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Wie können wir ukrainischen Lehrkräften helfen?

    Liebe Kollegen und Kolleginnen,

    der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat in den vergangenen Monaten unfassbar viel Leid mit sich gebracht. Zuvor hat uns die Corona-Pandemie zwei Jahre Lang in Schach gehalten. Beides hat weltweit und in unserer Gesellschaft vieles nahezu grundlegend verändert. Einstellungen, Verhaltensweisen, Denkmuster, Tagesabläufe – kaum etwas davon ist noch wie vorher und wird absehbar in Zukunft noch einmal so sein.

    Uns stellt sich die Frage: Wo können wir als Lehrerverband, als einzelne Landesverbände, als Deutscher Philologenverband den ukrainischen Lehrkräften konkret helfen? Woher können wir zielgenaue Informationen bekommen? Welche Ratschläge können wir geben, welche bildungspolitischen Forderungen an die Kultuspolitik adressieren zum Besten unserer Schulen und der aufzunehmenden Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte aus der Ukraine? In einem ersten Gespräch mit Oksana Bratkevych, Schulleiterin aus Lwiw, und Tatjana Pavlova vom Goethe-Institut in Kiew besprachen Vertreter und Vertreterinnen des DPhV, des bayerischen und des nordrhein-westfälischen Philologenverbandes, wo das Bildungssystem seit der ukrainischen Schulreform 2018 steht, welche Qualifikationen von ukrainischen Lehrkräften gefordert sind und welche Einsatzmöglichkeiten sie selbst für ukrainische Lehrkräfte in Deutschland sehen. Besonders beeindruckend war in diesem Gespräch die Tapferkeit, die sich geradezu nüchtern in den Aussagen der beiden Frauen, die mit ihren Kindern geflüchtet sind, spiegelte und die für die Kolleginnen den Wunsch äußerten, möglichst bald in unseren Schulen, im Unterricht zu hospitieren und stundenweise zu arbeiten.

    Der DPhV hat sich seit seiner der Sitzung des Bundesausschusses Anfang März mit diesem Thema beschäftigt und hält ein flexibles Reagieren auf die unterschiedlichen Bedarfe für erforderlich. So soll einerseits Unterstützung gewährt werden, dass die ukrainischen Neunt- und Elfklässler ihre zu diesem Zeitpunkt notwendigen ukrainische Abschlüsse erwerben können. Andererseits soll unbedingt eine Integration über das Lernen der deutschen Sprache und eine Integration in das deutsche Schulwesen ermöglicht werden.

    Für pädagogisches Personal und ukrainische Lehrkräfte fordern wir entsprechend geprüfter Qualitätsstandards die schnelle Anerkennung von Abschlüssen, damit diese zumindest übergangsweise in Förderprogrammen und im Unterricht der geflohenen Kinder eingesetzt werden können. Und selbstverständlich brauchen die Schulen zusätzliche Sozialarbeiter und Schulpsychologen, da viele Kinder und Jugendliche durch die Kriegshandlungen und Flucht traumatisiert sind. Wir brauchen eine qualifizierte Sprachförderung im Hinblick auf Deutsch als Zweit- und Bildungssprache, damit die Kinder und Jugendlichen die Anforderungen in allen Fächern erfolgreich bewältigen können. In Nachtragshaushalten müssen rasch zusätzliche Stellen für die laufenden Einstellungsverfahren geschaffen werden, denn es kann nicht sein, dass die ohnehin vorhandenen Lücken der Lehrerversorgung noch weiter aufgerissen werden. Und für die notwendigen Angebote brauchen die Schulen zusätzliche Ressourcen – seien es Anrechnungsstunden für diejenigen, die Angebote organisieren, seien es zusätzliche Einstellungsmöglichkeiten.

    Unbenommen dieser gewerkschaftlichen Forderungen betonten beide Expertinnen, wie positiv sämtliche bisher eingegangenen Resonanzen der Schülerinnen und Schüler seien, die bislang an unseren Schulen aufgenommen wurden.

    Möge es für die Betroffenen so bleiben – und mögen die politisch Verantwortlichen schnell, tatkräftig und umsichtig agieren. Unsere Lehrkräfte an den Schulen tun es bereits. Und die betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie ihre Familien nehmen dies dankbar wahr.

    Ich verbleibe mit dankbaren Grüßen an Sie!

    Susanne Lin-Klitzing

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