
Rolf Knieling, DPhV-Beauftragter für Auslandsschulen (Quelle: Langer)
Als ich im Mai 2006 erstmals als Prüfungsbeauftragter der Kultusministerkonferenz (KMK) die Schulen der Region Mexiko, Ecuador, Kolumbien und Venezuela anlässlich der Abiturprüfungen besuchte, traf ich den ersten Vorsitzenden des 2003 gegründeten Weltverbands Deutscher Auslandsschulen (WDA), Jorge Pulido, in Mexiko-Stadt. Er war damals zudem der Vorsitzende der Deutschen Schule Alexander von Humboldt mit Standorten in Lomas Verdes im Nordwesten und Xochimilco im Süden des historischen Zentrums. Die ursprüngliche Schule in Innenstadtlage war aufgegeben worden, um ihrer Klientel mit neuen Standorten in der Megalopolis entgegenzukommen. Der Standort West in Herradura war im Aufbau. Im Dezember 2025 veranstaltete der WDA seine Amerika-Tagung an der Deutschen Schule Alexander von Humboldt Mexiko-Stadt.
Zunächst unter Beteiligung der Vorstände von sechzehn Deutschen Auslandsschulen (DAS) gegründet hat der WDA aktuell 157 Mitglieder und repräsentiert dabei 87 Prozent der 137 anerkannten DAS. Das derzeitige Motto „GEMEINSAM ZUKUNFT TRAGEN“ des WDA steht für einen weltweiten Verband, welcher mit seinen Veranstaltungen Plattformen für Vernetzung und Weiterentwicklung schafft. So organisiert der Verband beispielsweise die jährliche WDA-Tagung in Berlin mit Mitgliederversammlung & politischem Symposium, regionale WDA-Foren der Mitgliedsschulen in Amerika, Europa, Afrika und Asien, das WDA-Management Forum als Fortbildungsveranstaltung für das gemeinnützige Management von DAS im Rahmen der Didacta oder alle vier Jahre den Weltkongress Deutscher Auslandsschulen.
Der Verband mit seiner Geschäftsstelle in Berlin vertritt die Interessen der DAS und setzt sich für die Finanzierung, die Sicherung des hohen Niveaus und die langfristige Entwicklung der Schulen ein. Die DAS sind herausragende Akteure der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik (AKBP), kämpfen aber mit steigenden Kosten und Herausforderungen. Als Stimme der freien Schulträger der DAS arbeitet der WDA mit Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um stabile Rahmenbedingungen für die DAS zu sichern.
Der Deutsche Philologenverband bringt sich aktiv in diesen Dialog ein. Dies geschieht auch im Rahmen der Allianz, ein vom WDA ins Leben gerufenes Netzwerk aus Lehrerverbänden und Vertretergremien der DAS. Die Allianz wurde im Februar 2023 gegründet, nachdem erhebliche Kürzungen durch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen bekannt wurden. Seitdem finden regelmäßige Treffen statt, um Herausforderungen zu diskutieren und gemeinsame Strategien zu entwickeln. Im Juni 2023 entstand die Stellungnahme der Allianz, gefolgt von der Athener Erklärung im Juli. Der WDA koordiniert den fortlaufenden Austausch und die Abstimmungen innerhalb der Allianz, zuletzt während der Bildungsmesse didacta im Februar 2025. Die Allianz wurde ebenfalls bei der Erstellung des Masterplans 2024 für die Deutschen Auslands- und Partnerschulen des Auswärtigen Amtes für die Entwicklung des Auslandsschulwesens einbezogen.
