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PhV BW zu ersten Abiturprüfungen an Gemeinschaftsschulen (GMS)

  • Philologenverband: Wahlfreiheit zwischen G9 und G8 an Gymnasien statt eines weiteren Ausbaus von Oberstufen an Gemeinschaftsschulen
  • PhV-Vorsitzender Ralf Scholl: „Gymnasiale Oberstufen an GMS bringen keinen Mehrwert und wurden nur aufgrund geschönter Bedarfszahlen eingeführt“
  • Forderung nach einer wissenschaftlichen Untersuchung der Bildungsleistungen der Gemeinschaftsschulen und einem tragfähigen pädagogischen Konzept

Der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) gratuliert den ersten Abiturienten an drei Gemeinschaftsschulen (GMS) im Land zum erfolgreichen Abschluss. Gleichzeitig erneuert der PhV seine grundsätzliche Kritik an den GMS-Oberstufen. Statt eines weiteren, extrem teuren Ausbaus fordert der Verband der gymnasialen Lehrkräfte die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 für alle Gymnasien.

„Die Landesregierung baut mit den GMS-Oberstufen eine unnötige und extrem teure Doppelstruktur auf“, kritisiert der PhV-Landesvorsitzende Ralf Scholl.
Die bisherigen Oberstufen an Gemeinschaftsschulen seien ausnahmslos auf der Grundlage geschönter Zahlen eingerichtet worden: In Konstanz startete die Gemeinschaftsschule mit 50 Oberstufen-Schülern, in Tübingen mit 36. Prognostiziert wurden vorher 87 bzw. 60 Schüler. Die Mindestschülerzahl für die Einrichtung einer GMS-Oberstufe sind 60 Schüler.
Das Abitur legten in Konstanz 44 und in Tübingen 30 Schüler ab. „Dieser Schwund von 12 bis 20 % der gestarteten Schüler bis zum Abitur ist sehr hoch“, erklärt Ralf Scholl, „das kennen wir von den Gymnasien so nicht.“
Erschwerend komme hinzu, dass viele Schüler der GMS-Oberstufen ursprünglich von benachbarten Gymnasien stammen, von wo sie auf die GMS gewechselt hätten, weil sie sich mit dem achtjährigen Gymnasium schwertun – so die Aussage der Schulleiterin der GMS Tübingen-West, Angela Keppel-Allgaier, gegenüber der Stuttgarter Zeitung am 20.07.2021.

„Derart kleine Oberstufen sind ausgesprochen problematisch, da sie für die Schülerinnen und Schüler nur dann eine ausreichende Wahlfreiheit bei Leistungs- und Basiskursen bieten können, wenn sie sehr eng mit den benachbarten Gymnasien kooperieren“, erklärt der PhV-Landesvorsitzende.
„Wenn diese Oberstufen ohnehin nicht allein überlebensfähig sind, warum müssen sie dann überhaupt eingerichtet werden? Auch bei den weiteren neuen GMS-Oberstufen sind ähnlich geringe Schülerzahlen zu erwarten.“

Viel wichtiger und sinnvoller als die Schaffung zusätzlicher Oberstufen an Gemeinschaftsschulen wäre es aus Sicht von Ralf Scholl, den allgemeinbildenden Gymnasien endlich flächendeckend eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 einzuräumen. „Wann wird die grün-schwarze Landesregierung endlich ihr Handeln daran ausrichten, dass ein großer Teil der Eltern und Lehrkräfte sich für ein neunjähriges Gymnasium ausspricht?“, fragt der PhV-Landesvorsitzende. Die große Nachfrage nach den G9-Gymnasien zeige sich nicht nur in Umfragen, sondern auch alljährlich bei den Anmeldeverfahren, in denen vielfach Plätze verlost und Schüler abgewiesen werden müssen. „Es muss endlich für alle Gymnasien die Möglichkeit geben, sich frei entscheiden zu können, ob sie ihre Schüler in acht oder in neun Jahren zum Abitur führen wollen – oder ob sie beide Züge parallel anbieten wollen“, so Ralf Scholl.

Bezüglich der Gemeinschaftsschulen kritisiert der Philologenverband weiterhin das Fehlen einer wissenschaftlichen Evaluation, die die Bildungsleistungen und Lernerfolge der Schülerinnen und Schüler an dieser Schulart anhand von objektiven, nachvollziehbaren Kriterien analysiert. „Eine solche Untersuchung ist längst überfällig und wäre eine wichtige Basis, um zu ermitteln, wo die extrem teure Schulart GMS (Sachkostenzuschuss pro Schüler 2018 und 2019 an der GMS 1.312 Euro, am Gymnasium 841 Euro bzw. 904 Euro) leistungsmäßig überhaupt steht und wie ein tragfähiges pädagogisches Konzept für alle GMS-Schüler aussehen könnte“, erklärt der PhV-Landesvorsitzende abschließend.

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