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hphv empört über die mangelnde Sensibilität des Ministerpräsidenten

Ein offener Brief des Landesvorsitzenden Reinhard Schwab an Ministerpräsident Volker Bouffier:

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

in Ihrer Regierungserklärung vom 16. März haben Sie Unverständnis darüber geäußert, dass Hessens Lehrerinnen und Lehrer die Schulöffnungen in der aktuellen Lage kritisch hinterfragen. Sie wiesen darauf hin, dass die Lehrkräfte doch zu den privilegierten Gruppen gehörten, die seit Monaten wöchentlich kostenlos getestet werden könnten. Entscheidend für einen erfolgreichen Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen aber wäre, dass es, wie in unserem Nachbarland Österreich, einen Pflicht-Antigentest für Schüler- und Lehrerschaft mindestens wöchentlich, am besten täglich, gibt, sobald es zum Wechselunterricht kommt (vgl. zu Österreich: Antigen-Selbsttests für alle Schülerinnen und Schüler – Ergebnis in nur 15 Minuten (bmbwf.gv.at)/ https://www.bmbwf.gv.at/Themen/schule/beratung/corona/selbsttest.html).

 

Denn: Der Test der Lehrkraft verhindert möglicherweise, dass eine Lehrkraft andere Personen ansteckt, schützt die Lehrkraft aber nicht vor der Ansteckung durch die täglich ca. 90  Schülerinnen und Schüler aus 90 verschiedenen Haushalten, mit denen sie sich in Klassenräumen von 35 qm bis 40 qm aufhält (in Läden verlangt die Hessische Landesregierung, dass trotz Maske pro Person 10 qm zur Verfügung stehen).

 

In vielen Klassenräumen in Gymnasien, in denen der Klassenteiler bei 30 Schülerinnen/Schülern liegt, ist darüber hinaus der Mindestabstand von 1,5 m nicht einmal beim Wechselunterricht einzuhalten, wenn alle Klassen nur mit halber Besetzung anwesend sind; selbst wenn alle größeren Ausweichräume genutzt werden.

 

Uns Lehrkräften liegt eine rasche und nachhaltige Schulöffnung sehr am Herzen. Wir sehen täglich, wie stark der Lernfortschritt unserer Schülerinnen und Schüler durch den Distanzunterricht verlangsamt wird und wie groß die psychischen Folgen der realen Vereinsamung sind.

Daher fordern wir Sie auf, die kommenden Wochen zu nutzen, um endlich die Kapazitäten einzukaufen und aufzubauen, die es erlauben, prioritär Schülerinnen und Schüler zu testen und das Lehrpersonal aller (!) Schulformen zu impfen, damit der Unterricht ohne Unterbrechungen und in Präsenz für alle weitergeführt werden kann. So viel sollten Ihnen die Bildung und das psychische Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen wert sein.

 

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard Schwab, Landesvorsitzender

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