Gleichheit ist noch keine Gerechtigkeit

    Mathias Brodkorb und Klaus Zierer gegen die „Tyrannei der Gleichheit“

    Eine Buchrezension
    von Walter Tetzloff

    Foto: MSB

    Dieses Buch provoziert, aber es fasziniert auch. Wir alle kennen die politischen Forderungen nach gleichen Chancen, gleichen Gegebenheiten in den Bildungseinrichtungen und nach Gleichheit im gesellschaftlichen Umfeld. Gleichheit als Endziel aller politischen Bemühungen. Gebetsmühlenartig wird sie postuliert, und nicht selten wird das Grundgesetz als Legitimation dieser Forderungen herangezogen.

    Schluss damit! Das fordern jetzt zwei namhafte Persönlichkeiten aus der deutschen Bildungslandschaft, nämlich Mathias Brodkorb (Schwerin) und Klaus Zierer (Augsburg). Während der Erstgenannte reichlich Erfahrungen mit der politischen Legislative und Exekutive, in diesem Fall in Mecklenburg-Vorpommern, sammelte und nun aber die publizistische Arbeit vorzieht, ist Professor Klaus Zierer ein international renommierter Wissenschaftler, der die Erziehungswissenschaftler mit seinen Veröffentlichungen bereichert hat. Beide Autoren sind streitbar und diskussionsfreudig, und beide verstehen es, ihr Anliegen fundiert und gleichzeitig verständlich zu vermitteln.

    Und dieses Anliegen ist die geforderte saubere Trennung von Gleichheit und Gerechtigkeit. Es ist eben nicht gewährleistet, dass die gleichen Bedingungen in der Schule oder eine einheitliche Schulstruktur den einzelnen Schülerinnen und Schülern auch gleichzeitig gerechtere Bildungs- und Entfaltungsmöglichkeiten gewährleisten.

    Dies ist – unterlegt mit zahlreichen einleuchtenden Beispielen – das Hauptthema des handlichen Buches, in dem unterschiedliche Neigungen und Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen auch unterschiedliche Förderung verlangen. Gleiches gilt für die Voraussetzungen in den Elternhäusern, womit nicht allein migrationsbedingte Sprachbarrieren gemeint sind.

    Beide Autoren plädieren überdies für eine entschiedene Rückkehr zum Leistungsbegriff. Leistung einzufordern, sei nicht allein eine gesellschaftliche Notwendigkeit im Sinne einer funktionierenden Volkswirtschaft, Leistung einzufordern, sei auch ein pädagogisch-ethisches Postulat, geboren aus der Überzeugung, dass jeder junge Mensch diese auf einem bestimmten Feld erbringen kann, aber deswegen keinesfalls jeder denselben schulischen Bildungsgang durchlaufen oder denselben Abschluss erwerben müsse.

    Nicht alle Erkenntnisse Brodkorbs und Zierers sind neu, aber alle Beispiele und alle folgerichtigen Forderungen sind lesenswert und diskussionswürdig. Eine durchweg empfehlenswerte Lektüre!

    Verlosung

    Das Buch von Mathias Brodkorb und Klaus Zierer „Tyrannei der Gleichheit« ist 2026 in Berlin im MSB Verlag erschienen.
    PROFIL verlost drei Exemplare. Zum Gewinnformular gelangen Sie unter www.dphv.de/verlosung.

    Bitte tragen Sie Ihre Daten und das Stichwort „Gleichheit“ ein!
    Teilnahmeschluss ist der 11. Mai 2026. Viel Glück!

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