PHVN: Schulpflicht respektieren – Demokratisches Engagement mit offenem Visier leben und fördern

    Der Philologenverband Niedersachsen nimmt die für Donnerstag, 5. März 2026, angekündigten Schülerstreiks gegen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht zum Anlass, erneut auf einen grundlegenden Punkt hinzuweisen: „Demokratisches Engagement von Jugendlichen ist ausdrücklich zu begrüßen, aber nicht auf Kosten der Unterrichtszeit“, erklärt der Vorsitzende des Philologenverbandes Niedersachsen, Dr. Christoph Rabbow.

    „Schülerinnen und Schüler sollen sich politisch informieren, Positionen entwickeln und sich in eine demokratische Debatte einbringen. Das ist wichtig und richtig“, betont Rabbow. Doch wenn Demonstrationen bewusst in die Unterrichtszeit gelegt würden, obwohl es vielfältige Möglichkeiten außerhalb des Stundenplans gäbe, werde genau der Unterrichtsausfall provoziert, der sonst regelmäßig und zu Recht kritisiert werde. „Wer zum Schulstreik aufruft oder ihn billigend in Kauf nimmt, stellt die Schulpflicht als Grundlage von Bildungsgerechtigkeit in Frage und darf sich dann auch über einen zunehmenden Absentismus in Schule nicht wundern. Es wirkt deshalb widersprüchlich, wenn einerseits auch schülerseitig über Lernrückstände, Fachkräftemangel und Leistungsdruck diskutiert wird und andererseits Aktionen genau dann angesetzt werden, wenn Unterricht stattfindet“, betont der Verbandsvorsitzende.

    Ebenso kritisiert der Vorsitzende die Art der Mobilisierung. Durch Rückmeldungen aus Schulen ergeben sich Hinweise auf eine problematische Ansprache Minderjähriger sowie auf Vermischungen mit gewerkschaftlicher Kommunikation, die aus Sicht des PHVN Fragen zu Aufsichtspflicht und Verantwortung aufwerfen.

    „Was uns aus Schulen berichtet wird, lässt befürchten, dass hier bewusst mit dem Begriff ‚Schulstreik‘ gearbeitet und direkt im Schulumfeld geworben wird – auch bei sehr jungen Schülerinnen und Schülern ab Klasse 5, die die Tragweite einer politischen Aktion häufig nicht einschätzen können“, berichtet Rabbow. „Diese Altersgruppe verbindet ‚Schulstreik‘ naheliegend mit ‚keine Schule‘. Dass es sich nicht um eine Schulveranstaltung handelt und, dass eine Teilnahme Fragen der Aufsicht, der Erreichbarkeit und der elterlichen Verantwortung berührt, wird dabei offenkundig nicht ausreichend berücksichtigt.“

    Kritisch hinterfragt der PHVN auch den Hintergrund der Kampagne: „Die Initiatoren der Kampagne geben sich nicht klar zu erkennen, was gerade vor dem Hintergrund des Argumentes einer demokratischen Beteiligung schwierig ist. Wer zu Streiks aufruft, sollte namentlich zu seiner Meinung stehen und mit offenem Visier arbeiten. Auch das gehört dazu, wenn man Schülerinnen und Schüler als mündige Mitglieder der Gesellschaft ansprechen und befähigen will“, so Rabbow.

    Eine kontroverse Debatte über Wehrpflicht, Sicherheitspolitik und Friedensfragen sei legitim und gehöre in eine demokratische Gesellschaft. Wichtig sei dabei aber vor allem, dass die Debatte sachlich und an Tatsachen orientiert verlaufe, dies sei bei einigen Argumentationsvorgaben der Initiative offenkundig nicht der Fall. „Die Zuspitzung auf einen drohenden Zwang zum Waffendienst ist nach derzeitiger Sachlage nicht haltbar, da das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung uneingeschränkt weiter gilt. Es stellt sich daher die Frage, ob hier ein freier Schultag als Köder für Schülerinnen und Schüler genutzt wird, um für politische Zwecke zu instrumentalisieren.“ Deshalb fordert Dr. Christoph Rabbow: „Wer junge Menschen zur Demokratie ermutigen will, muss ihr Engagement stärken, ohne ihre Bildung zu schwächen – und ohne Schulen, Eltern und Lehrkräfte mit fragwürdiger und weitestgehend anonymer Mobilisierung vor vollendete Tatsachen zu stellen.“

    Hannover, 4. März 2026

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