Zum Tag der deutschen Sprache am 13. September: bpv fordert Fokus auf Handschrift und Rechtschreibung – über die Hand ins Hirn!

    Lehrkräfte an weiterführenden Schulen beklagen zunehmend die Unleserlichkeit von Handschriften und das Desinteresse an Rechtschreibung bei Schülerinnen und Schülern. Erst im vergangenen Jahr veröffentlichte Forschungsergebnisse aus Norwegen zeigen allerdings, dass das Schreiben mit der Hand einen höheren Lerneffekt hat als Tippen auf der Tastatur. Der bpv fordert daher auch im Zeitalter der Digitalisierung, einen klaren Fokus auf das Erlernen und Trainieren der Handschrift und das korrekte Schreiben zu legen: Ohne digitale Korrekturprogramme über die Hand ins Hirn!

    Die Studie der norwegischen Universität fand heraus, dass es beim Schreiben eines Wortes im Vergleich zum Tippen zu einer stärkeren Vernetzung im Gehirn kommt. Durch die Bewegung der Hand werde das Schreiben ganzheitlicher wahrgenommen. Die erhöhte Aktivität im Gehirn wiederum verstärke die Verarbeitung von Informationen und fördere somit das Lernen. Die stellvertretende bpv-Vorsitzende Dagmar Bär meint dazu: „Im Digitalen ist das Tippen von Texten auf dem Vormarsch. Doch wie an so vielen Stellen haben analoge Methoden ganz besonders bei Lernprozessen ihre absolute Berechtigung! Erst wenn ich die deutsche Sprache sicher in Wort und Schrift beherrsche, kann ich in der digitalen Welt methodisch, sachlich und souverän darauf aufbauen.“

    An den weiterführenden Schulen häufen sich die Klagen der Lehrkräfte über ein teils sehr langsames Schreibtempo sowie über teils schwer zu entziffernde Schriftbilder. Bär beschreibt die Situation folgendermaßen: „Gerade in Unterstufenklassen tun sich manche Schülerinnen und Schüler extrem schwer, in einer angemessenen Zeit schriftliche Hefteinträge oder Notizen korrekt anzufertigen. Wenn die ersten schon fertig sind, sind manche gerade bei den ersten Wörtern.“ In so einem Fall scheinen Routine und Training zu fehlen. Doch Bär sieht auch Schwierigkeiten beim Schriftbild: „Im Extremfall kann eine Antwort in einem Leistungsnachweis nicht gewertet werden, weil die Schrift schlicht nicht zu entziffern ist. Das ist für Schüler- wie Lehrerseite gleichermaßen frustrierend. Es gibt sogar Lehrkräfte, die in der Unterstufe am Gymnasium wieder Material mit Linierungen aus der Grundschule zur Verfügung stellen, um sauberes und gleichmäßiges Schreiben zu fördern.“

    Auch die Politik teilt diese Beobachtungen: Denn zum Ende des letzten Schuljahres hat der Bayerische Landtag auf Initiative von Abgeordneten der CSU- und Freie Wähler-Fraktionen einen Beschluss gefasst, der die Bedeutung der Handschrift betont. Mit Hilfe verschiedener didaktischer, pädagogischer und fachlicher Maßnahmen soll der Schrifterwerb in der Grundschule überarbeitet und gefördert werden. Bär resümiert: „Wir begrüßen diesen Beschluss ausdrücklich. An den weiterführenden Schulen hat die Digitalisierung ihren Platz. Schülerinnen und Schüler brauchen aber immer zuerst ein solides analoges Fundament in verschiedenen Bereichen, auf dem sie aufbauen können.“ 

    Die angesprochene Studie der Norwegian University of Science and Technology zu Handschrift und Rechtschreibung ist unter folgendem Link abrufbar: Writing by hand may increase brain connectivity more than typing on a keyboard | EurekAlert!

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