Eine Rezension von Walter Tetzloff

Quelle: Reclam
Schon wieder ein Ratgeber für den Lehrerberuf? Ja, aber einer, der es in sich hat! Eine kleine, im Reclam-Verlag erschienene Schrift, die man den folgenden Personengruppen ans Herz legen möchte:
- Abiturientinnen und Abiturienten, die ihre Entscheidung für den Lehrerberuf mit dem Herzen schon getroffen haben, mit dem Kopf aber noch nicht so ganz,
- Lehramtsstudenten, die vor oder manchmal schon in den ersten praktischen Erfahrungen stehen, aber noch nicht alle Zweifel an ihrer Lebensentscheidung ausgeräumt haben,
- junge und gar nicht mehr ganz so junge Lehrkräfte, die gern, aber nach Selbsteinschätzung nicht immer gut (im Sinne von wirksam) unterrichten.
Michael Felten, der selbst auf drei Jahrzehnte pädagogischer Praxis an nordrhein-westfälischen Schulen zurückblickt, ist kein Unbekannter im Deutschen Philologenverband, wo er seit Jahren einen immer größeren Leser- und Zuhörerkreis an sich zieht.
Was macht sein neuestes Buch zu einer besonderen und zu einer besonders hilfreichen Lektüre? Da fallen zunächst die praktischen Beispiele aus dem Schulalltag auf, die Felten anführt. Weit entfernt von einem oberlehrerhaften Perfektionismus und genauso weit entfernt von dem heute so populären Schulstrukturbashing schreibt der Autor mit einer gesunden Mischung aus seinem Erfahrungsschatz als Lehrer und seiner bildungspolitischen Überzeugung ein Plädoyer für diesen von ihm durchaus geliebten Beruf.

Autor Michael Felten, Gymnasiallehrer und Schulentwicklungsberater
Dass man an diesem Beruf scheitern kann und seinen Herausforderungen manchmal nicht gerecht wird, bestreitet Felten nicht. Dass man aber seine Fallen und Tücken erkennen kann und insbesondere einen souveränen Umgang mit Schülerinnen und Schülern lernen kann, davon handelt dieser kluge Band. Ganz handfest und hilfreich sind Michael Feltens Ratschläge mit „unruhigen Klassen“, Störern und Kindern, denen schulische Aufgaben und Konzentration schwerfallen, um hier nur Beispiele zu nennen. Auch Unsicherheiten bei Lehrkräften spürt der Verfasser auf, und seine Empfehlungen zielen auf eine Lehrerrolle, die sich abseits von allwissender Erhabenheit oder unsicherer schülernaher Kumpelattitüde bewegt.
Diese Kapitel, aber auch die Beiträge zu den Themen Inklusion oder pädagogische Freiheit sind nicht nur lesenswert, sondern auch eine anregende, keineswegs theorielastige Lektüre, der man eine große Leserschaft wünscht, damit es noch mehr Kolleginnen und Kollegen gibt, die „gerne und gut unterrichten“.