Der Austausch zwischen WDA und DPhV besteht seit mehreren Jahren. Beide Gesprächspartner haben sich bei ihrem Treffen am 21. März 2025 zur essenziellen Bedeutung des Deutschen Abiturs für die Deutschen Auslandsschulen ausgetauscht und die Bedeutung des Deutschen Abiturs unterstrichen. Der DPhV engagiert sich für Lehrerinnen und Lehrer, die sich für eine Auslandsschultätigkeit entscheiden. Ziel ist es, ihnen während der Vorbereitung, während des Auslandseinsatzes und nach der Rückkehr eine angemessene ideelle und materielle Unterstützung zu sichern. Dabei betont der DPhV, dass das System der Freistellung und Beurlaubung der Länder von Auslandsdienstlehrkräften (ADLK) das Alleinstellungsmerkmal der Deutschen Auslandsschulen ist. Dies sichert den DAS im Wettbewerb mit anderen internationalen Schulen weltweit ihre Einzigartigkeit, insbesondere dank ihrer Deutschen Internationalen Abiturprüfung (DIA), die laut Auslandsschulgesetz (ASchulG) eine gewisse Anzahl vermittelter deutscher Lehrkräfte erfordert. Zudem wird das von einer Vielzahl an DAS angebotene sogenannte Gemischtsprachige International Baccalaureate (GIB) von der KMK als Hochschulzugangsberechtigung anerkannt und durch aus Deutschland vermittelte Schulleitungen unterstützt. Auch in Zukunft wird der Dialog zwischen WDA und DPhV fortgeführt.

Heike Daun, Vorsitzende des WDA und Vorstandsvorsitzende der Deutschen Höheren Privatschule Windhoek, eröffnet die Tagung. (Quelle: Karim Sheta)
Der Auslandsschulreferent des DPhV hatte die Möglichkeit, an der EMEA-Tagung des WDA Ende Oktober 2025 in Kairo teilzunehmen. Vertreterinnen und Vertreter der ehrenamtlichen Vorstände, der Verwaltungen sowie Schulleiterinnen und Schulleiter der DAS aus Europa, dem Mittleren Osten und Afrika sowie Südostasien zeigten, mit welcher Energie und welchem Engagement die DAS diese Säule der AKBP unterstützen. Die regionenweite Vernetzung und das Teilen von Good-Practice-Beispielen stärkt die Gemeinschaft der DAS, die sich oft flexibler, schneller und erfolgreicher an die Bewältigung der großen schulischen Herausforderungen unserer Zeit anpassen können als dies im Inland der Fall ist. Dies funktioniert nur dank der hervorragenden Interaktion aller Partner des Auslandsschulwesens.
Daher ist es geboten, dass die ehrenamtlichen Vorstände der DAS, ihre Verwaltungsleitungen und ihre Beiräte als gleichberechtigte Partner des Auswärtigen Amtes (AA) und der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) bei der Entwicklung des Auslandsschulwesens anerkannt und einbezogen werden. Diese Partnerschaft auf Augenhöhe mit den fördernden Stellen bei neuen Entscheidungen und Weichenstellungen habe sich in den letzten zwei Jahren gut entwickelt.
Als herausragendes Desiderat der Vorstände kristallisierte sich die längerfristige Planbarkeit im Sinne verlässlichen unternehmerischen Handelns der DAS heraus. Die DAS an ihren unterschiedlichen Standorten mit unterschiedlichen Bedarfen wünschen sich zudem größere Kreativität und Flexibilität bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen, die die Musterstrukturen der fördernden Stellen oft verbieten. Die ZfA weist nachvollziehbar darauf hin, dass kontrollierte Verwaltung beim Umgang mit Steuergeldern unerlässlich ist, um Korruption und Vetternwirtschaft vorzubeugen.
Im Rahmen der Eingangsveranstaltung betonte Dr. Carsten Fischer, stellvertretend für das Referat 605 des AA „Förderung von Deutsch als Fremdsprache und Auslandsschulwesen“, dass das AA und die derzeitige Hausspitze die DAS umfassend unterstütze, dass trotz der Sparmaßnahmen der Bundesregierung dem Auslandsschulfond höhere Mittel zur Verfügung stünden. Der Bedarf nach Dynamisierung des Postens „Besoldung“ angesichts der steigenden Gehälter für die ADLK, die den Fond mehr und mehr vereinnahmen, scheint erkannt worden zu sein. Der vorsichtige Optimismus des Diplomaten erlaubte zu hoffen, dass diese Problematik gelöst werden kann. Zudem gebe es 2025 keine weiteren Einsparmaßnahmen und auch die sogenannte freiwillige Förderung werde im vierten Quartal 2025 erfreulicherweise noch ausgezahlt. Insbesondere angesichts der derzeitigen politischen Lage wurde auch die Bedeutung der DAS als demokratische Institutionen, die entsprechende Werte vermitteln, hervorgehoben.
