
Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des DPhV; Foto: Amin Akhtar
Liebe Kollegen und Kolleginnen,
das Jahr neigt sich dem Ende zu: Der Deutsche Philologenverband und viele Landesverbände führten und führen ihre Vertreterversammlungen im letzten Teil des Jahres mit ihren Delegierten durch. Wir vom frisch gewählten Geschäftsführenden Vorstand des DPhV bedanken uns herzlich für Ihr bei der diesjährigen November-Wahl in uns gesetztes Vertrauen. Es wird uns in den nächsten vier Jahren Ansporn sein, die Anliegen des Philologenverbands weiter wirkungsvoll in der Politik zu vertreten. An folgenden Leitlinien werden wir uns dabei orientieren:
Frühe Förderung und leistungsgerechte Übergänge
Der Bildungserfolg unserer Schülerinnen und Schüler beginnt nicht erst mit dem Eintritt in die fünfte Klasse. Verbindliche Sprach- und Entwicklungstests für Viereinhalbjährige sind nötig, um Förderbedarf früh zu erkennen und vorschulischen Defiziten wirksamer entgegensteuern zu können. Deshalb treten wir für eine verbindliche diagnoseorientierte Förderung vor Schuleintritt ein. Hier haben viele Länder Nachholbedarf. Ebenso lassen wir nicht nach, für eine verbindliche, leistungsorientierte Übergangsentscheidung für die weiterführenden Schulen einzutreten.
Digitalisierung mit Augenmaß
Digitale Werkzeuge und KI können Lernprozesse personalisieren und Lehrkräfte entlasten. Doch bei allem Potenzial ist klar: Kein Algorithmus darf und kann Lehrkräfte ersetzen, die mit hoher Fachlichkeit, Persönlichkeit und pädagogischem Gespür einen klug digital unterstützten gymnasialen Präsenzunterricht verantwortungsbewusst gestalten.
Lehrkräfte: Schlüssel für gymnasiale Qualität
Damit das Gymnasium seine vielfältigen Aufgaben für die Schülerinnen und Schüler erfüllen kann, müssen seine Lehrkräfte im Zentrum jeder Zukunftsplanung stehen. Denn sie sind didaktisch kluge Wissensvermittler, sie prägen die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen, geben Orientierung und fordern für die Entwicklung ihrer Schülerinnen und Schüler hohe Leistungen ein.
Wir treten für die schulartspezifische Lehrkräftebildung ein und lehnen eine Vereinheitlichung ab. Für das Gymnasium als zentrale Säule im gegliederten Schulsystem ist dies besonders entscheidend. Deshalb lehnen wir als Philologenverband zudem eine Verkürzung des gymnasialen Vorbereitungsdienstes ab – stattdessen erwarten wir eine bessere Qualifizierung und Unterstützung der Ausbilder und Ausbilderinnen an den Studienseminaren.
Zukunftsfähige gymnasiale Bildung braucht spürbare Entlastung aller Beteiligten: für die Lehrkräfte weniger Bürokratie, um sich auf die pädagogische Arbeit konzentrieren zu können, rechtzeitige und ausreichende Altersermäßigungen, um die Dienstfähigkeit der gut ausgebildeten und erfahrenen Lehrkräfte bis zum Ruhestand zu sichern, kontinuierlich gute, fachliche Fortbildungsangebote bei gleichzeitiger Freistellung von Unterrichtsverpflichtungen sowie eine Ausstattung, die Unterricht unter modernen Bedingungen ermöglicht. Die Basis ist und bleibt der Beamtenstatus mit verfassungsgemäßer Alimentation für Lehrkräfte.
Leistung als Chance!
Zukunftsfähige gymnasiale Bildung braucht eine anspruchsvolle Leistungsorientierung. Hohe Anforderungen sind keine Zumutung, sondern eine Chance für junge Menschen. Hohe Erwartungen bereiten sie nicht nur auf Prüfungen, sondern auf ein Leben mit den komplexen Gestaltungsaufgaben in unserer Welt vor. Wer gymnasiale Bildung auch in Zukunft fördern will, muss Lehrkräfte stärken und den Mut zu klaren gymnasialen Anforderungen haben: Vertiefte Allgemeinbildung, allgemeine Studierfähigkeit und wissenschaftspropädeutisches Arbeiten machen die Potenziale unserer Schülerinnen und Schüler sicht- und nutzbar – für ihre und unser aller Zukunft.
Ich wünsche Ihnen einen guten Ausklang dieses Jahres und freue mich darauf, mit Ihnen gemeinsam im neuen Jahr erfolgreich für unsere gemeinsamen bildungs- und berufspolitischen Anliegen einzutreten!
Ihre Susanne Lin-Klitzing