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Der Klimawandel in Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien

Von Rainer Starke und Steffen Pabst* 

Berlin – Im Juli dieses Jahres machten sich 52 Prozent der deutschen Bevölkerung große Sorge über den Klimawandel. 62 Prozent glaubten, dass die Überschwemmungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen Folge einer langfristigen Klimaveränderung sind. 60 Prozent waren aber auch der Auffassung, dass der technische Fortschritt wesentlich dazu beitragen kann, die Klimabelastung zu verringern, ermittelte das Institut für Demoskopie Allensbach. [3] 

Das Wissen über den Klimawandel und dessen Ursachen wird bei den Schülerinnen und Schülern und bei deren Eltern nicht unwesentlich über entsprechende Unterrichtsinhalte bestimmt.  

Besonders ist hier das Unterrichtsfach Erdkunde zu nennen, denn schon immer nahmen Fragen des Schutzes der natürlichen Grundlagen und damit auch des Klimas einen zentralen Platz im Geographieunterricht ein.  

Verankerung des Klimawandels in den Lehrplänen der Länder 

„Die Menschheit steht zu Beginn des 21. Jahrhunderts vor grundlegenden Herausforderungen wie der Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen für Folgegenerationen durch nachhaltiges Wirtschaften sowie durch soziales und verträgliches Handeln …“, heißt es im Bildungsbeitrag des Faches Erdkunde, Kerncurriculum Niedersachsen. Der Klimawandel ist in den jeweiligen Jahrgangsstufen und in einzelnen Unterrichtsthemen verankert. Das niedersächsische Curriculum ist offener als der Lehrplan in Sachsen formuliert, stärker verankert ist allerdings der Klimawandel. In Sachsen obliegt es stärker der einzelnen Lehrkraft, den Klimawandel bei einzelnen Themen zu berücksichtigen. Beispielhaft erfolgen mit Niedersachsen und Sachsen die Angaben für ein ehemals „altes” und ein ehemals „neues” Bundesland. 

Sehen Sie hier die Übersicht der Lehrpläne.

Bewusstseinsförderung zum Klimawandel durch Lehrbücher  

In den Schulbüchern wird eine Vielzahl von Materialien wissenschaftlicher Institute zur Erläuterung und Erörterung des Klimawandels für die Schülerinnen und Schüler zusammengestellt.  

Beispiel 1: Klimawandel in Deutschland 

Der UN-Klimarat IPCC hat Szenarien für die Entwicklung der Treibhausgasemissionen und des damit verbundenen Temperaturanstiegs entwickelt. Das Szenarium RCP 2.6 bildet die Entwicklung ab, bei der die Erwärmung aufgrund massiver Klimaschutzanstrengungen unter 2°C bleiben würde. Beim Szenarium RCP 8.5 werden nur geringe Maßnahmen zum Klimaschutz unternommen. Das Bildungsportal des Potsdam-Instituts für Klimaforschung bietet Szenarien zum Klimawandel in Deutschland. Abrufbar sind z. B. Klimawandelfolgen für die Land- und Forstwirtschaft, Wasser, Gesundheit und Tourismus unter www.klimafolgenonline-bildung.de.    

Weltklimarat: Den Klimawandel bekämpfen und für die Folgen Vorsorge betreiben 

Der IPCC-Bericht zeigt deutlich auf, dass die Aktivitäten des Menschen das Klima bereits jetzt in einen Zustand versetzt haben, wie er in der bisherigen Menschheitsgeschichte noch nie aufgetreten ist. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist sogar so hoch wie schon seit zwei Millionen Jahren nicht mehr. Hervorgehoben wird auch die beispiellose Geschwindigkeit, mit denen die Änderungen voranschreiten. So gab es zumindest in den letzten 2000 Jahren keine so schnellen globalen Temperaturerhöhungen wie aktuell und die Konzentrationen der Treibhausgase CO2 und Methan steigen seit 1850 sogar schneller als jemals in den letzten 800 000 Jahren. 

Schon bei einer globalen Erwärmung von 1,5 Grad werden Hitzewellen sowie Starkregenereignisse und somit Überschwemmungen in Europa und vielen weiteren Regionen der Welt deutlich häufiger auftreten und verheerender sein. Außerdem können besonders bei stärkerer globaler Erwärmung auch bislang unwahrscheinliche, aber katastrophale Ereignisse nicht ausgeschlossen werden. Hierzu zählen starke Änderungen in der räumlichen Verteilung von Niederschlagsmustern sowie der Zusammenbruch der Eisschilde der Arktis und Antarktis, was einen Meeresspiegelanstieg um mehrere Meter verursachen würde. 

Um die Pariser Klimaziele noch erreichen zu können, müssen laut IPCC die weltweiten Treibhausgasemissionen ab den 2020er Jahren sinken – also ab sofort. Im Jahr 2050 müssen die globalen CO2-Emissionen netto Null erreichen. Hierfür sind ambitionierte Emissionsminderungen notwendig. Gleichzeitig geht der IPCC davon aus, dass zusätzlich zu diesen Minderungen CO2 spätestens in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts aus der Atmosphäre entfernt werden muss, um die Klimaziele zu erreichen. 

