Soziale Marktwirtschaft als Ausdruck der Freiheit

    Birgit Breuel blickt zurück und gleichzeitig nach vorn

    Eine Buchrezension von Walter Tetzloff

    Soziale Marktwirtschaft

    Quelle: LMV

    Unumstritten war sie nie. Birgit Breuel hatte ein Jahr nach der deutschen Wiedervereinigung die vielleicht größte und schwerste Aufgabe im Einigungsprozess. Nach der Ermordung des ersten Präsidenten der Treuhand, Detlev Carsten Rohwedder, durch ein Mitglied der RAF wurde Birgit Breuel – auf ausdrücklichen Wunsch des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl – seine Nachfolgerin. Und in diesem Amt hatte sie zu kämpfen: Der Auftrag der Treuhand, die seit 1990 für die Überführung der großen „volkseigenen“ Betriebe der DDR in die Soziale Marktwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland zuständig war, erwies sich als Sisyphus-Aufgabe. Die wichtige Entscheidung für Privatisierungen, für Sanierung oder für die Schließung eines Kombinats konnte nicht ohne Widerstände, manchmal nicht ohne massive Vorbehalte und Gegendemonstrationen erfolgen.

    Aber nicht nur davon erzählen Birgit Breuels Lebenserinnerungen. Man mag die Zeit der Treuhand-Präsidentschaft in Berlin nicht einmal für den Schwerpunkt dieses Buches halten, wenngleich diese nur ein halbes Jahrzehnt umfassende berufliche Phase sehr anschaulich und lebensnah geschildert wird. Doch wichtiger noch ist das Credo der Hanseatin, die mittlerweile 88 Jahre zählt und die ihre Ausführungen für so etwas wie ein Vermächtnis hält. Ihr klares Bekenntnis lässt sich so formulieren: ein Plädoyer für Freiheit und Selbstbestimmung, für Soziale Marktwirtschaft Ludwig Erhardscher Prägung und für eine westlich-atlantische Wertegemeinschaft.

    Dieses Credo bestimmt das gesamte Buch der Hamburgerin „Wandel – Wege – Werte. Mein Blick auf Deutschland“. Und es steht in einer engen Verbindung zum Lebensweg der zwei Jahre vor dem II. Weltkrieg in bürgerlichen Verhältnissen der weltoffenen Hansestadt geborenen und aufgewachsenen Autorin. Eindrucksvoll und für heutige Leserinnen und Leser irreal nehmen sich die Schilderungen der entbehrungsreichen Kriegs- und Nachkriegszeit aus. Gut nachvollziehbar ist die Leidenschaft für den Wiederaufbau des westlichen Deutschlands auf der Basis sich als richtig erwiesener wirtschaftspolitischer Grundentscheidungen, der außenpolitischen Hinwendung zum Westen, wofür die Namen Ludwig Erhard und Konrad Adenauer stehen, und für einen Freiheitsbegriff, der sich staatlicher Überregulierung und Bürokratie entgegenstellt.

    Damit sind wir bei der Zukunftsrelevanz dieses klugen Buches. Es ist eine mahnende Stimme in Zeiten, in denen staatliche Eingriffe in die Wirtschaft die Privatinitiative und den Ideenreichtum der Aufbauperiode in den fünfziger und frühen sechziger Jahren zu ersetzen drohen und wo die Westbindung und transatlantische Gemeinsamkeiten zunehmend in Frage gestellt werden. Von diesem Plädoyer und von so manchem mehr erfahren Leserinnen und Leser, und selbst wenn mancher von ihnen Birgit Breuel nicht in allen Überlegungen folgen mag, so vermittelt die Lektüre doch einen anschaulichen und richtungweisenden Rückblick auf Nachkriegsgeschichte, Deutschlands Teilung und den spannenden Einigungsprozess.

    Verlosung

    Das Buch von Birgit Breuel „Wandel Wege Werte – Mein Blick auf Deutschland“ ist 2025 in München im Langen Müller Verlag erschienen. PROFIL verlost drei Exemplare. Zum Gewinnformular gelangen Sie unter www.dphv.de/verlosung.

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    Teilnahmeschluss ist der 9. April 2026. Viel Glück!

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