Erste Tagung mit neuem Vorstand in Magdeburg

    von Quirin Borchert und Maximilian Röhricht

    Vor dem Magdeburger Dom, Quelle: AG Junge Philologen

    Vom 5. bis zum 7. März 2026 fand die erste Bundessitzung der Jungen Philologen unter dem neuen Vorstand in Magdeburg statt. Den inhaltlichen Auftakt der Tagung machte der Landesvorsitzende des PhV Sachsen-Anhalt, Thomas Gaube, der traditionsgemäß mit dem Länderbericht des gastgebenden Bundeslandes begann und einen interessanten und vielseitigen Einblick in die wichtigsten Bildungsthemen vor Ort bot. Anschließend kam mit der Neurowissenschaftlerin Nine Kompier (M.Sc.), Projektkoordinatorin der Forschungsgruppe Soziale Neurowissenschaften (Max-Planck-Gesellschaft), die erste Referentin, um Edu:Social School vorzustellen. In diesem Programm geht es darum, die Lehrkräfte in ihrem Berufsalltag zu stärken. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Arbeit an der inneren Resilienz, an sozialen Kompetenzen und am Wohlbefinden; dies wird über Online-Übungen und Coaching erreicht. Um die Methoden wissenschaftlich noch genauer zu untersuchen, werden auch noch weitere Studienteilnehmer gesucht. Wer sich genauer informieren möchte, kann dies hier tun: https://www.edusocial-project.de/school/

    Am Abend wurde dann ein neues Format ausprobiert und ein sogenannter Länderabend eingeführt, bei dem Mitglieder und Interessierte aus dem Gastgeberland für ein gegenseitiges Kennenlernen zum Abendessen eingeladen werden.

    Der Vorstand der Jungen Philologen mit Sachsen-Anhalts Staatssekretär Jürgen Böhm, Quelle: AG Junge Philologen

    Die Idee dahinter liegt darin, dass es für viele Landesverbände schwierig ist, junge Lehrkräfte von der Arbeit im Verband zu begeistern. Da bekanntermaßen Gleichaltrige einen leichteren Zugang haben, soll mit diesem Format die Anwesenheit der JuPhis im jeweiligen Landesverband genutzt werden. Die JuPhis ziehen sich sozusagen den eigenen Nachwuchs für die kommenden Tagungen heran. Dabei konnte dieser erste Abend als voller Erfolg gewertet werden, da sogar zwei neue Mitglieder für den Landesverband Sachsen-Anhalt gewonnen werden konnten. Möglich war dies auch durch die Unterstützung von Staatssekretär Jürgen Böhm, der sich zu den Tagen den gesellte und sich als ehemaliger Lehrer, Lehrervertreter und Schulleiter als sehr nahbar und offen für die Themen der JuPhis zeigte.

    Am zweiten Tag der Arbeitssitzung stand mit dem Austausch mit Bildungsminister Jan Riedel (CDU) ein weiterer Höhepunkt an. Dieser hieß zunächst alle Teilnehmer nochmals herzlich in Magdeburg willkommen und legte in seinen Ausführungen einen Schwerpunkt auf die Frage, was ein besonders gutes Bildungssystem eigentlich ausmache. Eine erste Antwort darauf ist laut Riedel Kontinuität. Vor diesem Hintergrund betonte er vor allem die Demokratieerziehung als ein besonders wichtiges Thema. Diese Erziehung dürfe aber nicht als theoretische Idee verstanden werden, sondern müsse über ein gelebtes Miteinander und direkte Partizipation als Praxis in der Schule vermittelt werden. Auch müsse ein gewisses „Mindset des Gelingens“ um sich greifen. Nicht ein „Wie-werden-wir-die-los?“, sondern ein „Wie-können-wir-die-optimal-fördern?“ soll die Triebfeder des pädagogischen Handelns sein. Hilfsstrukturen sollten flächendeckend im Gymnasium Einzug halten – des Weiteren müssten auch die Sekundarschulen als echte Alternative gestärkt werden. Riedel forderte, dass diese eben keine Verwahranstalten sein dürfen, sondern richtig begleiten und fördern müssen. Man könne nicht die Augen davor verschließen, dass man viele Empfindlichkeiten im System habe: Alle sehen das eigene Kind immer und ausschließlich am Gymnasium. Die Kinder der anderen dürfen indes gerne an andere Schulen gehen. Das Gymnasium müsse darauf reagieren und sich an die Realitäten anpassen – allein über Selektion gehe das nicht – die individuelle Förderung der Kinder müsse im Vordergrund stehen. Die Frage, die sich den Teilnehmern aus JuPhi-Reihen stellte, war, ob das Gymnasium, welches nicht zuletzt der höheren Bildung dienen soll, nicht mit der Integration von „fast allen“, wie es der Minister andeutet, überfordert ist. Droht nicht das Gymnasium so am eigenen Erfolg zu scheitern? Man kann, so war man sich intern einig, nicht alle zum Abitur führen, selbst wenn man Tag und Nacht fördern würde.

    Am späteren Nachmittag schloss eine gelungene und betont humoristische Stadtführung das Tagesprogramm ab.

    Kurz vor der Heimfahrt am Samstag stellte Mitbegründer Dario Nassal im zweiten und abschließenden Fortbildungs-Slot die App Buzzard (https://www.buzzard.org/app) vor. Dabei handelt es sich um eine Nachrichten-App, die tagesaktuelle politische Themen in einem breiten Diskursrahmen darstellt. So hilft sie dabei, Filterblasen zu vermeiden und die Diskurs- sowie Urteilsfähigkeit zu fördern – beides unabdingbare Voraussetzungen für eine dringend nötige Stärkung der Meinungsfreiheit im Allgemeinen.

    Magdeburg bot den perfekten Rahmen für einen intensiven Austausch zwischen Politik und Praxis, der einmal mehr verdeutlicht hat: Nur durch einen offenen Diskurs und gemeinsames Handeln lässt sich die Zukunft des Gymnasiums erfolgreich gestalten.

    Historische Stadtführung durch magdeburg, Quelle: AG Junge Philologen

    Neben diesen vielen großen Programmpunkten gab es auch immer wieder Zeit für Länderberichte, die in die Tagung eingebettet waren. Dabei waren die wichtigsten und (leider) häufig auch wiederkehrenden Themen:

    • A13 für alle Lehrer heißt häufig: A14 für niemanden mehr!
    • Die Belastung für Lehrkräfte nimmt in allen Bundesländern zu – ein Ausgleich ist nicht in Sicht.
    • Bildung kostet Geld, und die Zuständigen agieren nach dem Motto „Streich – Strich – gestrichen!“, sprich: Es gibt kein Problem, sei es auch noch so komplex, auf das die Antwort nicht der Rotstift ist.
    • Lichtblicke gab es aus Mecklenburg-Vorpommern: Dort soll es bald so sein, dass eine 5 im Hauptfach automatisch zur Nichtversetzung führt. Vielleicht eine erste, wenn auch zarte Rückbesinnung auf den Leistungsgedanken? Die Zeit wird es zeigen.

    Die nächste Tagung der Jungen Philologen wird vom 17. bis 19. September 2026 in Schwerin stattfinden.

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