Keine Verabsolutierung des Elternwillens

    CDU Schleswig-Holstein will Leistungen in der Grundschule in die Übergangsentscheidung mit einbeziehen

    Philologenverband begrüßt Parteitagsbeschluss als Ausdruck schulpolitischer Vernunft

    von Walter Tetzloff

    Der Deutsche Philologenverband bemüht sich seit einigen Jahren intensiv um eine stärkere Profilierung des gymnasialen Bildungswegs. Teil seiner politischen Überzeugungsarbeit ist die Forderung nach konsequenteren Übergangsbestimmungen beim Übertritt von Schülerinnen und Schülern von der Grundschule zum Gymnasium. Konkret: Dieser Übergangsentscheidung darf nicht allein der Elternwille zugrunde liegen.

    Und auf diesem Wege zeichnen sich jüngst einige Erfolge ab. In den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen oder Berlin werden auch die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in der Grundschule, also vornehmlich in der Klasse 4 in die Übergangsentscheidung einbezogen, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Daneben gibt es Bundesländer, in denen die schulpolitisch Verantwortlichen faktisch nach wie vor ausschließlich nach dem Willen der Erziehungsberechtigten entscheiden. Aus Sicht des DPhV ist dies bedauerlich, aber gleichzeitig ein Anlass für verstärkte Überzeugungsarbeit.

    Übergangsentscheidung - Kerstin Schmöckel, Vorsitzende des PhV Schleswig-Holstein (Quelle: Langer)

    Kerstin Schmöckel, Vorsitzende des PhV Schleswig-Holstein (Quelle: Langer)

    In Schleswig-Holstein gibt es immerhin einen Erfolg. Der letzte Landesparteitag der CDU in Neumünster verabschiedete einen Antrag der Jungen Union, wonach in der genannten Übergangsfrage die im Zeugnis vermerkten Schülerleistungen der Grundschule in die Entscheidung miteinbezogen werden. Der mit Mehrheit verabschiedete Antrag lautet:

    „Für den Übertritt von der Grundschule ans Gymnasium in den Kernfächern Mathematik und Deutsch sind jeweils mindestens befriedigende Leistungen im Endjahreszeugnis der 3. Klasse und im Halbjahreszeugnis der 4. Klasse vorauszusetzen. Der Durchschnitt wird hier genommen.“

    Diese Position des schleswig-holsteinischen Landesverbands korrespondiert mit einem tendenziell ähnlichen Beschluss des PhV-Jahreskongresses und wird deshalb von der Vorsitzenden Kirsten Schmöckel und dem Vorsitzenden des Bildungspolitischen Ausschusses im Landes deutlich begrüßt.

    „Dieser Parteitagsbeschluss ist für uns ein Ausdruck schulpolitischer Vernunft“, erklärte Kirsten Schmöckel „und sollte der CDU-geführten Landesregierung eine wichtige Orientierungshilfe sein!“

    Mit einer Bestimmung, wie sie die Landespartei hier vorschlägt, könne im Sinne des Kindeswohls der Überforderung und den Vergeblichkeitserfahrungen etlicher Kinder entgegengewirkt werden. Auch müssten dann weniger Schullaufbahnkorrekturen vorgenommen werden.

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