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PhV BW anlässlich seiner Landespressekonferenz zum Thema „2 Jahre Corona“ mit der Vorstellung der Ergebnisse einer repräsentativen forsa-Studie zu aktuellen bildungspolitischen Themen

    Umfrage unter Eltern zeigt deutlichen Handlungsbedarf auf bei der Aufarbeitung der coronabedingten Lerndefizite und für eine bessere Ausstattung der Schulen:

    • Lernerfolg der Kinder durch Corona deutlich beeinträchtigt
    • „Rückenwind“-Maßnahmen zum Aufholen von Lernlücken bislang nicht ausreichend
    • Immer noch kaum Raumluftfilter in den Unterrichtsräumen
    • Digitalisierung der Schulen erst auf halber Strecke
    • Überwältigende Mehrheit der Eltern für Ausbau der G9-Angebote
    • Deutliche Forderung der Eltern nach kleineren Klassen

    PhV-Vorsitzender Ralf Scholl: „Zusätzliche Investitionen in unser Bildungssystem sind dringend erforderlich.“

    Der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) hat am 16.03.2022 die Ergebnisse einer repräsentativen forsa-Studie zu den Auswirkungen von Corona auf den Schulbetrieb und die Kinder und Jugendlichen vorgelegt. Zwischen dem 02.02.2022 und dem 22.02.2022 wurden in der forsa-Studie dafür 1006 repräsentativ ausgewählte Eltern und Erziehungsberechtigte in Baden-Württemberg befragt, die aktuell Kinder in der Schule haben.

    Demnach

    • ist laut forsa-Studie bei 62% der Kinder der Lernerfolg durch Corona deutlich beeinträchtigt:
      29% der Eltern stimmten dieser Frage „voll und ganz“ zu, 33% mit „eher ja“. 24% stimmen „eher nicht“ zu, 10% „gar nicht“ (der Rest machte keine Angaben).
    • ist bei 42% der Kinder die sozial-emotionale Entwicklung deutlich beeinträchtigt:
      13 % sagten „sehr stark“, 29% „stark“, 47% „wenig“, 9% „gar nicht“ (Rest: keine Angabe).
    • nehmen nur 5% der Kinder bisher an einer „Rückenwind“-Maßnahme teil, 93% aber nicht (Rest: keine Angabe).
    • sind die „Rückenwind“-Maßnahmen für die teilnehmenden Kinder aber nicht ausreichend, wie 2/3 der Eltern von teilnehmenden Kindern angeben.
    • erklären 29% der Eltern von nicht an Rückenwind teilnehmenden Kindern: Es gibt kein passendes Angebot an der Schule für mein Kind.
    • erklären 5%, dass ihr Kind an privat organisierten Fördermaßnahmen teilnimmt.
    • erklären 51%, dass ihr Kind kein solches Programm benötigt.
    • sind nur in einem Drittel aller Klassenräume CO2-Ampeln vorhanden,
    • und nur in 14% aller Klassenräume Raumluftreinigungsgeräte vorhanden.
    • wurde 44% aller Kinder ein digitales Endgerät von der Schule zum Ausleihen angeboten, wobei nur 11% es benötigten. (Die anderen hatten ein privates Gerät.)
    • wurde 52% der Schüler noch kein digitales Endgerät von Seiten der Schule angeboten.

    Auf die Frage nach acht- oder neunjährigem Gymnasium sprachen sich laut forsa-Studie nur 6% der Eltern für ein ausschließliches G8 aus, 62% für ein ausschließliches G9 und 29% für eine Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9.
    Mit anderen Worten: 91% der Eltern wollen die Möglichkeit von G9 vor Ort!
    „Die Landespolitik muss endlich die Konsequenzen aus dieser deutlichen Positionierung der Eltern aller Schulformen ziehen und zusätzliche G9-Angebote an den Gymnasien schaffen“, fordert der PhV-Landesvorsitzende Ralf Scholl.

