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Statement des PhVN zur 10-Punkte-Agenda: Fahrplan, der seine Tauglichkeit in der Praxis noch beweisen muss

Der Vorsitzende des Philologenverbandes Niedersachsen äußert sich zur heute vorgestellten 10-Punkte-Agenda des Niedersächsischen Kultusministers:

„Mit der 10-Punkte-Agenda hat der Kultusminister nach der Veröffentlichung des ‚Corona-Stufenplans 2.0‘ durch die Niedersächsische Staatskanzlei einen flankierenden Fahrplan für die Organisation des Schulbetriebs in den nächsten Monaten vorgelegt. Auch wenn man grundsätzlich fragen kann, warum erst jetzt, begrüßen wir die Einsicht in notwendige Regelungen, die wir seit Langem fordern, und erkennen die Anstrengungen der Kultusverwaltung an.

Die Absicht, „bestmögliche Sicherheit und Verlässlichkeit für die kommende Zeit“ zu gewährleisten, ist allerdings ein Versprechen, das durch die Realität erst noch eingelöst werden muss. Gute Ansätze sind in der 10-Punkte-Agenda vorhanden:

Die Rahmenbedingungen für die Lehrkräfte und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Schulen und Kitas werden verbessert. Es ist angekündigt, dass FFP2-Masken zur Verfügung gestellt werden sollen, endlich dürfen sich ab 15. Februar alle Bediensteten kostenlos einmal die Woche testen lassen, endlich wird den Lehrkräften auch in Niedersachsen verbindlich eine Ausstattung mit Dienstgeräten für den Distanzunterricht zugesagt. Dass klare Rahmenvorgaben für den Distanzunterricht per Erlass herausgegeben werden sollen, ist angesichts des Wildwuchses an manchen Schulen dringend geboten. Dazu gehören auch klare Entlastungsregelungen für Lehrkräfte, die durch dauernden Wechsel zwischen Unterrichtsszenarien mit hohen Ansprüchen bereits am Limit arbeiten.

Wir begrüßen ausdrücklich das Bekenntnis zu einem qualitativ orientierten Unterricht mit Leistungsnachweisen und Abschlüssen bis hin zum Abitur, die jeder Schülerin und jedem Schüler ermöglicht werden. Das Recht auf Bildung geht mit einem Recht auf eine Prüfung einher, mit der dokumentiert werden kann, dass es sich nicht um „minderwertige“ Corona-Abschlüsse handelt, ganz bedeutsam für die persönliche Anerkennung und den weiteren Ausbildungsweg. Die Corona-Krise darf kein Anlass sein, den Bildungsauftrag der einzelnen Schulformen auszuhöhlen.

Jetzt kommt es besonders darauf an, versäumten Lernstoff nachzuholen und alle Schülerinnen und Schüler individuell weiter zu fördern. Das Angebot, „Lernräume“ dafür bis zum Ende der Sommerferien vorzuhalten, wird dafür nicht ausreichen. In den nächsten Jahren müssen schulische Fördermöglichkeiten ausgebaut werden. Auf keinen Fall dürfen aber Qualitätsstandards in den Kerncurricula und Lehrplänen gesenkt werden, so dass das Bildungsniveau insgesamt sinkt. Unterricht muss im Mittelpunkt stehen, auf unterrichtsfernere Projekte wie einen gendermäßig eng gefassten Zukunftstag kann eher verzichtet werden. An den Gymnasien wird die ermöglichte Flexibilisierung der Stundentafel und damit eine noch unterschiedlichere Gewichtung der Fächer am Grenzen stoßen und ist derzeit auch nicht notwendig.

Fazit: Auf den ersten Blick werden in der Agenda viele Forderungen des Philologenverbandes berücksichtigt. Es bleibt die Frage, ob diesen Worten auch konsequent schnelle Taten folgen. Bezogen auf Teststrategien, Impf-möglichkeiten und den Ausbau der digitalen Rahmenbedingungen müssen die Anstrengungen forciert werden. Denn ohne ausreichend geschützte Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler wird es kein Zurück zu einem Normalbetrieb von Schule geben.

Als Fahrplan für die nächste Zeit bietet der Aktionsplan eine sinnvolle Orientierung, aber seine Tauglichkeit muss er noch in der Praxis beweisen.“

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