Ein Besuch in der German International School Boston

    Massachusetts State House in Boston

    Massachusetts State House in Boston; Quelle: Kobs

    Besuche an deutschen Auslandsschulen sind immer ein Gewinn. Wie dort Bildung und Erziehung gelingt in einem Spannungsfeld von Vorgaben deutscher Schulaufsicht und nationalen Eigenarten und Traditionen des Gastlandes, das ist spannend zu beobachten und für jeden Besucher mit Sicherheit eine Horizonterweiterung. Lassen sich Bildungsinhalte und Lernziele, wie wir sie in Deutschland kennen und größtenteils wohl auch bejahen, mit den Erwartungen und Ansprüchen ausländischer Eltern in Einklang bringen? Das ist eine Leitfrage.

    Und die stellt sich auch in Boston, Massachusetts, der Metropole der amerikanischen Neuenglandstaaten. Boston ist gleichzeitig ein intellektueller und wissenschaftlicher Hotspot der Vereinigten Staaten und in seiner Bindung an England und Europa, die sich aus seiner Geschichte ergibt, die aber auch schon im Straßenbild der Innenstadt erkennbar wird, so etwas wie ein Sehnsuchtsziel europäischer Amerikabesucher.

    In der Stadt am Atlantik atmet man Gründungsgeschichte und revolutionäre Vergangenheit der amerikanischen Nation. Dafür empfiehlt es sich, einmal den Freedom Trail vom Anfang bis zum Ende abzulaufen, vom Boston Common unweit des Massachusetts State House mit seiner goldenen Kuppel bis zum zentralen Stadtteil Charlestown. Historische Spuren an nahezu jeder Ecke, man denke an die Boston Tea Party oder die irische Einwanderungsgeschichte.

    Downtown Boston; Quelle: Kobs

    In diesem Milieu, das 300 Jahre Geschichte und moderne Technologie überzeugend vereint, findet man denn auch eine der deutschen Schulen auf amerikanischem Boden.

    Auf der Basis eines ganzheitlichen Curriculums von der Grundschule bis zum Abitur lernen hier seit 2001 Kinder und Jugendliche aus deutschen und amerikanischen Familien, aber auch aus anderen Nationen.

    Wer den Fokus auf einen dem deutschen Gymnasium vergleichbaren Bildungsgang legt, erkennt, dass die Schule großen Wert auf solide Grundlagen in den zentralen Fächern legt, also in Deutsch, Mathematik und den Fremdsprachen. Gleichzeitig gehören auch die Naturwissenschaften zum Kern des Programms, die an der GISB – mit ihrem ausgeprägten MINT-Profil – einen ebenso hohen Stellenwert haben. Ergänzt wird dies durch ein breit angelegtes Angebot in Musik und Kunst, das die ganzheitliche Ausrichtung der Schule unterstreicht.

    v. l. Verwaltungsdirektorin Tina Haarbusch, Interims-Schulleiterin Funda Suzan und Oberstufenleiter Jan Christoph Hadenfeldt vor der GISB; Quelle: Kobs

    Andere Angebote kommen hinzu, und die doppelte Vergabe von Zertifikaten am Ende der Oberstufe kann als eine attraktive Grundvoraussetzung für ein Hochschulstudium innerhalb und außerhalb der USA gelten. Vergeben wird bei entsprechendem Prüfungserfolg das deutsche Abitur. Dazu kommt das Massachusetts High School Diplom, für das es keine explizite Prüfung gibt.

    Gern wird ein solches Angebot angeboten, aber wie setzt sich die Schülerschaft gegenwärtig zusammen? Funda Suzan, die derzeitige Interims-Schulleiterin, und Verwaltungsleiterin Tina Haarbusch sprechen von Dritteln: Zum einen sind es die Kinder deutscher Eltern, die beruflich nach Massachusetts gekommen sind, zum anderen viele hier lebende deutsch-amerikanische Familien. Darüber hinaus zieht die Schule inzwischen auch zahlreiche weitere Familien aus mehr als vierzig Nationen an, die sich für unser bilinguales Bildungsangebot interessieren. Die deutsche Bildung wird von diesen Personengruppen also gleichermaßen geschätzt.

    Deutsch ist die Unterrichtssprache, und so manche außerschulische Aktivität, die zum Schulleben gehört, erinnert an Vorhaben und Rituale, wie sie aus der Heimat bekannt sind. Im 11. Jahrgang gibt es eine zweiwöchige Studienfahrt und ein Jahr später einen gemeinsamen Hauptstadtbesuch, hier also nach Washington, D. C. Für jüngere Schülerinnen und Schüler sind die Wanderungen in den landschaftlich so bezaubernden Staaten Maine und New Hampshire eine anstrengende, aber auch vergnügliche Unternehmung, die über die Naturbegegnung einen willkommenen Ausgleich zum theoretischen Unterrichtsstoff darstellt.

    German International School Boston

    Gebäufe der Deutsche Internationale Schule Boston in Boston, Massachusetts; Quelle: schools.cometoboston.com

    Ein Augenmerk sollte man auf den unterschiedlichen Unterricht in den Fächern Deutsch und Englisch richten. Während die Deutschstunden, in denen auch immer Deutsch gesprochen wird, besonders in der Oberstufe doch sehr dem in der Bundesrepublik ähneln und erfreulicherweise auch die Beschäftigung mit deutschen Klassikern einschließt, ist der Englischunterricht, der ausnahmslos von amerikanischen Lehrkräften erteilt wird, etwas mehr auf praktische Sprachvermittlung und Sprachpflege ausgerichtet.

    Ein großer Teil der Elternschaft ist in Bildung, Wissenschaft und Forschung tätig, unter anderem an renommierten Institutionen wie der Harvard Universität oder dem MIT. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass viele Eltern hohe Ansprüche an die schulische Arbeit stellen und diese auch aktiv einbringen. Die Schule legt großen Wert auf ein vielfältiges und attraktives außerunterrichtliches Angebot, da dieser Bereich im Schulalltag in den USA eine besondere Rolle spielt und viele High Schools in Boston und Umgebung hier sehr stark aufgestellt sind. Um Schülerinnen und Schülern ein ebenso bereicherndes Erlebnis zu bieten, investiert die Schule bewusst in ein breites Spektrum an Aktivitäten. Dazu gehören unter anderem Sportprogramme, musikalische Schwerpunkte wie Musicalproduktionen, integrierter Instrumentalunterricht sowie weitere Angebote, die das Schulleben vielfältiger und lebendiger machen.

    Die freundliche Atmosphäre der Schule zeigt sich unmittelbar in den Gesprächen mit der Schulleitung. Funda Suzan, Tina Haarbusch und Jan Christoph Hadenfeldt bringen alle umfangreiche internationale Berufs- und Lebenserfahrung aus Deutschland, den USA und weiteren Ländern mit, und man spürt bei ihnen den leidenschaftlichen Einsatz für die fächerübergreifenden Ziele, die diese Schule seit einem Vierteljahrhundert verfolgt.

    Die Schulleiterin mit Profil-Redaktionsleiter Walter Tetzloff; Quelle: Kobs

    Dass die Schule ihre pädagogischen Konzepte mit viel Engagement lebt, zeigte sich am Tag unseres Besuches besonders deutlich. So hat die Schule beispielsweise den sogenannten Unity Day gefeiert, an dem Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichsten Projekten auf kreative und schulweite Weise auf das Thema Bullying und Mobbing aufmerksam machten.

    Der Deutsche Philologenverband wünscht der German International School in Boston weiterhin Glück und Erfolg bei ihrem transatlantischen Konzept.

    von Walter Tetzloff

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