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BPV: Sehenden Auges in einen dramatischen Lehrermangel am Gymnasium

Einstellungen: Es werden weiterhin nur Löcher gestopft, anstatt nachhaltig einzustellen

Es ist fast wie bei Bill Murray und dem Murmeltier. Leider handelt es sich nicht um eine Komödie, sondern um ein tragisches Schauspiel: Jedes Jahr moniert der Bayerische Philologenverband (bpv) die niedrigen Einstellungszahlen, jedes Jahr warnen die Experten vor einem dramatischen Lehrermangel am Gymnasium und jedes Jahr tut sich – nichts. Dabei wird die Situation immer schlimmer.

Fakt ist:

  • Bis zum September 2025 müssen aufgrund des neuen G9 rund 1500 zusätzliche Lehrerstellen an den bayerischen Gymnasien besetzt werden.
  • Momentan sinkt die Zahl der Referendare und Studierenden beim Lehramt Gymnasium.
  • Die Warteliste für das Lehramt an Gymnasien ist in manchen Fächerkombinationen fast leer.
  • Zum Halbjahr werden nur 40 Prozent der 465 Bewerber mit Lehramt Gymnasium am Gymna­sium eingestellt, zehn Prozent gehen an Berufliche Oberschulen, zehn Prozent nehmen an der Zweitqualifizierungsmaßnahme für Grund- und Mittelschulen teil, 40 Prozent bekommen gar keine feste Stelle angeboten.
  • An den 320 staatlichen bayerischen Gymnasien herrscht bereits jetzt Personalknappheit, viele Stunden werden von Team- und Aushilfslehrkräften übernommen.

„Allen Beteiligten, den Politikern und auch den Ministerien sind diese Fakten seit Jahren bekannt. Die bayerischen Gymnasien laufen sehenden Auges in einen dramatischen Lehrermangel am Gymnasium, der hausgemacht ist“, klagt Quirin Borchert, der Vorsitzende der Referendar- und Jungphilologenvertre­tung (rjv) im bpv. „Anstatt das Steuergeld langfristig und nachhaltig anzulegen, anstatt feste Plan­stellen zu schaffen investiert der Staat in kurzfristige, nicht hinreichend qualifizierte Team- und Aus­hilfslehrkräfte. Darunter leiden die Lehrkräfte, die trotz guter Ausbildung im Referendariat nur eine befristete Perspektive haben. Darunter leiden die Schulleitungen, weil sie ständig neues Personal suchen und durch die Kollegen einlernen müssen und es eine hohe Fluktuation gibt. Darunter leiden aber vor allem die Schülerinnen und Schüler, weil spätestens in drei Jahren Lehrer fehlen werden und sie dann womöglich von Seiteneinsteigern auf das Abitur vorbereitet werden”, erläutert Bor­chert. Aus dieser kurzsichtigen Einstellungspraxis folgt, dass viele gut ausgebildete junge Lehrkräf­te, die keine feste Stelle erhalten, an andere Schularten oder in andere Bundesländer wechseln. „Der Freistaat hat massiv in die Nachwuchslehrer investiert, ihnen ein anspruchsvolles Studium und Referendariat ermöglicht. Jetzt lässt er sie im Regen stehen und sieht zu, wie sie sich Alternativen suchen, weil sie keine berufliche Zukunft in Bayern sehen ”, fasst Borchert zusammen.

Lösung: Nachhaltig einstellen

Die rjv weist seit Jahren auf die Lösung des Problems hin: Die jungen motivierten Lehrer müssen jetzt eine feste Stelle bekommen und an den Freistaat gebunden werden, damit dieser von seiner Investition profitieren kann. Um allein die 1000 bereits im Haushalt des Freistaates verankerten, zusätzlichen Stellen bis 2024 besetzen zu können, müssten jährlich rund 330 Kolleginnen und Kollegen zusätzlich eingestellt werden, das ist durchschnittlich ein zusätzlicher Lehrer pro Schule. Dieser minimale Personalüberhang kann genutzt werden, um coronabedingte Lücken bei den Schülern zu schließen, Lerngruppen zu verkleinern und Zusatzangebote vor Ort auszubauen.

„Die Lücken, die Corona bei unseren Schülern aufgerissen hat, können aufgeholt werden. Am besten durch gut ausgebildete bayerische Gymnasiallehrer”, endet Borchert.

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