch gar nicht wegzudenken. Ihre erzählerischen Werke bezeugen eine kluge Beobachtungsgabe, die in der Personenzeichnung ihres epischen Personals meisterhaft zum Ausdruck kommt.
    Kurz: Die Handlung dieses Romans spielt in der Provinz, aber provinziell ist sie deshalb noch keineswegs. Die Figuren haben Situationen zu bewältigen, die mit Freundschaft und Liebe, Leid und Trauer zu tun haben, wobei ihren Gesprächen viel Raum zugebilligt wird und wobei Leserinnen und Leser nie aus dem Lokalkolorit entlassen werden und ihnen das Kleinstadtmilieu Maines nicht spießig, wohl aber immer vertrauter vorkommt. Und dies liegt zweifellos an der Erzählkunst Strouts, die selbst dann wahrhaftig und eindringlich schreibt, wenn – was selten vorkommt – auch Alltagsbanalitäten zur Sprache kommen.

    Den Gang der Romanhandlung wiederzugeben oder auch nur zu skizzieren, ist eine fast unlösbare Aufgabe, denn hier fließen Handlungsstränge zusammen, überlappen sich, ohne dass Leserinnen und Leser den Faden verlieren. Eine von Sympathie durchsetzte Identifikation mit der weiblichen Hauptfigur ist während der Lektüre wahrscheinlich, aber nicht zwingend.

    In jedem Falle dürfte sich der Eindruck festsetzen, dass – wie so häufig in der amerikanischen Prosa – literarische Qualität und Lesefreude (vielleicht Lesegenuss) eine Einheit bilden.

    Wenn es Sie (aus verschiedenen Gründen) derzeit nicht in die USA zieht, dann kommen Sie wenigstens mit nach Maine! Es könnte sich lohnen …

     

    Verlosung

    Das Buch von Elizabeth Strout „Erzähl mir alles“ ist 2026 in München im Luchterhand Literaturverlag erschienen.
    PROFIL verlost drei Exemplare. Zum Gewinnformular gelangen Sie unter www.dphv.de/verlosung.

    Bitte tragen Sie Ihre Daten und das Stichwort „Erzähl mir“ ein!
    Teilnahmeschluss ist der 10. Juli 2026. Viel Glück!

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