Pädagogische Freiheit – die unverzichtbare Grundlage für schulische Bildung

    Bericht von der Frühjahrstagung des Bildungspolitischen Ausschusses des DPhV

    Marcus Hahn Pressefoto Vorstand 2025

    Dr. Marcus Hahn,
    Vorsitzender des BPA (Foto: Amin Akhtar)

    von Dr. Marcus Hahn

    Der Bildungspolitische Ausschuss des DPhV kam am 27./28. Februar 2026 zu seiner ersten Tagung nach der Vertreterversammlung in Fulda zusammen. Ein großes Thema war die Entwicklung der Oberstufen und des Abiturs in den Ländern. Der Austausch darüber zeigte, dass die Positionierung des DPhV in zentralen Fragen die jeweilige Entwicklung auch in den Ländern in eine gute Richtung bewegt hat. Auch die Philologenverbände in den Ländern konnten im Zuge der laufenden Reformvorhaben eine Reihe von guten Entscheidungen bewirken.

    Im Zentrum der Beratungen stand aber die Pädagogische Freiheit. Der BPA sieht die Pädagogische Freiheit als unverzichtbare Grundlage schulischer Bildung an, die allerdings aktuell von verschiedenen Seiten immer häufiger unter Druck gerät.

    Diese Entwicklung fand in den Diskussionen der Vertreterinnen und Vertreter der Philologenverbände scharfe Kritik. Ganz besonders die Nebenwirkungen der Digitalisierung in diesem Bereich wurden deutlich: Schon bei der Auswahl von Medien ist die hohe Verantwortung, die den Lehrkräften für den Bildungserfolg ihrer Schülerinnen und Schüler zukommt, in vielen Fällen nicht mehr sachgerecht ausübbar. Zu oft dominieren die – nicht selten von Interessen Dritter gesteuerten – Vorgaben für die Auswahl und Bereitstellung von Medien schon jetzt den Alltag.

    Auch die Übergriffigkeit Dritter gegenüber dem besonders schützenswerten Freiraum, den der Unterricht darstellen soll, wurde klar angesprochen: Durch die verschiedensten Einfallstore sitzen „unsichtbare Dritte“ in den Klassenräumen: Sei es durch die Protokollierung von Lernaktivitäten durch Medienanbieter, durch die Kontrolle durch schuleigene EDV oder auch schlichtweg durch die omnipräsenten „sozialen“ Medien. Auf diese Weise wird Unterricht zunehmend gläsern und ist dadurch sachfremder Einflussnahme ausgesetzt.

    Das erscheint dem BPA gerade heute als besonderes Problem, weil der Unterricht in der Lebenswelt vieler Schülerinnen und Schüler der letzte Rückzugsraum ist, in dem sie sich selbst in ihrem Lernen und in ihren sozialen Beziehungen unbeobachtet und frei fühlen können.

    Diese Anfechtungen der Pädagogischen Freiheit wirken sich auch schleichend auf den Bildungsbegriff aus. Unterricht muss ein Freiraum sein, in dem sich Schülerinnen und Schüler unbesorgt Fehler leisten können, in dem sie ihre Stärken erkunden und ihre Interessen entwickeln können. Unterricht dagegen, der zunehmend auf das Funktionieren im Sinne von korrekter Anwendung vorgegebener technischer Systeme hinausläuft, und der allgegenwärtig (womöglich sogar automatisiert) „Rückmeldungen“ über Schüleraktivitäten verankert – ist kein Unterricht.

    Insofern ist unserer Vorsitzenden, Susanne Lin-Klitzing nur zuzustimmen: Die Frage nach der Zukunft der Pädagogischen Freiheit ist nicht weniger als eine Grundsatzfrage der Zukunft schulischer Bildung.

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