    Auf die Frage nach kleineren Klassen in der forsa-Studie präferierten 51% eine Klassengröße bis zu 20 Schülern, 26% eine Klassengröße bis zu 24 Schülern und 20% eine Klassengröße von bis zu 16 Schülern. Für Klassengrößen bis zu 27 Schülern oder überhaupt keine Verkleinerung der Klassen votierten zusammen nur 4% der Befragten.

    Auf die Frage „Sollten die Schulträger und das Land Baden-Württemberg mehr finanzielle Mittel in eine bessere Ausstattung der Schulen und mehr Lehrkräfte investieren, auch wenn dafür andere Projekte des Landes oder der Kommunen zurückstehen müssen?“ antworteten 94% der befragten Eltern mit „ja“, nur 3% mit „nein“.
    Der Philologenverband nimmt die Ergebnisse dieser Umfrage zum Anlass, die Landesregierung zu fragen, wie sie die Aufarbeitung der Corona-Defizite bei den Schülerinnen und Schülern weiter angehen will: Das Rückenwind-Programm erreicht bisher nur 5% aller Schüler. Mehr als die fünffache Anzahl hätte aber eine solche gezielte Förderung nötig, hat aber noch kein passendes Angebot erhalten, wie die befragten Eltern erklären.
    Die Digitalisierung der Schulen ist auf bestenfalls halbem Weg stecken geblieben. 52% der Schüler wurde von ihrer Schule bisher noch kein Gerät angeboten.

    Der Schutz der Klassenräume gegen Corona ist auch zwei Jahre nach Beginn der Pandemie absolut löchrig: Nur ein Drittel aller Klassenräume hat CO2-Ampeln, nur 14% Raumluftreiniger.

    Die Inzidenzen bei den 10-19-Jährigen werden voraussichtlich schon diese Woche mit Werten von 4000 auf neue Höchststände anwachsen.
    Und das Kultusministerium redet über die Abschaffung der Maskenpflicht und hat erst am 14.03.2022 den Schulen die Verminderung der Testungen von drei auf zwei Tests pro Woche mitgeteilt. Der PhV-Vorsitzende Ralf Scholl begrüßt die Ankündigung der Landesregierung, dass die Maskenpflicht an den Schulen in Baden-Württemberg zumindest bis zum 02.04.2022 beibehalten werden soll. Er fordert Bund und Land auf, nicht wenige Meter vor dem Ziel voreilig Schutzmaßnahmen zu beenden. Das einfachste wäre aus seiner Sicht, die Gültigkeit des Infektionsschutzgesetzes um ein bis zwei Monate zu verlängern. „Die Anzahl der Corona-Patienten auf Normalstationen ist so hoch wie noch nie“, erklärt Ralf Scholl. „Und die Kinder und Jugendlichen stecken – einmal in der Schule oder im Kindergarten infiziert – jeweils ihre ganze Familie an, wie wir alle in den letzten Wochen selbst beobachten konnten. Dass viele Erkrankte auch nach nur leichter Infektion teilweise massive Long-Covid-Symptome entwickeln, scheint insbesondere die Bundesregierung wenig bis gar nicht zu interessieren.“

    Insbesondere die eindeutige Bejahung von 94% der Befragten, ob mehr Geld in die Schulen und mehr Lehrkräfte investiert werden soll, auch wenn andere Projekte dafür zurückgestellt werden müssen, bewertet Ralf Scholl als eine schallende Ohrfeige für die bisherige Prioritätensetzung der Landesregierung und der Kommunen.
    „Liebe Entscheidungsträger, lassen Sie endlich Ihren blumigen Sonntagsreden Taten folgen und investieren Sie das benötigte Geld in unser Bildungssystem, damit „the Länd“ nicht weiter abstürzt, sondern in der Bildung wieder an die Spitze kommen kann! Das ist auch für unsere Wirtschaft absolut essentiell“, erklärt der PhV-Landesvorsitzende.

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