Wir brauchen ein zweijähriges Referendariat

    Neuer Bundesvorsitzender der Jungen Philologen im DPhV: Quirin Borchert

    Ein Gespräch mit dem neugewählten Bundesvorsitzenden der Jungen Philologen, Quirin Borchert

    PROFIL: Lieber Quirin, der Deutsche Philologenverband und die Profil-Redaktion gratulieren Dir herzlich zu Deiner Wahl. Du bist heute in Düsseldorf einstimmig zum neuen Vorsitzenden der Bundesarbeitsgemeinschaft Junger Philologen gewählt worden und trittst damit die Nachfolge von Georg Hoffmann an, der neun Jahre die Jungen Philologen geführt hat. Du hast in diesem wichtigen Verbandsgremium bereits vor Deiner Wahl mitgearbeitet und kennst Dich in der Verbandsarbeit aus. Hast Du bestimmte Vorstellungen und Ziele, die Du in Deinem neuen Amt verwirklichen möchtest?

    QUIRIN BORCHERT: Zunächst vielen Dank für die Glückwünsche. Wir müssen uns zuerst als Gremium neu zusammenfinden in unserem neugewählten Vorstand. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die weitere Arbeit. Wir müssen vor allem die Basisarbeit ausbauen und verstärken, mit Referendaren und jungen Lehrkräften ins Gespräch kommen und sie für unsere Ziele gewinnen. Dazu ist es notwendig, in die einzelnen Bundesländer zu gehen und dort den Lehrernachwuchs einzuladen.

    PROFIL: Ich höre da heraus, Kontinuität und Neuformation mit neuen Gesichtern wird Eure Arbeit bestimmen. Mit Jessica Kanitz aus Sachsen, die als zweite Vorsitzende gewählt wurde, hast Du wieder eine engagierte Mitstreiterin, die auch im Bildungspolitischen Ausschuss mitgearbeitet hat. Was hat Dich seinerzeit in den Philologenverband gebracht? Du lebst und arbeitest in Bayern, wo es ohnehin einen großen Organisationsgrad gibt. Trotzdem hast Du sicher auch ein Motiv gehabt, Dich in unserem Verband zu engagieren.

    BORCHERT: Schon meine Mutter war Mitglied des Philologenverbands. Ich ging als Referendarsvertreter dann in die Jahreshauptversammlung in Bayern. Dort lernte ich die Berufsanwärterinnen und -anwärter kennen und kam so in die Verbandsarbeit hinein. Hinzu kamen Gespräche mit dem Minister und den bildungspolitisch Verantwortlichen. Austausch und Vernetzungen haben mich damals beeindruckt, und so kam ich Schritt für Schritt in die Verbandsarbeit hinein, zunächst noch in Bayern.

    Quirin Borchert im Interview - Junge Philologen

    Quirin Borchert, Jessica Kanitz und Mitglieder des neugewählten Vorstandes mit der Bundesvorsitzenden Susanne Lin-Klitzing (Credit: Hildebrand)

    PROFIL: Gibt es ein paar Vorzüge und Verdienste, die Dein Vorgänger Georg Hoffmann hatte und an die Du und der neue Vorstand anknüpfen können? Die Bundesvorsitzende hat ja in einer großen Dankesrede die Leistungen Georgs gewürdigt.

    QUIRIN BORCHERT: Georg hinterlässt große Fußstapfen – ohne Zweifel. Daran lässt sich durchaus anknüpfen. Dennoch muss ich künftige Aufgaben und Herausforderungen auch auf meine Art bewältigen. Was Georg Hoffmann unglaublich gut konnte und kann, ist, diplomatisch und unter Einbeziehung aller unsere Ziele durchsetzen. Dabei konnte er immer direkt auf die jungen Leute zugehen und sich Zeit nehmen für ihre Sorgen und Bedürfnisse. Dazu gehörte auch immer Verständnis für Gegenpositionen. Dies gilt auch für die politischen Gespräche wie hier in Düsseldorf unser Gespräch mit dem nordrhein-westfälischen Finanzminister.

    PROFIL: Hast Du auch bestimmte eigene Vorstellungen, wie Du die Positionen der Jungen Philologen im Bundesvorstand artikulieren willst? In diesem wichtigen Gremium wirst Du ja künftig zweimal jährlich zugegen sein und gehört werden.

    BORCHERT: Das erfordert zunächst ein Kennenlernen der so unterschiedlichen Gegebenheiten in den 16 Bundesländern.

    PROFIL: Das Referendariat ist ein für Euch sehr wichtiger Themenbereich. Es wird allerdings in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geschätzt: Es gibt die kurze einjährige Ausbildung, die eineinhalbjährige oder – was der Forderung des Verbandes entspricht – die zweijährige Ausbildung. Welche Haltung wirst Du vermutlich mit Hartnäckigkeit vertreten – in Bezug auf die Länge und die Qualität dieser Ausbildungsphase?

    BORCHERT: Unbedingt ist an der Zweijährigkeit festzuhalten, so wie wir sie in Bayern ja auch haben, und unbedingt ist die Forderung nach der Zweijährigkeit in den anderen Bundesländern aufrechtzuerhalten. Das ist auch eine Frage der Qualität. Hinzu kommt das Festhalten an zwei Unterrichtsfächern in der Ausbildung. Auch plädieren wir für das Staatsexamen bzw. den Beibehalt des Staatsexamens dort, wo es noch besteht. Wir favorisieren nach wie vor das Staatsexamen am Ende der Ausbildung – ungeachtet der Entwicklung in einigen Bundesländern, und müssen dies immer wieder deutlich machen gegenüber den politisch Verantwortlichen!

    PROFIL: Vielen Dank, lieber Quirin, wir wünschen Dir Erfolg und gutes Gelingen bei Deiner wichtigen neuen Aufgabe, und Dir und Deiner jungen Familie alles Gute daheim in München.

    Mit Quirin Borchert sprach in Düsseldorf Walter Tetzloff

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