DPhV Pressemitteilungen

29.07.10

Neuregelung der steuerlichen Absetzbarkeit des häuslichen Arbeitszimmers verfassungswidrig!

DPhV sieht sich in seiner Rechtsauffassung bestätigt

19.07.10

Hamburger Volksentscheid:

Phantastischer Erfolg der Elterninitiative mit bundesweiter Signalwirkung

Meidinger regt deutschlandweites zehnjähriges Moratorium gegen weitere Struktureingriffe an!

 

16.07.10

Das Primarschulmodell ist schon jetzt gescheitert!

Der Deutsche Philologenverband sieht die Hamburger Schulreform unabhängig vom voraussichtlich knappen Ausgang am Sonntag bereits zum jetzigen Zeitpunkt als gescheitert an und fordert den Hamburger Senat auf, auf die Einführung der P

38. DPhV-Kongress

c) pixelio - Michael W. Nickel

Die Bildungsidee des Gymnasiums

 

Die Vertreterversammlung des DPhV fällt in eine bildungspolitisch unruhige Zeit, in der sich gerade die Kräfte wieder sammeln, die das differenzierte Schulwesen in Deutschland abschaffen und durch ein integratives Einheitsschulsystem ersetzen wollen.

Den Befürwortern eines so genannten "längeren gemeinsamen Lernens" sind die hohe Akzeptanz unserer Gymnasien und auch deren beeindruckende Qualität, wie sie sich nicht nur bei internationalen Vergleichsstudien zeigt, ein Dorn im Auge.

Dabei hat eine FORSA-Umfrage vom November 2007 eindeutig gezeigt, dass fast zwei Drittel der Bevölkerung gegen eine weitere Verkürzung des Gymnasiums von unten sind, zudem haben sich darin knapp 90 Prozent der Deutschen unmissverständlich gegen die Abschaffung der Gymnasien ausgesprochen.

Das deutsche Gymnasium blickt inzwischen auf eine mehr als 250-jährige Erfolgsgeschichte zurück, für die man auch international kaum Vergleichbares findet. Bereits zu Beginn des preußischen Gymnasiums stand der revolutionäre Gedanke einer Schulart, deren Besuch nicht auf Privilegien, sondern auf Leistung gegründet ist. Durch die Expansion in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist das Gymnasium endgültig zu einer Schule des sozialen Aufstiegs geworden, die Kinder unabhängig von ihrer sozialen Herkunft begabungsgerecht fördert. Die wie in fast allen anderen OECD-Staaten noch zu hohe Koppelung von Sozialschicht und Bildungserfolg ist kein Vorwurf gegen das Gymnasium, sondern die Konsequenz der noch zu großen Bildungsferne vieler Familien und Eltern, u.a. solcher mit Migrationshintergrund. Hier liegt noch eine große Herausforderung, nicht nur für die Bildungs-, sondern auch für die Integrationspolitik.

Unser Motto lautet "gymnasium.bildungsidee.de". Darin steckt die Botschaft, dass das Gymnasium nicht nur eine Schulart ist, die formal zur Hochschulreife und zur Studierfähigkeit führt, sondern dass das Gymnasium nach wie vor eine Bildungsidee verkörpert.

Besonders freuen wir uns auf den Festvortrag von Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, dem Kulturstaatsminister der vormaligen Bundesregierung, der darin der Frage nachgehen wird, wie aktuell und sinnvoll humanistische Ideale in der Bildung heute noch sind.

Als Ziel der menschlichen Existenz und damit auch als eine zentrale Aufgabe des Gymnasiums gab Wilhelm von Humboldt an: "Soviel Welt als möglich in die eigene Person zu verwandeln, ist im höheren Sinn des Wortes Leben."

Daraus resultiert dieser umfassende Allgemeinbildungsauftrag unserer Schule,- denn nur wer möglichst viel Welt und Wissensgegenstände kennengelernt hat, hat auch die Möglichkeit, sein eigenes Begabungspotential und seine Persönlichkeit zu entwickeln.

Nicht die bloße Verwertbarkeit, sondern der Eigenwert von Bildung für die Entfaltung der eigenen Person und die Entwicklung zum mündigen Bürger gehört zum Wesenskern humanistischer gymnasialer Bildung.

Deshalb sollten wir trotz aller Offenheit und immer wieder notwendigen Innovation und Modernisierung der gymnasialen Bildung nicht rütteln lassen an diesem Bildungsideal, das gerade weil es sich den schnell ändernden Anpassungsforderungen von Ökonomie und Funktionalismus widersetzt, seinen eigentlichen Wert erhalten hat.

Mein Dank gilt schließlich allen, die zur Vorbereitung und Durchführung dieser Veranstaltung bereits im Vorfeld, aber auch während des gesamten Verlaufs beigetragen haben und beitragen, insbesondere der Geschäftsführerin des DPhV, Gabriele Lipp, der Pressesprecherin, Eva Hertzfeldt, und den Damen des Sekretariats Annett Thiele und Andrea Hennig.

Ich wünsche dem 38. Deutschen Philologentag einen guten Verlauf, fruchtbare Beratungen und Diskussionen sowie die Verabschiedung zukunftsweisender Beschlüsse!

Heinz-Peter Meidinger