Ein wertvoller Beitrag zum Philosophieunterricht in der Oberstufe.
Werner Busch ist für die Leserinnen und Leser von „Profil“ kein Unbekannter. Zuletzt gab der promovierte Lehrer, Schulleiter und Philosoph ein richtungweisendes Interview zur Bedeutung des Philosophieunterrichts angesichts von derzeitigen Herausforderungen, denen sich junge Menschen ausgesetzt sehen.

Werner Busch:
Schicksalsfähigkeit und Weisheit.
Aufsätze zur Philosophie und ihrer Didaktik, Nordhausen 2025 (Foto: Verlag Bautz)
Mit Buschs Aussagen in diesem Interview korrespondiert nun ein Aufsatzband, in dem der erfahrene Philosophiedidaktiker seine Gedanken in Gestalt von Beiträgen publiziert, die in mehreren Jahrzehnten Aufmerksamkeit in Fachkreisen und darüber hinaus fanden.
Im Vordergrund steht dabei der Begriff der Schicksalsfähigkeit, den Busch erläutert und den er der Überzeugung, alle Lebensrisiken und Unwegsamkeiten ließen sich quasi präventiv eliminieren, so durch einen umfangreichen und differenzierten Sozialstaat, entgegensetzt. Unter Bezugnahme auf den großen Königsberger Philosophen Immanuel Kant, der den Autor zeit seines Lebens prägte und noch prägt, wird hier beispielsweise ein sinnstiftender Umgang mit dem Unvorhersehbaren propagiert.
Dies ist nur ein Aspekt der überzeugenden und lesbar formulierten Aufsatzsammlung, die Veröffentlichungen und Vorträge berücksichtigt, die Werner Busch in philosophischen Gremien, vor allem aber in seiner Zeit als Vorsitzender der Association Internationale des Professeurs de Philosophie gehalten hat (2006–2012). In dieser Amtszeit und darüber hinaus verfolgte Busch nachdrücklich die Ziele, die sein Nachfolger in diesem Amt, Ricardo Pozzo (Rom), in einem substantiellen Vorwort so formuliert. Es gehe darum, „den Philosophieunterricht an Schulen und Universitäten der Mitgliedsländer zu fördern, … sicherzustellen, dass der Philosophieunterricht auf der Grundvoraussetzung der Gedanken- und Meinungsfreiheit basiert“.
Wer Anregungen zum Philosophieunterricht, aber nicht nur dafür, bekommen möchte, wer sich mit Bezügen zu Hannah Arendt oder Martin Heidegger auseinandersetzen möchte und seine Vorstellungen von Immanuel Kant überprüfen oder auch nur aktualisieren möchte, dem sei die Lektüre dieser Aufsatzsammlung empfohlen. So wird beispielsweise dem Bild von Kant als einer sauertöpfischen und lustfeindlichen Persönlichkeit deutlich widersprochen, da ihm Genussfeindlichkeit nicht fremd gewesen sei und er diese auch nicht propagiert habe.
Und schließlich: Wie man Schülerinnen und Schülern gedankliche Angebote und Orientierung im Umgang mit einer immer weniger regelbasierten Weltpolitik machen kann, auch das erfahren Leserinnen und Leser in dieser klugen Aufsatzsammlung.