Hintergrund zum Sechsten IPCC-Sachstandsbericht: Der vorliegende, erste Band des Sechsten IPCC-Sachstandsberichts informiert über die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels. Die kommenden zwei Bände des Berichts werden im Februar und März 2022 erscheinen. Sie informieren über den weltweiten Kenntnisstand zu Risiken und Folgen des Klimawandels für Menschen und Ökosysteme, die Möglichkeiten zur Anpassung an den Klimawandel und Optionen zur Minderung des Klimawandels, gaben Bundesumweltministerium und Bundesbildungsministerium im August bekannt. [5] 

Diese Broschüre stellt der Freistaat Sachsen bereit, Credit: Sachsen.de

Beispiel 2: Klimawandel in Sachsen  

Anhand der Broschüre „Klimawandel in Sachsen – wir passen uns an“ haben sich Schülerinnen und Schüler des Julius-Ambrosius-Hülße-Gymnasiums Dresden mit den Folgen des Klimawandels auseinandergesetzt.  

In einer Gruppenarbeit zum Klimawandel in Sachsen wurden die Auswirkungen des Klimawandels in der Landwirtschaft, auf den Boden, auf den Wald und die Forstwirtschaft, auf den Wasserhalthalt und die Wasserwirtschaft sowie auf die biologische Vielfalt und den Naturschutz analysiert. Es sollte aber nicht nur eine Beschreibung der derzeitigen Situation erfolgen. Für die fünf Arbeitsgruppen bestand der Auftrag, zu untersuchen, wie eine Anpassung an den Klimawandel erfolgen kann und ausgewählte Maßnahmen sollten auf ihre Nachhaltigkeit bewertet werden. Mit der Anfertigung eines Posters im A1-Format durch jede Arbeitsgruppe sind die Ergebnisse auch für alle Schülerinnen und Schüler im Schulgebäude sichtbar und regen an, sich mit der Problematik auch außerhalb des Unterrichts in den Pausen auseinanderzusetzen. Jede Arbeitsgruppe hat im Kursunterricht 11 ihr Poster vorgestellt und anhand einer Präsentation einzelne nachhaltige Handlungsoptionen zur Bewältigung des Klimawandels dargestellt.   

In dem Band „The Hindu Kush Assessment“ von ICIMOD sind eine Vielzahl weiterer Materialien zum Klimawandel in Zentral-, Ost- und Südostasien enthalten, Credit: ICIMOD

Beispiel 3: Klimawandel in der Polarregion 

Besonders gravierend hat sich die Erderwärmung in den letzten Jahrzehnten in den Polregionen ausgewirkt. Nicht nur die Meereisfläche nimmt ab, sondern auch die Meereisdicke. 1979 waren im April 16 Millionen km2 mit Eis bedeckt und 2020 nur 14,5 km2. In den 1960er-Jahren lag die Meereisdicke bei durchschnittlich 3,00 m, 1990 bei 2,00 m und in den letzten beiden Jahren bei 0,90 m. 2050 könnte das Nordpolarmeer im Sommer eisfrei sein. Nicht nur die Polargebiete selbst, auch der subpolare Raum ist durch das stärkere Auftauen des Permafrostbodens vom Klimawandel betroffen. Umfangreiche Materialien bietet das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven auf der Website www.awi.de und das meereisportal.de an.  

Beispiel 4: Überschwemmungskatastrophen und Wassermangel durch Schmelzen der Gletscher am Hindukusch 

Umfangreiche Materialien hat das Forschungsinstitut International Centre for Integrated Mountain Development (ICIMOD) in Nepal im Band „The Hindu Kush Himalaya Assessment“ veröffentlicht. 

In einer Pressemitteilung des Instituts 2019 hieß es: 

Quellen:   

[1] Kerncurriculum für das Gymnasium, Schuljahrgänge 5 – 10, Erdkunde. Hrsg. v. Niedersächsischen Kultusministerium. Hannover 2015 

[2] Kerncurriculum für das Gymnasium – gymnasiale Oberstufe, die Gesamtschule – gymnasiale Oberstufe, das Abendgymnasium, das Kolleg, Erdkunde. Hrsg. v. Niedersächsischen Kultusministerium. Hannover 2017 

[3] Köcher, Renate, Institut für Demoskopie Allensbach. Deutsche Fragen – Deutsche Antworten. Wahl im Zeichen des Klimawandels? in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 27.07.2021 

[4] Lehrplan Gymnasium Geographie 2004/2009/2011/2029. Hrsg. v. 

Sächsisches Staatsministerium für Kultus. Dresden 2019 

[5] Pressemitteilung des BMBF, 09.08.2021https://www.bmbf.de/bmbf/shareddocs/pressemitteilungen/de/2021/08/090821-Weltklimarat.html 

 

*Rainer Starke: ehemals Leiter eines Gymnasiums, kooptiertes Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes, Mitautor zahlreicher Geographielehrbücher, Mitarbeit in Niedersachsen am Kerncurriculum Gymnasium des Faches Erdkunde 

Steffen Pabst: Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes, Gymnasiallehrer für die Fächer Mathematik und Geographie, Mitautor von Geographielehrbüchern 

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