Der Vertreter der KMK und Vorsitzender des Bund-Länder-Ausschusses für Schulische Arbeit im Ausland (BLASchA), Thomas Mayer, betonte, dass der BLASchA schnell und flexibel auf akute Situationen, wie die Corona-Krise, reagiere und die Entwicklung der DAS zum Beispiel durch die Einrichtung einer AG „Digitalisierung“ und einer AG „Politische Bildung“ proaktiv unterstütze. Er betonte zudem, dass trotz der Problematik des Lehrermangels in Deutschland eine Vermittlung der benötigten ADLK sich in aller Regel länderübergreifend umsetzen lasse. Das ASchulG gewährt den DAS seit 2014 Planungssicherheit. Die auskömmliche Versorgung einer entsprechenden personellen Förderung sei nötig. Die Gehälter der Lehrkräfte müssen mitwachsen können, ohne den Auslandsschulfond zu entleeren. Dies sollte mit entsprechendem politischem Druck gelingen. Auch der DPhV wird sich gemeinsam mit dem WDA weiterhin dafür einsetzen!

Schülerinnen der Deutschen Schule der Borromäerinnen Kairo erhielten den 1. Preis der DIHK 2025. (Quelle: Karim Sheta)
Der Sprecher des Schulleitungsbeirats und Leiter der Deutschen Schule der Borromäerinnen Alexandria, Frank Weigand, betonte stellvertretend für viele, dass bei gekürzter freiwilliger Förderung die notwendigen Schulgelderhöhungen der sozialen Öffnung der DAS zuwider laufen und etliche DAS mit großen wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontieren. Die Aufgaben der DAS sind auch angesichts der aktuellen Krisen umfassend: Schule muss neu gestaltet werden, um die Schülerinnen und Schüler auf die Zukunft angemessen vorzubereiten. Der Austausch der DAS ist wichtig, um Herausforderungen wie die Klimaproblematik, die Rolle der Frau und als größte Herausforderung die Rolle der deutschen Sprache vom Kindergarten bis zum Abitur zu meistern. Im Rahmen der Umsetzung des Masterplans behält die Förderung des Deutschen weltweit Priorität, auch im Sinne notwendiger Fachkräftemigration¹. Zur Vermittlung des Deutschen fehlen den nationalen Lehrkräften oft die sozio-kulturellen Kompetenzen. Daher soll eine Deutschlehrkräftestrategie des AA in vier Pilotenländern (Usbekistan, Lettland, Kenia und Brasilien) erprobt werden. Zudem muss die Forderung nach sprachsensiblem Unterricht von allen ADLK umgesetzt werden. Dazu bietet die ZfA seit zwei Jahren entsprechende Lernplattformen an. Die ZfA setzt zudem auf Qualitätssteigerung des Auslandsschulwesens durch effizientere ADLK-Gewinnung, Fortbildung für neue Vorstände und Verwaltungsleitungen sowie Lernplattformen.
DAS waren und bleiben eine tragende Säule der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Die großen Themenschwerpunkte auch dieser Tagung sind derzeit Finanzierung, Planungssicherheit und Lehrkräftemangel. Der DPhV wird sich auch in Zukunft für das Deutsche Auslandsschulwesen engagieren und keine Gelegenheit zur Unterstützung ungenutzt lassen.
¹ Eine Umfrage der deutschen Auslandshandelskammern zur Bedeutung der DAS für ein Unternehmen ergab eine erstaunlich positive Resonanz: 73 Prozent der Unternehmen schätzen die Rolle der DAS als sehr wichtig ein.