DPhV Pressemitteilungen

29.07.10

Neuregelung der steuerlichen Absetzbarkeit des häuslichen Arbeitszimmers verfassungswidrig!

DPhV sieht sich in seiner Rechtsauffassung bestätigt

19.07.10

Hamburger Volksentscheid:

Phantastischer Erfolg der Elterninitiative mit bundesweiter Signalwirkung

Meidinger regt deutschlandweites zehnjähriges Moratorium gegen weitere Struktureingriffe an!

 

16.07.10

Das Primarschulmodell ist schon jetzt gescheitert!

Der Deutsche Philologenverband sieht die Hamburger Schulreform unabhängig vom voraussichtlich knappen Ausgang am Sonntag bereits zum jetzigen Zeitpunkt als gescheitert an und fordert den Hamburger Senat auf, auf die Einführung der P

Profil 12/2009 (14.12.2009)

Pass auf, Hamburg!

von Heinz-Peter Meidinger

Die von einer Bürgerinitiative ohne Unterstützung großer Parteien und Verbände gesammelten 184 000 Stimmen (mehr als dreimal soviel als erforderlich) für einen Volksentscheid gegen die von Schwarz-Grün in Hamburg geplante Primarschulreform mit zwangsweiser Verlängerung der Grundschule auf sechs Jahre war ein Fanal, das selbst den sonst so souverän wirkenden Bürgermeister und die zuständige Schulsenatorin sichtlich aus der Fassung brachte. Letztere sagte daraufhin ihre bevorstehende mehrwöchige Dienstreise nach China ab, wo sie auf die Suche nach neuen wertvollen Erkenntnissen für die Bildungspolitik gehen wollte.

Was ist falsch gelaufen in der Hamburger Schulpolitik?

Da haben wir zunächst einen Ersten Bürgermeister, Ole von Beust, der sich in der Vergangenheit um Bildungspolitik, wie selbst Parteifreunde einräumen, kaum gekümmert hat. Vor eineinhalb Jahren machte er im Zusammenhang mit der Stressdebatte um das G8 den Vorschlag, die von der Kultusministerkonferenz vorgeschriebene Mindeststundenzahl von 265 Jahreswochenstunden auf 240 zu senken. Das hätte bedeutet, dass Hamburger Gymnasiasten den Minusweltrekord an Unterrichtsstunden bis zum Abitur gehalten hätten. Wer so argumentiert, hat offensichtlich wenig Gespür für die Bedeutung schulischer und gymnasialer Bildungsinhalte. Vielleicht ist so erklärbar, dass er im Koalitionsvertrag, um die Elbvertiefung zu retten, der Bildungsverflachung einer zwangsweise auf sechs Jahre gekürzten Gymnasialschulzeit ganz schnell zugestimmt hat. Mit dem Suchbegriff ‘Pass auf Hamburg’ findet man auf der Website von ‘youtube’ ein Video, das zeigt, wie Aussagen vor und nach der Wahl beim Ersten Bürgermeister miteinander kontrastieren. Fast fühlt man sich an das Hauruckverfahren der G8-Einführung in Bayern erinnert, wo es der damalige Ministerpräsident Stoiber schaffte, innerhalb einer Woche nach der vorletzten Landtagswahl eine komplette schulpolitische Kehrtwendung einzuleiten, was seiner Partei einen grundlegenden Glaubwürdigkeitsverlust bescherte, an dem sie noch heute laboriert.

Dann haben wir da die Hamburger Schulsenatorin Christa Goetsch von der grünalternativen Liste. Ihr muss man zugute halten, dass sie eine Überzeugungstäterin ist. Ihr Hauptziel war und ist eine mindestens neunjährige Gemeinschaftsschule. Die sechsjährige Primarschule ist für sie der erste Schritt dazu. Man könnte jetzt einwerfen, dass es keine einzige Studie gibt, die einer verlängerten Grundschule Verbesserungen bei Leistungsniveau und Bildungsgerechtigkeit zubilligt. Berlin und Brandenburg mit sechsjähriger Grundschule zeigen eher das Gegenteil. Vollends unglaubwürdig wird das Hamburger Modell aber, weil es durch die Möglichkeit, an beiden verbliebenen Schularten Abitur zu machen (Gymnasium und Stadtteilschule), selbst das Goetsch-Argument entkräftet, es werde nach Klasse 4 zu früh über Lebenschancen entschieden. Damit wird dann aus der Überzeugungstäterin eine Ideologin, die nicht aus Sachargumenten, sondern aus ideologischen Gründen an dem Ziel einer Einheitsschule mit allen Mitteln festhalten will.

Man darf gespannt sein, wie es weitergeht in Hamburg. Die Schulsenatorin wird zu einer Vernunftlösung (Primarschule als freiwilliges Angebot) nicht in der Lage sein, die CDU riskiert selbst bei einem Sieg im Volksentscheid eine innere Spaltung, von der sie sich bis zur nächsten Wahl 2012 mit Sicherheit nicht erholen wird. Überdies wäre das ein fatales Bild: Unionspolitiker Arm in Arm mit GAL- und GEW-Aktivisten sowie Anhängern der Linken gegen eine Bürgerinitiative, die aus der Mitte der Hamburger Gesellschaft kommt.

Hamburg setzt aber auch ein Signal nach außen! Eine weitere Amputation des Gymnasiums werden sich die Eltern und Bürger in allen Bundesländern nicht gefallen lassen! Konrad Adam hat in der FAZ das Ziel der Gegner des Gymnasiums in seiner bildkräftigen Sprache unnachahmlich zusammengefasst:

»Die schwarzen, roten und grünen Schulreformer schlagen erst dem Gymnasium den Kopf ab; danach hauen sie ihm die Füße weg; das alles in der Hoffnung, dass der Rumpf der auf fünf oder sechs Klassen reduzierten Schule danach von selbst abstirbt. Die Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre mag nötig, sinnvoll oder erträglich sein; die Verlängerung der obligatorischen Grundschulzeit von vier auf sechs oder noch mehr Jahre ist es aber nicht. Sie ist ein Angriff nicht nur auf das humanistische Gymnasium, sondern auf alle anspruchsvolleren Bildungsgänge. Denn anspruchsvolle Bildung braucht ihre Zeit. Und sie wird ihr in Zukunft fehlen, wenn die Koalitionäre in Hamburg, Thüringen oder an der Saar mit ihren Absichten durchkommen.«

Wenn auch der Schulfrieden in Hamburg und an der Saar noch fern ist, das friedvolle Weihnachtsfest nähert sich und damit für uns alle die Möglichkeit, persönlich und im Kreise der Familie zu Ruhe und zu echter Besinnung auf das Wesentliche zu kommen.

Ich wünsche Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest und ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr!

Die Literaturangaben zum Artikel von Prof. Ulm "Mathematische Begabung und ihre Förderung im Unterricht" finden Sie hier.