Das Wertebündnis Bayern
Max Schmidt sprach mit Walter Tetzloff

Max Schmidt vom Wertebündnis Bayern mit Redaktionsleiter Walter Tetzloff in Laboe, Quelle: Kobs
Er engagiert sich für und in Bayern, aber seinen Jahresurlaub verbringt er fern vom Freistaat, im hohen Norden Deutschlands, nämlich im beschaulichen Badeort Laboe, an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste: Max Schmidt braucht man den Philologen im Bundesgebiet eigentlich gar nicht vorzustellen. Lange Zeit hat er den Bayerischen Philologenverband geleitet, was jetzt schon sein Nachfolger leistet, aber wer Max Schmidt auf bayerischer und nationaler Ebene erlebt hat, versteht, dass ihn nun als Pensionär (in Bayern: Pensionist) das Ehrenamt nicht loslässt.
So begleitet er seit 2010 das „Wertebündnis Bayern“, dem dann fünf Jahre später eine Verbrauchsstiftung folgte, die er seitdem als Vorstandsvorsitzender zusammen mit Frau Dr. Taubenböck als Geschäftsführender Vorständin leitet.
Wer gehört diesem Wertebündnis an, und welche Ziele verfolgt es? Das Bündnis ist eine hierarchiefreie Konstruktion, dem nur Organisationen, keine Einzelpersonen angehören. Anfänglich waren es 35, inzwischen ist die Zahl der Mitgliedsorganisationen dreistellig (derzeit 233 Organisationen). Mitglied wird, wer sich auf ein Bündnispapier verpflichtet, Werte- und Demokratiebildung für junge Menschen betreibt, einen Sitz in Bayern hat, bayernweit tätig und dem Gemeinwohl verpflichtet ist. Erziehung und Bildung junger Menschen gehören eng zusammen, und das Bündnis will vermeiden, diese Werte und Zielsetzungen nur fachspezifisch zu sehen – ein Vorwurf, der gerade dem Gymnasium gern gemacht wird. Vielmehr geht es den engagierten Bündnispartnern darum, die Gesellschaft zusammenzuhalten, indem man die Werte, die die Basis einer Demokratie bilden, fördert. Dies scheint besonders nötig, weil in Deutschland eine junge Generation herangewachsen ist, für die Frieden, Freiheit und Wohlstand vielleicht nicht immer selbstverständlich, aber doch für die allermeisten die Lebensrealität war.
Natürlich sind Menschenrechte, das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und die Bayerische Verfassung die wichtigsten Grundlagen des Wertebündnisses. Damit keine von ihnen eine Machtstellung in dem Bündnis bekommt, hat jedes Mitglied nur eine Stimme! Das gilt für die Staatskanzlei genauso wie etwa für die Katholische Kirche.
Alle Mitglieder zeichnen sich durch den Willen aus, etwas für die Demokratie zu tun, zumal viele von ihnen schon vor Eintritt erfolgreich mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet haben. Es lohnt sich, gelungene Projekte des Bündnisses exemplarisch herauszustellen:
- So wurde an jeder bayerischen Universität und größeren Fachhochschule eine Vorlesung mit dem Thema „Verantwortung leben“ durchgeführt.
- Besonders erfolgreich war die „Lange Nacht der Demokratie“ oder Projekte gegen den bedauerlicherweise überall in Deutschland zunehmenden Antisemitismus.
- Nicht selbstverständlich und ganz und gar gegen den Zeitgeist ist das Engagement des Bündnisses für eine faire und echte Streitkultur. In einer Gesellschaft, in der Streit als Begriff fast immer negativ besetzt ist („Bundestag streitet über Steuern“), spricht das Projekt „Streit/Förderer“ für sich! Davon zeugen schon die Slogans, mit denen – erfreulich provokant – für eine bessere Streitkultur geworben wird:
ZEITGEIST: Nein zu Andersdenkenden!
STREITGEIST: Ja, interessant!
STREIT IST LIEBE.
NUR LAUTER.
Oder: DEMOKRATIE IST ERST DANN VERLOREN, WENN NIEMAND MEHR STREITET.
Man sieht, das Bündnis scheut Anstrengungen nicht, – im Gegenteil: es propagiert eine anstrengende Demokratie, es setzt sich ein für den schützenswerten Diskurs.
Das alles gelingt mit einem als minimal zu bezeichnenden Kostenaufwand. Weder schlagen Personalkosten sonderlich zu Buche, noch erhalten die Mitgliedsvertreterinnen und -vertreter Fahrtkosten.
Zur Seite steht Max Schmidt Dr. Andrea Taubenböck, die geschäftsführende Vorständin der Stiftung. Sie formuliert die Ziele des Bündnisses so: „Junge Menschen über Wertefragen zum Nachdenken anregen, mit ihnen diskutieren und sie zum Handeln ermuntern …“ (zitiert aus: Der Bayerische Bürgermeister 5/2025). Eindrucksvoll ist die gesellschaftliche Breite der Mitgliedsorganisationen, die von der Trachtenjugend über die Siemens Stiftung zur Islamischen Jugend und zum Israelischen Generalkonsulat reicht.
Die praktische Arbeitsweise ist dadurch bestimmt, dass das Wertebündnis zunächst die Zielgruppe für ein Projekt sucht und danach dann das Projekt gestaltet. Den schwerfälligen umgekehrten Weg mancher Ministerien lehnt es ab.
Die beiden Hauptverantwortlichen für Bündnis und Stiftung können sich ein Wertebündnis auch außerhalb des Freistaats Bayern vorstellen. Die bisherigen Erfolge vermitteln die Botschaft: Zur Nachahmung empfohlen!